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Wirtschaft

Die Dayli-Pleite kam "von außen"

Von Ulrike Rubasch 19. Juni 2019 00:04 Uhr

Die Dayli-Pleite kam "von außen"
Rudolf Haberleitner und seinem ehemaligen Co-Geschäftsführer Peter K. wird grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vorgeworfen.

LINZ. Prozessauftakt gegen Schlecker-Sanierer in Linz. Dieser gibt Politik-Nein zur Sonntagsöffnung die Schuld am Konkurs.

Die spärliche Anzahl der Besucher im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Linz ließ gestern kaum auf einen Prozess von größerer Tragweite schließen. Dabei ging es um die strafrechtliche Seite einer der größten Handelspleiten der vergangenen Jahrzehnte in Österreich, bei der 3500 Mitarbeiter ihren Job verloren und Gläubiger um rund 100 Millionen Euro geschädigt wurden: Die Insolvenz der Nahversorgerkette Dayli (vormals Schlecker) mit Sitz in Pucking im Juli 2013.

"Mastermind" Rudolf Haberleitner und sein Co-Geschäftsführer Peter K. bekannten sich am gestrigen ersten Prozesstag in allen Anklagepunkten zur grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen "nicht schuldig".

Der 73-jährige "Privatier" Haberleitner versuchte in teils sehr emotionalen Ausführungen und in Schnellsprech-Manier die Verantwortung für die Pleite auf Dritte abzuschieben. "Wir waren nicht zahlungsunfähig oder überschuldet. Alle waren gegen uns." Die Kampagne der Gewerkschaften, der Politik und der Kirche gegen die geplante Sonntagsöffnung der 900 Dayli-Filialen habe der Kette das Genick gebrochen. Diese sei zwar mit dem damaligem Gewerkschaftsboss abgesprochen und mit einem Rechtsgutachten abgesichert gewesen (mit einer Gastronomie-Lizenz war das damals möglich). Doch das habe nicht gehalten. Er legte sogar ein Schreiben seines Betriebsrates vor, der die Sonntagsöffnung mitgetragen hätte und aus Protest geschlossen aus der dagegen schießenden Gewerkschaft ausgetreten sei.

"Die bringen uns um"

Haberleitner wetterte über "Anlassgesetzgebung" und berichtete von massiven Drohungen gegenüber dem Investor Novomatic aus der Politik. Ein Anruf des Glücksspielkonzerns um halb zwei Uhr in der Früh habe ihm die Dramatik verdeutlicht. Der Investor habe ihm signalisiert, wenn er länger bei Dayli investiert bleibe, "bringen die uns um". Die Politik hätte mit dem Entzug der Glücksspiellizenzen gedroht, was für Novomatic das Aus bedeutet hätte.

Rund 60 bis 80 Millionen Euro hätte Haberleitner benötigt, um die Kette zu sanieren. Novomatic war mit 25 Millionen Euro an Bord, die RLB OÖ in Person von Ludwig Scharinger und die Erste Bank waren ihm im Wort, mit je 40 Millionen Euro den Nahversorger zu retten. Darüber hinaus sei der Investor Mike Lielacher dabei gewesen, eine Dayli-Anleihe im Wert von 100 Millionen Euro in London aufzulegen. 40 Millionen davon seien bereits gezeichnet gewesen, ärgerte sich Haberleitner auch sechs Jahre später noch sichtlich.

Millionenverlust in einer Woche

Den Richter interessierte, wie der Plan B ohne Sonntagsöffnung ausgesehen hätte. Auch wollte er wissen, wie es sein könne, dass Dayli am 21. Juni 2013 laut eigener Darstellung 5,2 Millionen Euro Überschuss gehabt habe und sieben Tage später eine Überschuldung von 49 Millionen Euro (laut Insolvenzantrag). Darauf erhielt er trotz mehrmaligem Nachfragen keine substantiellen Antworten.

Die EDV sei anders als in der Anklage angeführt voll funktionsfähig gewesen, sagte Peter K., der 20 Jahre Management-Erfahrung bei Konkurrent dm mitbrachte. Er habe jeden Tag von jeder Filiale bis auf Artikelbasis die Verkaufszahlen auf dem Tisch gehabt, sagt er. Nur die Lagerbestellungen wurden händisch und "steinzeitlich" erledigt. Darum hätten sich aber nur vier Mitarbeiter gekümmert.

Ob solche und ähnliche Vorwürfe der Anklage relevant für die Pleite waren, will der Richter im September mittels Sachverständigem prüfen.

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Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

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