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Wirtschaft

Nach Jahren des Zusperrens gab es 2018 erstmals wieder mehr Geschäfte

Von Josef Lehner 19. Juni 2019 00:04 Uhr

Nach Jahren des Zusperrens gab es 2018 erstmals wieder mehr Geschäfte
Besonders Geschäfte in Österreichs Stadtzentren wurden zugesperrt.

WIEN. Einzelhandel in Österreich: Im Vorjahr gab es wieder 200 neue Läden, das Zuviel an Verkaufsflächen wird den Strukturwandel laut Experten aber bald wieder anheizen.

"Der Strukturwandel im Einzelhandel ist momentan gestoppt", formulierte Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der österreichischen Wirtschaftskammer, gestern, Dienstag, vor der Presse betont vorsichtig: "Es ist aber nur ein Zwischenhoch. Der Strukturwandel ist nicht abgeschlossen."

Davon müsse man ausgehen, weil Österreich mit Verkaufsfläche überversorgt ist, sagte der Volkswirt Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria, der eine Sektoranalyse erstellt hat. Während nämlich die Zahl der Geschäfte zwischen 2003 und 2018 um 22 Prozent auf 37.600 gesunken ist, bei den kleinen Kaufleuten mit nur einem Standort sogar um ein Drittel auf 22.700, ist die Verkaufsfläche sogar ganz leicht, auf 13,8 Millionen Quadratmeter angewachsen.

Viel Fläche, wenig Produktivität

Das bedeutet, dass in Österreich auf einen Einwohner 1,56 Quadratmeter Geschäftsfläche kommen, um ein Drittel mehr als im EU-Schnitt von 1,18. Nur Belgien und die Niederlande sind noch stärker überversorgt. Das bedeute eine geringere Flächenproduktivität. Der Umsatz pro Quadratmeter ist in der Alpenrepublik zwar von 4100 auf 5070 Euro je Quadratmeter gestiegen, liegt aber deutlich schlechter als in anderen EU-Ländern. Unter dem Druck der Zahlen sei bald eine weitere Flächenbereinigung zu erwarten, sagte Gittenberger. Die Ertragszahlen seien jedoch je nach Branche und Betriebstyp sehr unterschiedlich.

Seit 2013 sei der Strukturwandel gebremst, sagte Buchmüllers Stellvertreter, Roman Seeliger: "Man darf sich aber nicht in Sicherheit wiegen." 2018 habe es erstmals einen leichten Zuwachs gegeben, von 200 neuen Geschäften, großteils gegründet von kleinen Kaufleuten, nicht von Ketten. Kauffrau zu sein, sei interessant und fordernd, sagt etwa Melanie Hofinger; sie führt seit 2018 die Veritas-Buchhandlung in Linz.

Weg mit Online-Privilegien

Deshalb verlangt die Handelsvertretung von den Ländern eine Raumordnung, die Expansion auf der grünen Wiese stoppt. Orts- und Stadtzentren müssen belebt werden, sagt Buchmüller. Zudem sollen die Privilegien der Online-Giganten beseitigt werden.

Das Sterben der Einzelhändler 2003 - 2018

37.600 Geschäfte gibt es Ende 2018 im österreichischen Einzelhandel: minus 22 Prozent. 22.700 gehören Kaufleuten mit nur einem Geschäft (2003: 33.400), 14.900 gehören zu Unternehmen mit mindestens zwei Standorten (15.100).

13,8 Millionen Quadratmeter beträgt die Verkaufsfläche 2018, plus 0,5 Prozent zu 2017, plus zwei Prozent zu 2003, trotz des Kaufleutesterbens. Die Durchschnittsfläche steigt in 15 Jahren wegen der großen Ketten von 280 auf 370 m2. Österreich hat 1,56 m2 Handelsfläche pro Einwohner. EU-Schnitt: 1,18 Quadratmeter.

40 Prozent aller Geschäfte sind Filialen; 2003: 31 Prozent. Sie haben 67 Prozent der gesamten Verkaufsfläche über; 2003: 54 %.

Artikel von

Josef Lehner

Redakteur Wirtschaft

Josef Lehner
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