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Großer Ärger um die Firmen-Software SAP

Von Ulrike Rubasch   06.Februar 2020

Großer Ärger um die Firmen-Software SAP
SAP-Zentrale im deutschen Walldorf: Ohne Berater kein Umstieg auf die neue Version. Aber an denen mangelt es.

Der weltgrößte Konzern für Firmensoftware, die deutsche SAP, hat ein Problem. Und mit ihr auch Tausende Unternehmen in Österreich: Es fehlen SAP-Berater, die den Firmen den notwendigen Umstieg auf eine neue Software ermöglichen.

SAP-Programme sind für viele Unternehmen das Herzstück ihrer Informationstechnologie. Ohne die Programme für Produktion, Lagerhaltung, Vertrieb und Buchhaltung geht gar nichts mehr in einem modernen Betrieb. Die Hiobsbotschaft für viele Unternehmen ist, dass die Wartung der alten Systeme durch den Hersteller eingestellt wird. Das ist besonders für gesetzlich vorgeschriebene Datenaufzeichnungen problematisch. Deshalb müssen SAP-Kunden auf neue cloudbasierten SAP-Programme umsteigen. Bisher hieß das Datum Ende 2025, auf Grund der Rückmeldungen von den Unternehmen heißt es seit dieser Woche: Verlängerung der Wartung bis 2027, gegen Aufpreis bis Ende 2030. 

"SAP ist es wichtig, dass ihre Kunden erfolgreich sind und im Hinblick auf die von uns angebotenen Lösungen freie Wahl haben. Mit diesen Wartungszeiträumen sorgen wir weiterhin für Transparenz und Vertrauen", sagte Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands der SAP SE und verantwortlich für SAP Product Engineering in einer Mitteilung.

Windows-Kunden kennen das von Betriebssystem-Versionen, die in die Jahre gekommen sind. Zuletzt war das der Fall bei Windows 7. Der Unterschied ist nur, dass Unternehmen die Migration in die neue SAP-Welt nicht alleine bewältigen können. Es handle sich bei der Software mit dem kryptischen Namen S4/Hana als Nachfolger von ERP 6.0 um "eine völlig neue Technologie", sagt der IT-Leiter eines oberösterreichischen Unternehmens, der nicht genannt werden will. "Wir Kunden sind ziemlich verärgert", fasst er die Stimmung im Kreis der SAP-Anwender zusammen. Denn die Unterstützung von SAP-geschulten IT-Fachkräften fehle an allen Ecken und Enden.

Von SAP Österreich heißt es, die Einführung der neuen Software stelle ein "durchaus ernstzunehmendes Projekt" dar. Man unterstütze Kunden aber bereits seit 2018 beim Umstieg.

"Prekär und angespannt"

Als "prekär" und "sehr, sehr angespannt" bezeichnet Karl-Heinz Täubel die Situation. Er ist der Geschäftsführer des größten SAP-Systemhauses in Oberösterreich, unitIT, und er sucht sehr häufig vergeblich Berater, die sich in beiden SAP-Welten auskennen.

"Wir würden allein in Linz sofort 20 SAP-Berater einstellen", sagt er. Der Mangel an geeigneten IT-Spezialisten sei ein "echter Wachstumskiller", sowohl für IT- als auch andere Firmen, die mit SAP arbeiten, schildert ein Rechenzentrumsleiter in Oberösterreich. Um die Dramatik der Lage zu untermauern, fügt Täubel hinzu: "Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Monaten total umgekehrt, das habe ich noch nicht erlebt: Mittlerweile bewerbe ich mich bei den Bewerbern, nicht umgekehrt." Dabei gebe es eine "Riesenlawine" an Umstellungsprojekten mit SAP-Systemen.

SAP hat weltweit 437.000 Kunden und ist Marktführer für Geschäftssoftware. 77 Prozent der weltweiten Transaktionserlöse durchlaufen SAP-Systeme. 100.000 Mitarbeiter und 18.000 SAP-Partner betreuen die Kunden. Derzeit seien die Auftragsbücher übervoll, die Kunden stellen sich bei den SAP-Systemhäusern an, "die sind über Monate ausgebucht", weiß ein Kenner der Lage.

UnitIT versucht, direkt von Unis oder FHs Computerinteressierte zu gewinnen, und setzt sie als Assistenten in Projekten ein. Mit diesem "training on the job" versucht das IT-Systemhaus, die schwierige Situation zu entschärfen. Der Beratermangel "ist unsere einzige limitierende Größe".

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04. Juni 2020