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Wirtschaft

Nach Milliardenpleite: Freispruch für Linzer Cevdet Caner in Betrugsprozess

16. September 2020 00:04 Uhr

Cevdet Caner
Cevdet Caner

WIEN. Gericht sprach alle Angeklagten von den Vorwürfen frei – Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Einer der größten Betrugsprozesse in Österreich endete gestern, Dienstag, nach fast zwei Jahren Verhandlungsdauer mit sechs Freisprüchen. Das Straflandesgericht Wien sprach den Linzer Ex-Immobilienunternehmer Cevdet Caner und fünf Mitangeklagte frei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft meldete Nichtigkeitsbeschwerde an. Das teilte das Wiener Straflandesgericht auf Anfrage mit.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hatten schwer gewogen: Gründung einer kriminellen Vereinigung, gewerbsmäßiger schwerer Betrug, betrügerische Krida und Geldwäsche. So stand es in der Anklage gegen Cevdet Caner und die fünf Mitangeklagten Bernd T., Peter H., Herbert A., Gernot S. und Wolfgang H. (Ex-Mitarbeiter und -Berater). Die sechs Männer sollen mit Immobilien der Level-One-Gruppe in Ostdeutschland spekuliert und damit Investoren geschädigt haben, lautete der Vorwurf. Laut der Staatsanwaltschaft Wien entstand ein Schaden von 145,2 Millionen Euro.

Gestern sprach das Gericht die Angeklagten von allen Vorwürfen frei. Während des Beweisverfahrens habe sich gezeigt, dass die Anleger hohes Risiko in Kauf genommen hätten. Auch die Erkennbarkeit der Zahlungsunfähigkeit der Level-One-Gruppe sei nicht gegeben gewesen, heißt es. "Das Verfahren hat ergeben, dass Cevdet Caner ein nachhaltiges Immobilienunternehmen aufgebaut und alles getan hat, um es vor der Insolvenz zu schützen", sagt sein Anwalt Clemens Trauttenberg.

"Feindliche Übernahme"

Caner, der in Linz aufwuchs und 1998 ein Callcenter gründete, war ab 2005 Vorstandsvorsitzender und Eigentümer der Level-One- Gruppe. Immobilien in der ehemaligen DDR wurden gekauft und weitervermietet. Weil die internationale Finanzkrise 2008/09 dem geplanten Börsegang einen Strich durch die Rechnung gemacht habe, sei der Plan gescheitert, sagt Trauttenberg. Ein Konsortium aus Investmentbanken und Hedgefonds habe die Gelegenheit zu einer "feindlichen Übernahme" des Immobilienunternehmens genutzt und es in die Insolvenz geführt. "Leidtragende" seien die Level-One-Gruppe und ihre Geldgeber gewesen, sagt der Anwalt. Mit 1,5 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten war Level One die bisher zweitgrößte Immobilienpleite Deutschlands.

Die Verhandlungen am Wiener Straflandesgericht dauerten fast zwei Jahre, der Betrugsprozess begann am 19. November 2018. Es gab 55 Prozesstage, 51 Zeugen wurden einvernommen, der Gerichtsakt umfasste mehrere Tausend Seiten. In Deutschland und England waren Ermittlungen gegen Caner frühzeitig eingestellt worden. (rom)

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