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Wirtschaft

Novomatic zieht sich aus Kleinem Glücksspiel in Österreich zurück

Von Ulrike Rubasch aus London   05. Februar 2020 12:14 Uhr

THEMENBILD: NOVOMATIC WIRD GR?SSTER CASINOS-AKTION?R
Hauptquartier in Gumpoldskirchen

LONDON/WIEN/GUMPOLDSKIRCHEN. Der Glücksspielriese Novomatic wird sich nicht mehr um Lizenzen für das Kleine Glücksspiel bewerben, wenn diese auslaufen. Grund dafür sind die Folgen der Casinos-Affäre

„Wir lassen uns nicht mehr vorwerfen, Illegales zu machen. Wir ziehen die Konsequenzen und haben in Österreich kein Interesse mehr. Österreich ist nicht mehr im Fokus der Gruppe“, wurde Novomatic-Chef Harald Neumann richtiggehend emotional. Er reagierte damit auf der größten Glücksspielmesse der Welt, der ICE Totally Gaming in London, auf die Vorwürfe und Ermittlungen aus der Casinos-Affäre. Dem niederösterreichischen Weltkonzern wird angekreidet, versucht zu haben, in Österreich auf unsauberem Weg mit politischen Postenbesetzungen Spiel-Lizenzen zu bekommen – Stichwort Peter Sidlo.

Konkret heißt „kein Interesse“, dass man sich nicht mehr um Landeslizenzen, wenn sie auslaufen, bewerben will, sprich de facto ein Rückzug aus dem operativen des Automatenbetriebs (Admiral Casinos & Entertainment AG mit 150 Standorten in Österreich). Das Geschäft mit Sportwetten (Admiral Sportwetten GmbH mit 260 Standorten) soll voraussichtlich weiterhin bestehen.

"Fünf Prozent des Gewinns, aber 80 Prozent der Troubles"

Beide Zweige hat Novomatic in der Marke „Admiral“ gebündelt und ist mit 410 Standorten und 1500 Mitarbeitern Marktführer. In fünf Bundesländern, darunter Oberösterreich, sind die Niederösterreicher im Besitz solcher Genehmigungen zum Betreiben des „kleinen Glückspiels“. In Oberösterreich läuft die Lizenz 2023 aus. Zwei weitere Unternehmen dürfen hier ebenfalls Glückspielautomaten betreiben. Die Unternehmenszentrale in Gumpoldskirchen stellt Neumann nicht in Frage, man werde auch hier weiter den Konzerngewinn versteuern. „Wir machen hier fünf Prozent des Gewinns, haben aber 80 Prozent der Troubles in Österreich. Wir verzichten gern auf beides.“

Wenn das Tochterunternehmen Admiral keine Lizenzen mehr besitzt, verliert es seine Geschäftsgrundlage. Auf der Hand liegt also, diesen kräftig wachsenden Unternehmensteil loszuwerden, bevor es dazu kommt. Dazu wollte sich Neumann in London jedoch nicht äußern. Er sagte nur, man wolle so rasch als möglich die rund eine Milliarde Euro Bankschulden (Anleihen) zurückzahlen, um „Ruhe“ zu haben. Dazu werde auch der geplante Anteilsverkauf der 17-Prozent an den Casinos Austria verwendet werden. In maximal 24 Monaten werde diese Summe zurückgezahlt sein. Ein Admiral-Verkauf würde dafür auch entsprechendes Kapital freisetzen.

Die Novomatic-Gruppe (siehe Kasten) blickt auf ein stabiles Jahr 2019 zurück. Die genauen Zahlen des im Familienbesitz befindlichen Konzerns werden im April veröffentlicht. Der Umsatz dürfte wieder bei 5,1 Milliarden Euro und das Ergebnis (Ebitda) bei 500 Millionen Euro liegen. Operativ werde sich, so Neumann, heuer – anders als im Vorjahr – ein Gewinn ausgehen. Heuer lege man – ohne Zukäufe – einen Wachstumssprung von „zehn bis 15 Prozent bei Umsatz und Ergebnis“ hin, ist der Konzernchef zuversichtlich.

Wichtigster Markt Deutschland

Der wichtigste Markt, Deutschland, auf dessen Konto die Hälfte des Gruppenergebnisses geht, ist dafür ein Schlüssel. Derzeit betreibt Novomatic dort 650 Spielhallen, ab 2021 wird man auf Grund neuer gesetzlicher Regelungen wieder in den stark wachsenden Online-Glückspielmarkt mit Sportwetten und Poker-Casino einsteigen. Aus diesem zog man sich 2017 wegen geänderter Vorgaben zurück. „Auf Grund des neuen Glückspiel-Staatsvertrags erwarten wir entsprechende Umsatzsteigerungen“, so Neumann.

Das Online-Gaming ist in der Tochter „Greentube“ unter der Führung von Thomas Graf, einem der drei Söhne des Firmengründers Johannes F. Graf, gebündelt. „Durch die Umstellung auf neue Serverplattformen werden wir 2020 wettbewerbsfähiger und kostengünstiger.“ Vielversprechend ist für Novomatic auch der US-Markt mit einer Million Spielautomaten. Mit den Indianer-Casionos der Semiolen (Hard Rock Cafes) komme man gut ins Geschäft. Zwei Novomatic-Spiele seien jetzt erstmals unter die Top20 gelistet worden. „Jetzt haben wir den Schlüssel für die USA gefunden“, so Neumann.

Die Novomatic-Gruppe setzt weltweit mit 30.000 Mitarbeitern 5,1 Milliarden Euro um. 60 Prozent des Geschäfts stammen aus dem Betreiben der Automaten, 40 Prozent aus dem Verkauf von Technologie und Geräten. Novomatic hat die Zentrale in Niederösterreich, zwölf Produktionsstandorte, 2100 Spielstätten mit 65.000 eigenen Automaten, dazu 15 Live-Casinos. 180.000 Novomatic-Spieleterminals sind für andere Betreiber im Einsatz.

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