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Wirtschaft

Deutsche Forscher warnen vor einem zweiten Lockdown

17. Oktober 2020 00:04 Uhr

Deutsche Forscher warnen vor einem zweiten Lockdown
Gabriel Felbermayr

KIEL/BERLIN.Wirtschaftlicher Schaden wäre ähnlich groß wie im Frühjahr.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, warnt vor einem zweiten Lockdown zur Bekämpfung der Coronapandemie. Wenn es wieder zu einem Herunterfahren des öffentlichen Lebens käme, drohten wirtschaftliche Schäden im gleichen Ausmaß wie im Frühjahr, sagte der aus Oberösterreich stammende Wirtschaftsforscher.

Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um knapp zehn Prozent eingebrochen. Felbermayr forderte, Schul- und Grenzschließungen müssten unbedingt vermieden werden.

Er warf der deutschen Regierung Versäumnisse im Umgang mit der Pandemie vor: "Die Politik muss besser verstehen: Was hat im Lockdown wirklich was gebracht?" Sie habe aber versäumt, das im Sommer zu evaluieren.

Ein Lockdown sei in den revidierten Konjunkturprognosen für das laufende und das nächste Jahr nicht berücksichtigt, "jedenfalls nicht mit dem gleichen wirtschaftlichen Schaden", warnte der IfW-Chef. Die Erholung der Wirtschaft habe sich zuletzt bereits verlangsamt. "Das V ist zu einem Häkchen geworden", sagte er in Anspielung auf die Kurve der Wirtschaftsentwicklung. Massenarbeitslosigkeit droht nach seiner Einschätzung auch nach der Krise nicht. Die demografische Entwicklung komme dem Land entgegen. "Wir haben das Glück, dass Deutschland in einen schrumpfenden Arbeitsmarkt hineinläuft." Letztlich werde nur die Zahl der Erwerbstätigen schneller sinken als gedacht.

Regionale Schließungen

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, rechnet ein zweites Mal mit großen Beschränkungen des Geschäftslebens in Deutschland. "Ich fürchte, wir werden einen zweiten Lockdown erleben. Nicht so rigoros, nicht so stark wie im ersten, aber er wird kommen", sagte Fratzscher gestern im Hessischen Rundfunk. Viele Unternehmen würden das nicht überstehen. Zwar habe man aus der ersten Welle gelernt. "Man wird nicht noch mal flächendeckend alles schließen", sondern werde stärker punktuell und regionaler eingreifen. Der Schaden werde daher nicht so groß sein wie beim ersten Herunterfahren im Frühjahr.

"Viele hatten Rücklagen, hatten Ersparnisse, hatten einen Puffer. Den haben sie aufgebraucht." Viele Unternehmen hätten sich hoch verschuldet, weil sie ihre Kosten finanzieren mussten. "Deshalb befürchte ich, dass wir auf eine Insolvenzwelle zulaufen werden am Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres. Und das könnte heftig werden."

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