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Wirtschaft

Linzer Immobilienunternehmer Cevdet Caner freigesprochen

Von nachrichten.at   15. September 2020 15:05 Uhr

Cevdet Caner

LINZ/WIEN. Einer der größten Betrugsprozesse in Österreich endete heute, Dienstag, mit sechs Freisprüchen. Das Straflandesgericht in Wien sprach den Linzer Cevdet Caner und fünf Mitangeklagte frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft legte Nichtigkeitsbeschwerde ein.

Die Vorwürfe wogen schwer: Gründung einer kriminellen Vereinigung, gewerbsmäßig schwerer Betrug, betrügerische Krida und Geldwäsche. So stand es in der Anklage gegen Cevdet Caner und die fünf Mitangeklagten Bernd T., Peter H., Herbert A., Gernot S. und Wolfgang H. (Ex-Mitarbeiter und -Berater). Die sechs Männer sollen mit Immobilien in Ostdeutschland spekuliert und damit Investoren geschädigt haben, so der Vorwurf. Laut Staatsanwaltschaft Wien entstand ein Schaden von 145,2 Millionen Euro.

Heute, Dienstag, hob das Gericht die Vorwürfe auf und sprach die Angeklagten frei. Das teilte Caners Medienanwalt Ben Irle in einer Aussendung mit. Demnach habe das Gericht kein strafrechtlich relevantes und vorwerfbares Verhalten der Beschuldigten gesehen. 

Die Verhandlungen im Wiener Straflandesgericht dauerten fast zwei Jahre. Der Betrugsprozess begann am 19. November 2018. Unter dem Vorsitz von Richter Michael Tolstiuk gab es 55 Prozesstage. 51 Zeugen wurden einvernommen, der Gerichtsakt umfasste mehrere Tausend Seiten. In Deutschland und England waren Ermittlungen gegen Caner bereits frühzeitig eingestellt worden. 

Caner war ab 2005 Vorstandsvorsitzender und Eigentümer der Level One Gruppe. Immobilien in der ehemaligen DDR wurden gekauft und vermietet. Weil die internationale Finanzkrise 2008/09 dem geplanten Börsegang einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht habe, sei der Plan gescheitert, so Caners Argument. Ein Konsortium aus Banken und Hedgefonds habe die Gelegenheit zu einer „feindlichen Übernahme“ der Level One Gruppe genutzt und sie in die Insolvenz geführt, heißt es in der Aussendung. Nun seien die Vorwürfe „erwartungsgemäß als durchweg unbegründet“ verworfen worden. 

Caner kam 1983 als Zehnjähriger nach Linz, brach sein Studium ab und gründete 1998 ein Callcenter. Als es bergab ging, stieg er in die Immobilienbranche ein. 2004 gründete er die Level One Gruppe mit Steuersitz auf der Kanalinsel Jersey. 2008 ging sie pleite. Mit 1,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten war Level One die bisher zweitgrößte Immobilienpleite Deutschlands. 

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