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Wirtschaft

Flugchaos: Lufthansa stellt Besserung in Aussicht

Von nachrichten.at/apa   04. August 2022 15:12 Uhr

Passagiere gewinnen Klage gegen Lufthansa: Bleibt Flugzeug am Boden?

WIEN. Die AUA-Mutter Lufthansa stellt ihren unter Streik und Flugchaos leidenden Kunden eine Besserung der Lage in Aussicht.

Im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi sei er zuversichtlich über eine Einigung, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit Blick auf die laufende dritte Verhandlungsrunde am Donnerstag. Ein eintägiger Warnstreik des Bodenpersonals vergangene Woche hatte zu mehr als 1.000 Flugstreichungen geführt.

Mehr als 7.000 Flüge gestrichen

Insgesamt wurden seit Juni schon mehr als 7.000 Flüge der Hauptmarke mit dem Kranich-Logo abgesagt, da für die laut Spohr "ungeahnt starke" Reisenachfrage überall im Luftverkehr zu wenig Personal an Bord ist.

Auch in die festgefahrenen Tarifverhandlungen mit den Lufthansa-Piloten soll Bewegung kommen. Spohr hat Gesprächsbereitschaft bei der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ausgemacht, die schon die Weichen für einen Streik gestellt hat. Mitten in der Hauptsaison, in der es im Luftverkehr ohnehin schon gewaltig knirscht, wäre ein Ausstand fatal. "Auch jenseits aller Verhandlungen müssen wir im Unternehmen zu einem besseren Gemeinschaftssinn zurückfinden", beschwor der Lufthansa-Chef die vielerorts überarbeitete Belegschaft.

Angebote reduziert

Um die teils chaotischen Abläufe an den Flughäfen zu stabilisieren, reduziert die Lufthansa von Juli bis September ihre Angebotskapazität um fünf Prozentpunkte auf 80 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Mit 85 bis 90 Prozent im kommenden Jahr sei die Planung nach 75 Prozent in diesem Jahr vorsichtig und niedriger als ursprünglich angestrebt, ergänzte Spohr.

Das Unternehmen will außerdem den aktuellen Personalmangel rasch beheben: Im zweiten Halbjahr sollen 5.000 neue Mitarbeitende eingestellt werden - und zwar netto, also nach Abzug der üblichen Fluktuation. Für nächstes Jahr seien weitere 5.000 Neueinstellungen geplant. In der Coronakrise waren mehr als 30.000 Arbeitsplätze weltweit abgebaut worden auf derzeit gut 106.000. Abfindungsprogramme hätten zu höherem Abgang als erwünscht beigetragen, räumte Spohr ein. "Das würden wir im Nachhinein nicht mehr so machen."

"Fliegen wird teurer werden"

Verdi fordert für die 20.000 Bodenbeschäftigten 9,5 Prozent mehr Geld, die Piloten wollen heuer mindestens 5,5 Prozent mehr – bedeuten steigende Kosten. Hinzu kommen höhere Treibstoffkosten. Das schlägt sich Spohr zufolge auf die Ticketpreise nieder: "Reisen und Fliegen wird teurer werden." Der Lufthansa-Chef sieht günstige Bedingungen für höhere Flugpreise auch längerfristig, weil die Infrastrukturprobleme in der Branche weltweit noch länger anhalten könnten. "Die Zeiten der Überkapazitäten wie vor der Pandemie sind vorerst vorbei", betonte er. Den Investoren stellt er in Aussicht, bis 2024 die schon länger versprochene Rendite von acht Prozent zu erreichen.

Nach mehr als zwei Jahren Coronakrise mit dem ersten satten Betriebsgewinn im Quartal fasst die Lufthansa wieder Tritt. Um Sondereffekte bereinigt verdiente der MDAX-Konzern operativ von April bis Juni 393 Millionen Euro, nach 827 Millionen Euro Verlust vor Jahresfrist. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie 2020 erwirtschaftete das Unternehmen auch wieder einen Nettogewinn: Unter dem Strich verdiente die Lufthansa 259 Millionen Euro bei 8,5 Milliarden Euro Umsatz, gut eineinhalb Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Erste Gewinnprognose nach Corona

Hauptgewinnquelle war wie seit knapp zwei Jahren das Frachtgeschäft der Tochter Lufthansa Cargo, während alle Passagier-Airlines außer der Schweizer Tochter Swiss noch Verlust einflogen. Wann sich das ändert, wollte Finanzchef Remco Steenbergen nicht sagen. Da Luftfracht dank massiver Störung der Seefracht weiter boomt, traut sich die Lufthansa erstmals nach der Coronakrise wieder eine Gewinnprognose aufs Jahr gesehen zu. Erwartet werden mehr als 500 Millionen Euro. Und das, obwohl das Flugchaos im Gesamtjahr 450 bis 500 Millionen Euro Kosten verursachen soll. Streiks, die dem Management zufolge 20 bis 35 Millionen Euro Umsatz pro Tag kosten können, sind da noch nicht eingerechnet.

Das dritte, saisonal stärkste Quartal soll deutlich mehr Geld in die Kasse spülen als das zweite, auch dank des Anziehens von Geschäftsreisen. An der Börse beflügelten die Zahlen die Aktie um mehr als fünf Prozent.

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