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Linz will Hotspot für Forschung der nächsten Mobilfunkgeneration werden

Von Ulrike Rubasch   02.August 2021

Linz will Hotspot für Forschung der nächsten Mobilfunkgeneration werden
Mit 6G könnte auch die 3D-Videotelefonie kommen: Telefonieren mit Hologrammen.

Abseits der Öffentlichkeit hat sich in Linz ein Forschungsschwerpunkt für Funktechnologie entwickelt, der international Beachtung findet. Nun will Silicon Austria Labs (SAL), das einen von drei Standorten in Linz hat, ein Spitzenforschungszentrum für elektronikbasierte Systeme aufbauen, das die nächste Mobilfunkgeneration 6G vorbereiten soll. Das überwiegend in öffentlicher Hand befindliche Zentrum will die 140 Millionen Euro Budget bis 2023 mit Partnern verdoppeln.

Man arbeitet eng mit der JKU und der Industrie zusammen und denkt groß. Ziel ist ein Forscherteam von 1000 Mitarbeitern. Derzeit sind es 200, davon 40 in Linz, der Rest in Graz und Villach. "Wir wollen in zehn bis 15 Jahren in der europäischen Champions League dieser Forschung mitspielen, in einer Liga mit dem Fraunhofer-Institut", sagt der Leiter des Silicon Labs in Linz, Thomas Lüftner. Er erinnert sich, als vor vielen Jahren in Linz von Infineon die 3G-Hochfrequenztechnik für das erste iPhone und den ersten Gegenspieler der Android-Seite, das Galaxy S, entwickelt wurde. So maßgeblich soll Linz auch für 6G werden.

Doch wozu braucht man diese Mobilfunkgeneration, die frühestens 2029 marktreif sein dürfte, wo doch noch nicht einmal 5G flächendeckend in Österreichs Mobilfunknetz ausgerollt ist? 5G liegt im Frequenzbereich von 26 Gigahertz, 6G bei 100 bis 300 Gigahertz. 6G hat eine zehn- bis hundertfach höhere Geschwindigkeit als 5G und eine schnellere Reaktionszeit – bei 5G bekommt man nach dem Senden einer Nachricht nach einer Millisekunde Feedback, bei 6G sollen es nur 0,1 Millisekunden sein.

Das ist vor allem für industrielle Anwendungen und die Mensch-Maschine-Kommunikation interessant. Was heute noch wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film klingt, könnte mit 6G real sein: Ein Techniker in Österreich führt mithilfe eines 3D-Hologramms Wartungsarbeiten an einer Maschine in Asien durch. Er kann die Fabrikshalle in China virtuell betreten und Maschinen so betrachten und warten, als wäre er vor Ort. In der Fabrik der Zukunft, bei der 6G eine große Rolle spielen dürfte, können Geräte ihre Umgebung über Sensoren wahrnehmen und in Echtzeit Entscheidungen treffen.

Linz will Hotspot für Forschung der nächsten Mobilfunkgeneration werden
Th. Lüftner, Silicon Austria Labs

Weniger Stromverbrauch

Die 6G-Forschung bei Silicon Austria Labs umfasst drei große Bereiche: die Millimeterwellen-Hochfrequenztechnik, künstliche Intelligenz eingebettet in Schaltungen für Radar- und Hochfrequenzsensorik und die störsichere industrielle Drahtloskommunikation. Über allem steht der Druck, den Stromverbrauch bei 6G zu reduzieren. Lüftner: "Wir müssen die nächste Mobilfunkgeneration 6G zu einer grünen Technik machen. Das ist bei 5G verabsäumt worden." Die globalen Datencenter verbrauchen bereits zehn Prozent der Weltenergie.

Je höher die Frequenz, desto weniger Energie wird bei der Übertragung der gleichen Datenmenge verbraucht. "Und wir achten darauf, dass nur wesentliche Daten übertragen werden", das heißt, sie sollen überwiegend dort verarbeitet werden, wo sie entstehen, etwa bei den Geräten selbst und nicht in der stromfressenden Cloud.

Lüftner sieht in 6G auch eine Schlüsseltechnologie zur Re-Industrialisierung Europas, weil durch höhere Automatisierung Fabriken aus Niedriglohnländern wieder zurück nach Europa geholt werden könnten.

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17. Oktober 2021