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Co-Working-Spaces: "So kann man Fachkräftepotenzial anzapfen"

09. April 2022 12:17 Uhr

Co-Working-Spaces: "So kann man Fachkräftepotenzial anzapfen"
Seit 2019: Co-Working-Space in der Ottensheimer PostWerkStatt

EY-Studie: Jeder zweite Angestellte kann sich Arbeit in einem "geteiltem Büro" vorstellen.

Die Präsenzkultur im Büro ist spätestens seit Ausbruch der Covid-Pandemie vor gut zwei Jahren obsolet. Homeoffice ist zu einer gut funktionierenden Realität im Leben vieler Arbeitnehmer geworden. Denn durch das Arbeiten von zu Hause sparen sie viel Zeit, Kilometer und auch CO2-Emissionen. Allerdings wird auch die Kehrseite immer mehr spürbar: "Berufs- und Privatleben fließen ineinander, und auch der persönliche Austausch mit anderen Menschen fehlt zunehmend", sagt Erich Lehner, geschäftsführender Partner am Linzer Standort des Beratungs- und Prüfunternehmens EY. EY hat im Jänner mehr als 1000 Beschäftigte im Angestelltenverhältnis in Österreich zum Thema "Zukünftiger Arbeitsplatz" befragt.

Demnach kann mehr als die Hälfte der Österreicher Homeoffice nutzen. 77 Prozent sind auch mit der Ausstattung zufrieden. Durchschnittlich wird ein Drittel der Arbeitszeit im Homeoffice verbracht – mehr wird von vielen nicht gewollt. Jeweils ein Drittel der Befragten gab an, die räumliche Abwechslung, den Kontakt mit den Kollegen und die Dynamik bei Terminen vor Ort zu vermissen.

Das ist auch der Grund, warum das Interesse an Co-Working-Spaces so hoch ist. Dabei handelt es sich um Räumlichkeiten, die von Mitarbeitern mehrerer Unternehmen gemeinsam genutzt werden bzw. um separate Büros, die von Betrieben abseits der Zentrale eingerichtet werden. 53 Prozent der Befragten hätten im Falle eines näher gelegenen Büros Interesse an einem temporären Wechsel des Arbeitsortes. Besonders interessiert sind die unter 30-Jährigen (67 Prozent). Mehr als ein Viertel kann sich vorstellen, zu einem Arbeitgeber zu wechseln, der Co-Working-Spaces anbietet. "Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Solche neuen Arbeitsmodelle helfen nicht nur, Fachkräfte zu finden, sondern auch, sie langfristig zu binden", sagt Werner Pamminger, Geschäftsführer der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria (Biz-up). Die Biz-up betreut über das Bundesland verteilt 50 Co-Working-Spaces in unterschiedlichsten Formen. "Neues Fachkräftepotenzial kann angezapft werden, wenn man näher an den Lebensmittelpunkt der Mitarbeiter heranrückt", sagt Pamminger. "Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel", sagt Lehner: Wer diese Dinge positiv angehe, habe bei der Suche Vorteile.

Die Erwartungen ändern sich

"Gerade bei den Jungen sehen wir ein Umdenken bezüglich dessen, was ein Arbeitgeber mitbringen muss", sagt Marion Raninger, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei EY in Linz. Ein flächendeckendes Forcieren von Co-Working-Spaces insbesondere im ländlichen Raum würde gefahrene Pkw-Kilometer reduzieren und die CO2-Emissionen senken. Bei 2,3 Millionen Angestellten in Österreich rechnet EY mit einem jährlichen Einsparungspotenzial von 585.563 Tonnen. (prel)

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