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Wirtschaft

Die Billionen, die in der digitalen Welt kursieren

Von Martin Roithner  21. November 2020 00:04 Uhr

Die Billionen, die in der digitalen Welt kursieren
Ein digitaler Euro soll den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr beschleunigen.

BRÜSSEL. Europas Zentralbank tüftelt am digitalen Euro. Worin liegen die Vor- und Nachteile?

Bargeldlos statt Münzen und Scheinen: Corona hat unseren Umgang mit Geld verändert. Davon profitiert die Kryptowährung Bitcoin, die sich auf einem Höhenflug befindet und diese Woche ein Dreijahres-Hoch erreicht hat. Weil Zahlungsprozesse vermehrt digital erfolgen, verstärkt auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Pläne für einen digitalen Euro. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

? Wie lauten die Pläne der EZB?

Mitte Oktober startete eine interne Testphase zum digitalen Euro. Weil Menschen bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten in der Krise verstärkt nutzten, wolle man dem Rechnung tragen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Auch eine Online-Umfrage zum digitalen Euro leiteten die Währungshüter ein. Im Jänner will die EZB grünes Licht für den digitalen Euro geben.

? Welche Vorteile haben digitale Währungen?

Befürworter nennen vor allem die Zeitersparnis beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Das gilt auch für Überweisungen zwischen Unternehmen. Zwar gibt es auch jetzt schon Kartenzahlungen oder Echtzeit-Überweisungen. Bei einem digitalen Zentralbankgeld wäre aber kein weiteres Zahlungssystem zwischengeschaltet.

? Worin lauern die Gefahren?

"Kommt der digitale Euro, wird das Bargeld abgeschafft", lautet ein häufiges Argument. Dem widerspricht EZB-Direktor Fabio Panetta. Ein digitaler Euro würde "Bargeld ergänzen, nicht ersetzen". Kritiker verweisen auch auf das Risiko, dass eine Digitalwährung Geschäftsbanken finanziell instabil machen würde, weil Kunden ihr Geld auf ein Konto der Zentralbank überweisen könnten. Auch von einem Einbruch im Kreditgeschäft sowie der Gefahr eines Abgreifens der Daten wird gewarnt.

? Was unterscheidet staatliches Digitalgeld von Kryptowährungen wie Bitcoin?

Digitalgeld ist konventionelles Geld, das von der Zentralbank einer Nation verteilt, reguliert und kontrolliert wird. Kryptowährungen werden durch mathematische Berechnungen generiert. Beispiele sind Bitcoin oder Ethereum, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Das stößt den Währungshütern sauer auf. Eines haben sowohl Digitalgeld als auch Kryptowährungen gemeinsam: Sie basieren auf der Blockchain-Technologie, die es ermöglicht, Transaktionen aufzuzeichnen und zu verarbeiten.

? Wo sind digitale Währungen bereits im Einsatz?

Weltweit ist kaum eine staatliche Digitalwährung so fortgeschritten wie Chinas E-Yuan. Seit April ist sie in einigen Regionen im Testeinsatz. Die Chinesen bezahlen ihren Einkauf damit, lösen das Busticket und überweisen sogar Spenden an Bettler. Zu den Olympischen Winterspielen 2022 soll der E-Yuan an Touristen ausgegeben werden. In Europa prüft Schweden schon seit längerem die E-Krone. Bargeld spielt dort nur noch eine geringe Rolle, mehr als 80 Prozent der Schweden zahlen bargeldlos.

? Wie reagieren die Banken?

Bei der Ausgabe des digitalen Euro müssten Banken eine zentrale Rolle haben, der erste Anlauf müsse sitzen, heißt es vom Bankenverband in Deutschland. Die Deutsche Bank begrüßt die Pläne, denn Europa dürfe bei digitalen Bezahlsystemen den Anschluss an die Vorreiter USA und Asien nicht verlieren.

Artikel von

Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

Martin Roithner
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