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Wirtschaft

Paketflut verschärft Konkurrenzkampf und Preisdruck unter den Lieferdiensten

Von Martin Roithner  15. Februar 2020 00:04 Uhr

WIEN. Hohe Wachstumsraten bei Paketmengen sind für Unternehmen Fluch und Segen zugleich.

Der Hang der Landsleute zu vermehrtem Einkauf im Internet lässt die Paketmenge anschwellen. Im Vorjahr stieg die Zahl der Pakete um acht Prozent oder 18 Millionen auf 245,9 Millionen. Damit hat sich die Zahl der Packerl in Österreich seit 2016 um ein Drittel erhöht. Das geht aus einer gestern, Freitag, veröffentlichten Auswertung des Marktforschungsinstituts Branchenradar hervor.

Die Wachstumsraten sind für die Lieferdienste Fluch und Segen zugleich. Einerseits steigen die Umsätze, andererseits nimmt der Druck auf Preise und Zusteller zu.

Die ohnehin schon hohe Dynamik auf dem Markt habe zuletzt noch einmal zugelegt, sagt Rainer Schwarz. Der Chef des größten privaten Paketdienstes in Österreich, DPD, sieht darin ein Risiko. "Mehr Menge zu bekommen, ist nicht schwierig. Es geht darum, mit den Paketen auch etwas zu verdienen."

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Der Endverbraucherpreis pro Paket betrug im vergangenen Jahr laut Branchenradar durchschnittlich fünf Euro. 2016 waren es noch 20 Cent mehr, kommendes Jahr sollen es 4,90 Euro sein. "Der Preis ist enorm unter Druck", sagt Schwarz. Paketdienste hätten es schwer, Investitionen und Preiserhöhungen gegenüber Kunden zu rechtfertigen. DPD transportierte zuletzt 52 Millionen Pakete.

Hin- und hergerissen ist auch die teilstaatliche Post. Das börsenotierte Unternehmen transportierte im Vorjahr 127 Millionen und damit mehr als die Hälfte aller heimischen Pakete. Obwohl die Pakete das Wachstum treiben, verdiene die Post nach wie vor mit dem klassischen Brief am meisten, sagt Sprecher Michael Homola. 2019 verschickte die Post 688 Millionen Briefe. "Die Marge ist beim Paket niedriger, weil mehrere Anbieter mitmischen. Beim Brief gibt es nur regionale Mitbewerber."

Ungemach droht Paketdiensten und Kunden auch aus China. Die Pakete aus dem Reich der Mitte dürften künftig deutlich teurer werden. Das liegt an der Freigrenze für die Umsatzsteuer aus Nicht-EU-Staaten. Diese gilt derzeit bei einem Warenwert von weniger als 22 Euro. Anfang 2021 soll die Freigrenze innerhalb der EU fallen. Dann wird die Steuer ab dem ersten Euro fällig.

100 Millionen Euro entgehen

Schwarz kann dieser Regelung trotzdem einiges abgewinnen: "Es tut der gesamten Branche nicht gut, wenn die Chinesen ihre Billigpakete zu uns schicken können." Schätzungsweise werden pro Jahr acht Millionen Pakete von China nach Österreich befördert. Da der Großteil falsch deklariert werde, um die Umsatzsteuer zu umgehen, entgehen den Finanzbehörden jedes Jahr mehr als 100 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Sowohl Schwarz als auch Homola erwarten, dass Paketmengen aus China weniger werden.

Ein Dauerbrenner bleibt hingegen die letzte Meile. Beim finalen Zustellweg zum Kunden tüfteln die Anbieter seit Jahren an verschiedenen Varianten. Die Post versucht es mit Abholboxen in Wohnräumen. Homola: "Den Heiligen Gral hat hier aber noch kein Lieferdienst gefunden."

Artikel von

Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

Martin Roithner
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