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Wirtschaft

Gute Getreideernte, aber ein ganz schlechtes Jahr für den Obstbau

01. August 2020 00:04 Uhr

Gute Getreideernte, aber ein ganz schlechtes Jahr für den Obstbau

LINZ. Überraschend gute Ergebnisse beim Raps, große Ausfälle bei Marillen, Kirschen, Äpfeln.

Damit war nach der Trockenheit im März und April nicht zu rechnen: Die Getreideernte brachte in Oberösterreich gute Ergebnisse. Zu den Verlierern zählt der Obstbau. Frost und Hagel haben Marillen, Kirschen und Äpfeln stark zugesetzt.

"Nicht die Dürre ist heuer das Thema, wenn es um Schäden in der Landwirtschaft geht. Es sind Frost und Hagel", sagte Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger gestern bei der Präsentation der Erntebilanz 2020: "Der Schaden liegt bisher bei 15 Millionen Euro, die Hälfte entfällt auf den Obstbau." Hagelunwetter in dieser Woche im Inn- und Hausruckviertel haben vor allem erntereifes Getreide, Mais und Grünland betroffen. Der Schaden: 2,5 Millionen Euro.

  • Video: Erntebilanz der Bauern

Getreide: "Mit der Getreideernte kann man aber zufrieden sein", sagte der scheidende Pflanzenbaudirektor Christian Krumphuber (er geht in Pension). So brachte der Winterweizen etwa respektable Erträge von 7,6 Tonnen pro Hektar. 840.000 Tonnen werden heuer in Summe an Getreide in Oberösterreich eingefahren, das sind um sieben Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019.

Gute Getreideernte, aber ein ganz schlechtes Jahr für den Obstbau

Überrascht sei man vom sehr guten Ergebnis beim Raps (35 bis 45 Dezitonnen pro Hektar). Auch die Preise haben angezogen und die Firma VOG (Ölmühle in Aschach an der Donau) suche für ihre Marke "Rapso" weitere Vertragsflächen. Das Problem: Die Anbaufläche der wertvollen Ölfrucht ist weiter rückläufig (2020: 7100 Hektar; 2019: 8000 Hektar, minus elf Prozent). Bei der Landwirtschaftskammer glaubt man, dass sich die Bauern unter anderem nicht mehr für den Pestizideinsatz rechtfertigen wollen. Der Rückgang schmerze vor allem im Hinblick auf den niedrigen Eigenversorgungsgrad bei Speiseölen – Stichwort Palmfett. Den Rückgang des Rapsanbaues bedauern auch die Imker, weil er wichtiger Honiglieferant sei.

Kürbis, Zuckerrübe: Gut lief es beim Ölkürbis, der in Oberösterreich immer mehr angebaut wird (1600 Hektar, plus 85 Prozent zu 2019). Die Zuckerrübenfläche stieg entgegen dem Bundestrend ebenfalls (6200 Hektar), es gibt aber Sorge um Verarbeiter.

Grünland: Hier sei es ein "Jahr der Entspannung" gewesen, sagte der neue Pflanzenbaudirektor Helmut Feitzlmayr. Allerdings wurden durch die Hitzesommer der vergangenen Jahre hochwertige Futtergräser zurückgedrängt, weniger "schmackhafte" Arten wie Schafgarbe, Ferkelkraut oder Gundelrebe haben sich ausgebreitet.

Gute Getreideernte, aber ein ganz schlechtes Jahr für den Obstbau

Obst: Schlechte Nachrichten gebe es vom Obstbau, sagte Feitzlmayr. Kirsche sei frostbedingt zu 60 Prozent ausgefallen, Marille gar zu 95 Prozent. Beim Apfel seien auf 330 von 450 Hektar 70 Prozent der Blüte zerstört worden, einzig die Birne hat sich leichter getan. In Oberösterreich gibt es 290 Obstbauern.

Gemüsebau: Die 160 Gemüsebauern hatten lange wenig Probleme mit der Witterung, erst jetzt treten vermehrt Krankheiten durch das feucht-warme Wetter auf. Im Hintertreffen ist die Ernte bei Einlegegurken, wobei etwas länger geerntet werden soll. Hauptsorge: die Erntehelfer. (viel)

Neuer Pflanzenbaudirektor

Mit Christian Krumphuber und Helmut Feitzlmayr präsentierten gestern der alte und der neue Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer die Erntebilanz.

Krumphuber war 37 Jahre lang an der Kammer, 30 Jahre davon als Abteilungsleiter. „Der Klimawandel war dabei immer ein Thema. Dennoch haben wir in Oberösterreich in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Produktivität eine sehr gute, stabile Entwicklung genommen – eine bessere als viele andere Bundesländer“, sagt der Agraringenieur, der gestern seinen letzten Arbeitstag hatte. Feitzlmayr übernimmt heute, ein Porträt lesen Sie hier.

 

  • 7100 Hektar: Die Fläche, auf der Raps angebaut wird, ist um weitere elf Prozent weniger geworden. Der Rückgang bei der wertvollen Ölfrucht schmerzt vor allem beim Eigenversorgungsgrad bei Speiseölen. Der Ertrag selbst war für Experten überraschend gut.
  • 70 Prozent der Apfelblüte wurden heuer durch den Frost zerstört.
  • 75 Dezitonnen pro Hektar: Beim Winterweizen und bei der Wintergerste gibt es im Schnitt gute Erträge. 

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