Die Geduldsproben für international tätige Fachkräfte

Südostasiatische Staaten und China verhängen über Einreisende eine 14-tägige Quarantäne. (Colourbox) Bild: Colourbox Susanna Sailer

Wie die Corona-Pandemie die Entsendungen von Mitarbeitern ins Ausland erschwert.

Wer für seinen Arbeitgeber die Koffer packen soll, um eine Niederlassung in Asien oder in den USA aufzubauen, braucht in Zeiten von Corona gute Nerven und Geduld. Im Frühjahr machten viele Zielländer ihre Grenzen für Ausländer dicht. "Jetzt gibt es restriktive Reisebestimmungen, aber es lässt sich wieder mehr machen", meint eine Personalverantwortliche. Doch die entsandten Fachkräfte (auch Expats genannt) müssen einiges auf sich nehmen.

MARK METALLWARENFABRIK, Spital am Pyhrn: Rudolf Mark, Geschäftsführer des Autozulieferers, baut 150 Kilometer nördlich von Shanghai eine Produktion auf. Zur Finalisierung sollen im Februar drei seiner Fachkräfte nach China. "Vorausgesetzt, sie werden eingelassen. Es spießt sich noch an der Genehmigung unseres offiziellen Einladungsschreibens", sagt Mark. In China erwartet die Mitarbeiter eine 14-tägige Quarantäne in einer staatlichen Einrichtung, zumeist in einem einfachen Hotel. Mark: "Ihnen ist verboten, ihr Zimmer zu verlassen oder ein Fenster zu öffnen. Dreimal am Tag erhalten sie Essen und das Personal nimmt Temperaturmessungen vor." Mark will die Bedingungen für seine Leute erleichtern. Mit dem chinesischen Geschäftsführer suchte er an, das Hotel selbst wählen zu dürfen. "Ich habe gehört, dass die deutsche Industrie- und Handelskammer von Deutschland aus Flüge organisiert. Direkt vom Flugzeug weg werden die Leute in ein chinesisches Fünfsternehotel mit besseren Quarantänebedingungen geleitet." Mark hofft, das für seine Mitarbeiter anwenden zu können.

TGW LOGISTICS, Marchtrenk: Stephanie Schwarz ist beim Logistikspezialisten als Personalverantwortliche für das globale Expat-Programm an den TGW-Standorten in Europa, den USA und China zuständig. "Im Gegensatz zu vielen anderen Punkten ist die Quarantäne planbar", sagt sie. Vielmehr beschäftigt sie das komplexe Problem der unterschiedlichen Visa-Arten. In der ersten Lockdown-Phase waren Konsulate in Österreich geschlossen. Es wurden keine Anträge bearbeitet. "Derzeit haben sie geöffnet, sie agieren teilweise nur langsamer", sagt Schwarz. Ohne ein Arbeitsvisum vorzuweisen, sei momentan kein Flug zu buchen.

ENGEL, Schwertberg: Für den Spritzgussmaschinenerzeuger sind 15 Mitarbeiter in China, Südkorea, USA, Mexiko und Brasilien tätig. Michael Grininger, Bereichsleiter Human Resources: "Reisen der Expats zum Stammsitz Schwertberg finden aktuell nicht statt. Es gab Quarantäne-Fälle von Kollegen, die aus Europa nach China reisten und dort zwei Wochen in staatliche Quarantäne mussten." Die Niederlassung vor Ort sei für diese Expat-Kollegen eine Stütze.

PRIMETALS, Linz: "Rund 100 Leute sind für uns international unterwegs. Für sie und für uns in der Personalabteilung ändern sich die Voraussetzungen täglich", sagt die HR-Leiterin des Anlagenbauers, Anita Leitner. Die Einreisebestimmungen für die USA seien derzeit ganz schwierig. "Wir können dorthin eigentlich keine Leute schicken." Auch in China sei die Bürokratie aufwendig, "aber wir kommen rein". Hilfreich für Nachkommende seien Berichte von Kollegen, die vor Ort waren. Diese informieren, worauf zu achten sei.

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