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Wirtschaft

Modekette Tally Weijl gerettet

Von nachrichten.at/apa   29. Juni 2020 15:53 Uhr

Im Schmidtor zieht neues Leben ein: Tally Weijl startet in Linz neu durch
Die Tally Weijl-Filiale am Linzer Taubenmarkt gibt es bereits seit 2013 nicht mehr.

BASEL. Die auf Mode für junge Frauen ausgerichtete Kette ist während des Corona-Lockdowns in einen finanziellen Engpass geschlittert und erhält nun die dringend benötigten Covid-19-Kredite sowie frisches Kapital von Investoren.

Laut Mitteilung vom Montag kann Tally Weijl die Eigenkapitaldecke mit insgesamt 27 Millionen Franken (rund 25 Mio. Euro) stärken. Rund 17 Millionen davon fließen der Firma vonseiten neuer Investoren zu. Bei den restlichen rund 10 Millionen handelt es sich um die Umwandlung von Darlehen in Aktien.

Zudem kann Tally Weijl den Angaben zufolge auf die bei Banken beantragten Corona-Kredite im Umfang von 24,7 Millionen Franken zählen. Dem Kreditzuschlag seien zähe aber auch gleichzeitig konstruktive Verhandlungen vorangegangen, schreibt Tally Weijl dazu. Bei diesen Krediten bürgt die Schweiz bis zu einem Teil von 85 Prozent, das Restrisiko tragen die Banken.

"Mit der Kapitalerhöhung schaffen wir die Voraussetzungen dafür, unseren 2018 mit einer grundlegenden Neupositionierung begonnenen Wandel in ein modernes eTailer-Unternehmen mit Online-Kompetenz erfolgreich zu Ende führen zu können", wird Beat Grüring, Mitbegründer und CEO von Tally Weijl, in der Mitteilung zitiert.

200 Geschäfte vor Schließung

Die Einschnitte dieses Umbaus sind tiefgreifend. Laut Grüring sollen rund 200 der heute europaweit über 800 Geschäfte geschlossen werden. Aus Bulgarien zieht sich das Unternehmen ganz zurück, in Kroatien und Serbien würden die Stores an Franchisenehmer abgetreten. In Österreich hat Tally Weijl derzeit neun Filialen.

Auch in der Schweiz werden Filialen verschwinden. Stand heute rechnet man bei Tally Weijl mit der Schließung von 5 bis 10 der insgesamt 81 Geschäfte. Das Ziel sei es, nur jene Geschäfte weiter zu betreiben, die zur neuen Omnichannel-Strategie passen und wo man sich mit den Eigentümern auf faire Mietkonditionen einigen könne.

Über Wochen war nicht sicher, ob Tally Weijl weiterbestehen kann. Die Coronakrise traf das Unternehmen mitten im Umbau. Während des Lockdowns blieben die Geschäfte geschlossen und die Verhandlungen mit den Banken um die beantragten Covid-19-Kredite zogen sich in die Länge.

Auf dem Spiel standen insgesamt 2.700 Arbeitsplätze. In der Schweiz beschäftigt Tally Weijl in ihren Boutiquen und am Basler Hauptsitz heute mit 635 Angestellten in etwa so viele wie vor der Krise.

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