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Wirtschaft

Langfristig Geld anlegen in einer Welt ohne Zinsen

Von Hermann Neumüller  08. Oktober 2021 00:04 Uhr

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LINZ. Realzinsen sind seit elf Jahren negativ. Das dürfte sich zumindest in diesem Jahrzehnt nicht mehr ändern. Aktien oder Investmentfonds gelten derzeit für Kleinanleger als einzige Möglichkeit, Rendite zu erzielen. Ohne Risiko ist das aber nicht

"Ich lehne mich da jetzt weit aus dem Fenster, aber ich bin überzeugt, dass wir in diesem Jahrzehnt keine Zinswende mehr sehen werden", sagte Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment GmbH, am Mittwoch beim Investment Lunch der Oberbank. "Wir sind außerdem im elften Jahr mit negativen Realzinsen. Ich fürchte, das wird sich überhaupt nicht mehr ändern", so der Fondsmanager (siehe Grafik). Negative Realzinsen heißt, dass die nominellen Zinsen nicht einmal die Inflation abdecken.

Das mache es für sicherheitsorientierte Sparer unmöglich, Rendite zu erzielen, sagte Monika Hackl von der Konsumenteninformation der Arbeiterkammer Oberösterreich im OÖNachrichten-Gespräch. Trotzdem sei Vorsorge wichtig und für viele unverzichtbar. "Auf jeden Fall braucht es eine eiserne Reserve, um kurzfristige Ausgaben decken zu können", sagt Hackl. Das könne eine kaputte Waschmaschine sein oder eine Autoreparatur, etwa für Pendler.

Für die bei vielen Österreicherinnen und Österreichern lange Zeit beliebten Anlageformen sieht es hingegen düster aus. "Bausparverträge können wegen der niedrigen Zinsen mit relativ langen Bindungen und geringer Flexibilität wohl kaum einen Rendite suchende Anleger locken", sagte Hackl. Die maximale staatliche Prämie von derzeit 18 Euro gehe bis zur Hälfte für die jährliche Kontoführungsgebühr verloren.

Bei den klassischen Lebensversicherungen seien die Erträge schon bisher sehr gering oder sogar ne

gativ gewesen. Für Vertragsabschlüsse nach dem 30. Juni 2022 werde das noch schlimmer, denn der höchstzulässige Mindestzins werde ab diesem Zeitpunkt null sein, so Hackl.

Um eine Chance auf höhere Erträge zu haben, bleibe nur der Weg auf den Kapitalmarkt. Anlagespezialisten propagierten, dass im langjährigen Vergleich Aktien immer positiv abschneiden. Dies werde oft durch Aktienindizes dargestellt. "Aber wie kann ein einzelner Anleger mit einem begrenzten Budget die breite Streuung eines Aktienindex nachbilden", fragt Hackl. Und gibt auch gleich eine Antwort: Exchange-Traded Funds. (ETFs). Die meisten dieser Fonds bilden einen Aktienindex nach (ATX, Dow Jones, DAX, etc.). Ihr Vorteil gegenüber einem direkten Kauf von Aktien sei die breite Streuung und auch die Transparenz. "Steigt der jeweilige Aktienindex, dann steigt auch der ETF in etwa demselben Ausmaß, aber auch umgekehrt", sagte Hackl.

Und damit landet man beim Risiko. "Auch Indizes und damit die ETFs können stark und häufig schwanken. Das ist nichts für schwache Nerven", sagte Hackl. Wer bei Wertschwankungen schlecht schlafe, neige leider dazu, bei fallenden Kursen zu verkaufen, damit würden Verluste aber realisiert. Ideal aus Sicht der Konsumentenschützerin sei daher ein Fonds-Sparplan. Damit könnten in Zeiten fallender Kurse bei gleichbleibendem Sparbetrag pro Monat mehr Fondsanteile gekauft werden.

Sind Aktien schon zu teuer?

Diese Frage werde ihm oft gestellt, sagte Fondsmanager Wögerbauer. Er sei überzeugt, dass die Aktien derzeit nicht übertrieben teuer seien. Auch wenn das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) derzeit bei 20 liege und die Dividendenrendite bei zwei Prozent, müsse man das in Relation zum Zinsniveau sehen. 2015 habe das KGV 15 betragen, die Dividendenrendite lag bei drei Prozent, aber das Zinsniveau lag ebenfalls bei drei Prozent.

"Wenn man die Aktienbewertung mit dem Zinsumfeld in Beziehung setzt, dann glaube ich nicht, dass die Aktien wirklich überbewertet sind", sagte Wögerbauer in seinem Vortrag.

Trotz Corona stiegen private Geldbestände
Mehr Geld im Börserl

Trotz Corona stiegen private Geldbestände

Obwohl in der Coronakrise etliche Menschen ihren Job verloren haben, ist das private Geldvermögen pro Kopf deutlich gestiegen. Es legte im Vorjahr weltweit um 9,7 Prozent und in Österreich um rund fünf Prozent zu. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Allianz Global Wealth Report hervor, der alljährlich das Geldvermögen der Haushalte in rund 60 Ländern unter die Lupe nimmt.

Demnach betrug das durchschnittliche private Nettovermögen in Österreich im Vorjahr 63.590 Euro. Das ist Platz 16 im internationalen Vergleich. An der Spitze liegen die Amerikaner mit 218.470 Euro vor den Schweizern (212.050) und den Dänen (149.240).

Die Gründe für den Zuwachs sieht die Allianz in Lockdowns, die den Konsum reduziert hätten, und der lockeren Geld- und Fiskalpolitik. Das meiste angesparte Geld sei jedoch auf Bankkonten gelandet, wo die Verzinsung marginal sei, heißt es.

Zahlen und Fakten

  • 400 Millionen Pfund (470 Millionen Euro): Geldwäsche in dieser Höhe soll NatWest nicht verhindert haben. Gestern bekannte sich die britische Bank schuldig.
  • 1,05 Milliarden Dollar (rund 910 Millionen Euro): Für diesen Preis stößt der US-Kurznachrichtendienst Twitter die auf mobile Werbung spezialisierte Firma MoPub ab.
  • 33 Prozent: So hoch fiel der Preisanstieg von Lebensmitteln im September gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Laut UNO sind Lebensmittelpreise auf dem höchsten Stand seit 2011.

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Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

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