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Wirtschaft

Nach Verlustjahren zieht die Westbahn die Notbremse

Von Martin Roithner 23. Juli 2019 00:04 Uhr

Nach Verlustjahren zieht die Westbahn die Notbremse
Ab Dezember dieses Jahres wird die Westbahn nur noch im Stundentakt ab dem Wiener Westbahnhof fahren. (vowe)

WIEN. Reduzierter Fahrplan und günstige Flotte – Giftpfeile gegen ÖBB.

83 Millionen Euro Verlust hat die mehrheitlich private Westbahn seit ihrem Start vor acht Jahren angehäuft. Haupteigentümer Hans Peter Haselsteiner zieht nun die Notbremse. Gestern, Montag, skizzierte er mit Vorstandschef Erich Forster bei einem Pressegespräch in Wien, wie die Privatbahn zurück in die Spur finden soll.

Die Westbahn verkauft ihre Flotte von 17 Zügen in zwei Tranchen an die Deutsche Bahn. Dafür werden, wie berichtet, von der Schweizer Firma Stadler 15 neue Doppelstockgarnituren als Ersatz geholt. Kostenpunkt: 292 Millionen Euro. Die Finanzierung sei aufgrund der niedrigen Zinsen günstiger als die bisherige, so Haselsteiner. Spätestens 2021 sollen die Transaktionen abgeschlossen sein.

Zudem kommt es zu Änderungen beim Fahrplan: Ab Dezember dieses Jahres wird die Westbahn den im Winter 2017 eingeführten Halbstundentakt wieder aufgeben und nur noch jede Stunde ab Wien-Westbahnhof verkehren. Die "blaue Linie" ab dem Praterstern werde vorübergehend eingestellt.

"Wir machen das alles ja nicht aus Jux und Tollerei", sagte Haselsteiner. Es gehe darum, die Westbahn wieder auf solide Beine zu stellen und "keine weiteren Verluste zu machen. Da bin ich zuversichtlich." Kunden müssten sich eventuell auf teurere Tickets einstellen.

<<< Lesen Sie dazu auch den Kommentar von OÖN-Redakteur Martin Roithner.

"Ein schmerzhafter Fehler"

Haselsteiner und Forster sehen die Schuld für die wirtschaftliche Schieflage der Privatbahn beim Mitbewerber ÖBB und einem "unlauteren Wettbewerb". "Es hat den Anschein, als ob die ÖBB Konkurrenten zum Aufgeben zwingen wollen", sagte Haselsteiner. Verzögerungen, Gerichtsverfahren, Preissenkungen oder Querschüsse hätten der Westbahn zugesetzt. "Ich habe eh acht Jahre lang die Goschn gehalten, aber jetzt ist es einmal genug", so der Hauptaktionär.

Vorstandschef Forster und Haselsteiner wiesen mehrmals darauf hin, dass die ÖBB als mehrheitlich staatlich geführtes Unternehmen "von Steuergeldern leben" und "es ihnen egal ist, wenn sie Verluste machen". Die Westbahn habe jedoch unterschätzt, dass die ÖBB niedrige Preise verlangen könnten. "Das war ein schmerzhafter Fehler von uns", räumte Haselsteiner ein. Die Westbahn-Verantwortlichen plädieren für einen Wettbewerb wie in Deutschland. Dort sei der Bahnverkehr seit 2013 liberalisiert, "und trotzdem ist die Deutsche Bahn noch immer ein starker Anbieter auf dem Markt".

Als Rückschlag für den öffentlichen Verkehr wertet der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) den reduzierten Fahrplan der Westbahn. Aus Umweltsicht gebe es nichts Besseres als mehrere Anbieter auf der Schiene.

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Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

Martin Roithner
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