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Wirtschaft

Eine heimische Bier-Allianz will konzernfrei bleiben

22. September 2021 00:04 Uhr

Eine heimische Bier-Allianz will konzernfrei bleiben
Die zehn Privatbrauer Josef Sigl (Trumer) Josef Rieberer (Murauer), Karl Trojan (Schremser), Hubert Stöhr (Schloss Eggenberg), Heinz Huber (Mohrenbrauerei), Ewald Pöschko (Braucommune in Freistadt), Klaus Möller (Hirter), Heinrich Dieter Kiener (Stieglbrauerei), Siegfried Menz (Ottakringer), Karl Schwarz (Zwettler, v.l.)

FREISTADT/GMUNDEN. Zehn Privatbrauereien positionieren sich mit Herkunfts-Siegel

Der Welt-Biermarkt wird von wenigen Konzernen dominiert. In Österreich gehören zwei Drittel der Biere zum niederländischen Heineken-Konzern, der wiederum Nummer zwei hinter der belgisch-amerikanischen AB-InBev-Gruppe auf dem Weltmarkt ist.

Jetzt setzen die kleinen Konkurrenten ein Zeichen und schließen sich enger zusammen. Gestern Dienstag wurde der "Verein der Unabhängigen Privatbrauereien" präsentiert, deren Mitglieder vor allem eines eint: Sie wollen zu 100 Prozent "konzernfrei" bleiben.

Brauer fordern Transparenz

Zehn Privatbrauer aus ganz Österereich wollen ein Zeichen für Unabhängigkeit und klare, eindeutige, nachvollziehbare Kriterien setzen. Die Ottakringer Brauerei, Stiegl, Freistädter, Hirter, Mohrenbrauerei, Murauer, Schloss Eggenberg, Trumer, Schremser und Zwettler haben den Verein gegründet und wollen die heimische Bierkultur stärken. Obmann ist der langjährige Geschäftsführer der Freistädter Brauerei, Ewald Pöschko.

"Wir wollen uns nicht von Großkonzernen vereinnahmen lassen", bekräftigt Sigi Menz, Aufsichtsrat der Ottakringer Brauerei. Die zehn Brauereien sind regional stark und kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von 28 Prozent. Zukünftig sollen sich weitere Brauereien der Wertegemeinschaft anschließen. Vorausgesetzt, sie sind zu 100 Prozent selbstbestimmt, wirtschaftlich und finanziell unabhängig und nicht mit internationalen Großkonzernen verflochten.

Das neue Siegel stehe nicht nur für Konzernfreiheit, sondern auch für Heimat: Alle Brauereien haben ihren Sitz in Österreich und zahlen alle Steuern in Österreich. Einzig die Einflussnahme ist beschränkt. "Wir haben nicht die Möglichkeit, über Ländergrenzen zu optimieren. Das Thema Steuergerechtigkeit von internationalen Konzernen versus lokale Unternehmen ist eine politische Problematik. Das können wir nicht lösen, doch es gehört zumindest thematisiert", sagt Hubert Stöhr von der Brauerei Schloss Eggenberg.

"Wer steht hinter dem Bier?"

Die Brauer wollen dennoch nicht mit dem Finger auf die Konzerne zeigen, sondern hervorheben, was Österreich an Qualität zu bieten hat. Sie wollen "für immer konzernfrei" bleiben und zeigen, welche Personen hinter dem Bier stehen. Das Herkunftssiegel wird auf alle Etiketten, Bierdosen und Kronenkorken der zehn Brauereien gedruckt und dient als Orientierungshilfe und Aufklärung für Konsumenten. Frei nach dem Motto: Wo Österreich draufsteht, ist Österreich drin. (phil)

Drei Fragen an Ewald Pöschko

Der Mühlviertler ist Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt und Obmann des neu gegründeten Vereins der "Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs".

  1. Wurde das Bewusstsein für Regionalität geschärft? Es wurde vorangetrieben. Vorrangig in der Gastronomie. Gäste bestellen nicht nur ein Schnitzel. Sie wollen wissen, wo hat es wie gelebt. Vielleicht möchte man auch den Namen vom Bauern wissen, der es gefüttert hat. Beim Bier bemerken wir ebenso den Trend zur Herkunft und Transparenz. Nur wird es selbst für uns Brauer immer schwieriger zu unterscheiden. Welche Marke gehört zu welchem Konzern? Für Konsumenten sowieso, vor allem wenn irgendwelche Markennamen ausgegraben werden.
  2. Sie fordern ein klares Ja zu Österreich. Wie viel Heimat ist in unseren Bieren drin? Die drei größten Braukonzerne der Welt haben die Hälfte des gesamten Weltbiermarkts in der Hand. Das ist bedenklich. In Österreich hat ein Konzern zwei Drittel Marktanteil. Wir kommen in eine Monopolsituation, und das war noch nie gut für Qualität und Vielfalt. Bier heißt aber Vielfalt. Und das wollen wir erhalten.
  3. Was möchte man mit dem Siegel erreichen? Wir wollen die Menschen in unserem Land auf das Bier von Privatbrauereien aufmerksam machen. Unsere Botschaft lautet: Wir sind nicht von internationalen Großkonzernen abhängig, sondern erwirtschaften unsere gesamte Wertschöpfung im Inland und zahlen hier alle unsere Steuern und tragen zum Gemeinwohl bei.
drei fragen an ... Ewald Pöschko Der Mühlviertler ist Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt und Obmann des neu gegründeten Vereins der "Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs".
Ewald Pöschko

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