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Wirtschaft

Digitalisierung Ersetzt der Roboter bald den Steuerberater?

Von Hermann Neumüller  30. November 2019 00:04 Uhr

Digitalisierung Ersetzt der Roboter bald den Steuerberater?
Roboter ersetzt Steuerberater? Es sieht nicht danach aus, dass dies bald geschieht. Es ist ein beratungsintensiver Job.

Eine international viel beachtete Studie sah den Steuerberater ganz oben auf der Liste jener Berufe, die von der Digitalisierung weggefegt werden. Die Betroffenen bleiben gelassen.

Geht es den Steuerberatern bald wie einst den Dinosauriern? So manche Studie sieht den Berufsstand vom Aussterben bedroht. Fragt man heimische Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater, wundern sich diese. "Mag ja sein, dass gewisse Tätigkeiten automatisiert werden, aber aussterben werden wir sicher nicht", sagt etwa Michael Nösslböck, Geschäftsführer der eccontis Treuhand GmbH in Puchenau.

Der Branche werde es auch in Zukunft nicht schlecht gehen, "so lange der Staat solche Steuergesetze macht", sagt Nösslböck im Gespräch mit den OÖNachrichten. Damit meint er die Vielzahl von neuen Gesetzen und Verordnungen, die jedes Jahr erlassen werden.

Automatisierung nichts Neues

Was automatisiert werden könne, werde auch laufend automatisiert. Das sei aber nicht das, was er als Kerngeschäft eines Steuerberaters sieht. "Wir sind die Sparring-Partner unserer Kunden, und das geht oft weit über reine Steuerfragen hinaus", sagt Nösslböck. Es sei oft auch ein reger Austausch über Finanzierungsmöglichkeiten, Umgründungen oder die Firmenübergabe und ähnliche Dinge. "Hier entscheidet die Qualität der Beratung."

Begann die Diskussion über die Zukunftsperspektiven für Steuerberater mit einem Übersetzungsfehler? 2013 veröffentlichten der Ökonom Carl Benedikt Frey und der Informatiker Michael Osborne von der Oxford University eine kleine, aber dennoch viel beachtete Studie. Diese ging als "Oxford-Studie" um die Welt. Sie besagte, dass 47 Prozent aller Berufe in Amerika in der Zukunft durch Automatisierung wegfallen könnten.

Unter den Berufen war auch jener des "tax preparer". Dieser wurde mit Steuerberater übersetzt, obwohl ein "tax preparer" eher einem Buchhalter gleicht und mit dem österreichischen Berufsbild eines Steuerberaters wenig bis gar nichts zu tun hat.

Diese angeblich düsteren Zukunftsaussichten korrespondieren gar nicht mit der Gegenwart. Die Branche ist gut unterwegs. "Wenn unsere Branche von etwas bedroht ist, dann vom Nachwuchsmangel", sagt Verena Trenkwalder, Partnerin bei der KPMG und Präsidentin der Landesstelle Oberösterreich der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Dieses Thema sei freilich nicht neu. "Ich kenne es, seit ich in diesem Beruf bin", sagt Trenkwalder im OÖNachrichten-Gespräch.

Warum das so ist? "Wahrscheinlich ist das Berufsbild nicht wirklich bekannt", sagt

Trenkwalder. Ein Steuerberater müsse nicht primär ein Zahlenmensch sein. Er sei eher ein Berater in Sachen Recht und Betriebswirtschaftslehre. Dass der Beruf nicht einfach sei, liege auf der Hand. Lebenslanges Lernen sei kein Schlagwort, sondern täglich geübte Praxis.

Den Fachkräftemangel bestätigt auch Nösslböck, verstehen kann er ihn aus persönlicher Sicht nicht. Es sei ein sehr interessanter Beruf, man sei Gestalter und man müsse dem Kunden gegenüber auch ein Gespür für dessen Anliegen haben. Für ihn war zu Beginn seiner Karriere klar, dass er in diese Richtung gehen werde. Und er will mit niemandem tauschen. "Ich habe schon Vorstandsangebote bekommen", sagt er. Trotzdem sei er Steuerberater geblieben.

Andrea Elter, Geschäftsführerin der gleichnamigen Linzer Steuerberatungskanzlei, geht beim Nachwuchs einen eigenen Weg. "Ich kann da eigentlich nicht mitreden. Wir haben keine Fluktuation. Unsere Mitarbeiter sind seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, bei uns", sagt sie im OÖN-Gespräch. Was die Digitalisierung angeht, sieht sie die Entwicklung auch gelassen. "Die Automatisierung wird zwar an Bedeutung gewinnen, aber mindestens ebenso wird es die Beratung", sagt Elter.

JKU-Absolventen gefragt

Steuerberater sind meist Akademiker. Zu rund drei Vierteln sind sie Betriebswirte, zu einem Viertel Juristen. Betriebswirte in Linz gehen durch die Schule von Michael Tumpel, Leiter des Instituts für betriebswirtschaftliche Steuerlehre. Er gilt als harter Prüfer. Seine Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. "Auch dreimal so viele Absolventen hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt Tumpel. Derzeit seien es zwischen 35 und 40 pro Jahrgang.

Eine überschaubare Gruppe, die laut Kammerpräsidentin Trenkwalder durchaus größer sein könnte. "Ich weiß schon, im Vergleich zu Marketing oder Unternehmensführung gilt die Steuerlehre nicht gerade als sexy", sagt Trenkwalder. Ein schweres Studium in Kombination mit der nicht gerade einfachen Fachprüfung, um Steuerberater werden zu dürfen, schreckt offenbar viele ab. Ein typischer 9-to-5-Job sei der des Steuerberaters zwar nicht, es sei eben ein freier Beruf. Aber er sei für Teilzeit und Homeoffice geeignet, also durchaus auch mit einer Familie vereinbar. Und der Job sei krisensicher. "Wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft, ist das Wissen der Steuerberater oft noch mehr gefragt", sagt Trenkwalder.

Lehrberuf Steuerassistent

Die Lehrlingsausbildung zum Steuerassistenten gibt es erst seit 2010 und ist dementsprechend noch wenigen ein Begriff. "Zu Unrecht", findet Trenkwalder. "Es handelt sich um einen extrem spannenden und noch dazu krisensicheren Beruf für Menschen, die an einer Bürokarriere interessiert sind." Derzeit gibt es rund 300 Lehrlinge österreichweit, gut ein Viertel davon in Oberösterreich. "Da gibt es mengenmäßig noch Luft nach oben", sagt Trenkwalder.

Es handelt sich dabei um eine dreijährige Bürolehre, die aber breiter aufgestellt ist. Denn es werden auch spezifische Kenntnisse in den Bereichen Steuer- und Abgabenrecht, Buchhaltung und Personalverrechnung vermittelt. Dieses Wissen wird auch durch eine Vollzeit-Mitarbeit in einer Steuerberatungskanzlei oder in der Finanzverwaltung weitergegeben. Die Berufsschule befindet sich in Rohrbach im Oberen Mühlviertel.

Was junge Leute für den Job mitbringen sollten: das Interesse an Zahlen, Kommunikationsstärke, Genauigkeit und Teamfähigkeit. Der Einstieg steht nach der Pflichtschule allen offen.

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Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

Hermann Neumüller

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