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Wirtschaft

"Das werden wir spüren": VW kämpft um Chips, Gewinn sprudelt trotzdem

Von nachrichten.at/apa   06. Mai 2021 19:07 Uhr

GERMANY VOLKSWAGEN
epa05010282 A banner reading 'We need transparency, openness, energy, and courage. Above all we need: you' hangs on the power plant of the VW factory next to the VW logo in Wolfsburg, Germany, 04 November 2015. German carmaker Volkswagen saw its shares lose more than 9 per cent of their value in early trading Wednesday as investors reacted to the latest news in the company's emissions cheating scandal. Volkswagen revealed a day earlier that emissions irregularities have been found in an additional 800,000 Volkswagen cars, representing an economic risk to Europe's biggest carmaker of about 2 billion euros (2.2 billion dollars). The scandal, which broke in September, had already affected 11 million cars with diesel engines that were installed with software that allowed cars to falsely report lower emissions of nitrogen oxide in an effort to sidestep environmental regulations. EPA/PETER STEFFEN

WOLFSBURG. Eigentlich könnte es für VW-Chef Herbert Diess schon längst der Befreiungsschlag aus dem Coronastress sein - wären da nicht diese unangenehmen Spätfolgen, eine Art Echo des Nachfrage-Schocks 2020.

Elektronikteile mit Halbleitern, mit steigender Vernetzung bald noch wichtiger, fehlen beim zweitgrößten Autobauer der Welt nach wie vor in rauen Mengen. "Das wird unsere Werke auch in den nächsten Monaten, wenn nicht Jahren, weiter beschäftigen", schätzt der Konzernlenker.

Beim Blick in die Bücher sieht das Geschäft des deutschen Autobauers immerhin wieder mehr als solide aus. Ein üppiger Gewinn von 3,4 Milliarden Euro ziert die Bilanz des Startquartals 2021 - nahezu siebenmal so viel wie zu Beginn des ersten Pandemiejahres. Der Betriebsgewinn lag gar schon auf demselben Niveau wie Anfang 2019, ein Jahr vor der Krise - wenn man Sonderkosten für die Dieselaffäre herausrechnet.

Immer mehr zeigt sich: Die deutschen Autobauer haben die Coronafolgen jetzt weitgehend im Griff, zumindest was die eigenen Finanzen angeht. In China und - mit gewissen Abstrichen - auch in Nordamerika laufen die Geschäfte. VW schafft es, zunehmend teurere Modelle an die Kundschaft zu bringen. Rabatte halten sich angesichts langer Lieferzeiten in Grenzen. Und bei den Kosten profitiert die Gruppe noch von der Ausgabenbremse unter anderem bei Investitionen.

Einbruch wirkt in Lieferketten nach

Doch der Einbruch vor einem Jahr hinterlässt ein anderes Erbe, dessen Verwerfungen in global orchestrierten Lieferketten noch nachwirken. In den USA und Japan fielen weitere Halbleiterfabriken aus. "Das werden wir spüren", glaubt Diess. Dabei sind nicht nur die Chips rar.

"Bei vielen Materialien - Stahl zum Beispiel, aber auch Edelmetallen etwa für den Katalysator - merken wir Preisanstiege", sagte der VW-Chef der Deutschen Press-Agentur. Auch andere Hersteller spüren, dass Elemente wie Platin oder Aluminium zuletzt kostspieliger wurden. Bei Halbleiter-Komponenten sei noch lange keine Entwarnung möglich, warnte Finanzvorstand Arno Antlitz am Donnerstag: "Die Unterversorgung der gesamten Industrie wird im zweiten Quartal voraussichtlich etwas deutlichere Auswirkungen haben als bisher."

Als der Abschwung Anfang und Mitte 2020 die Konsumenten immer vorsichtiger werden und Sparrücklagen bilden ließ, konnten die Autobauer der Halbleiterindustrie nicht die geplanten Mengen abnehmen. Diese orientierten sich um - beim Wiederanspringen der Autonachfrage ab dem Herbst standen die Konzerne plötzlich ohne die nötigen Mengen da. Bei VW konnten deshalb in den ersten drei Monaten dieses Jahres gut 100.000 Autos nicht gebaut werden - bei diesen Exemplaren ging laut Diess der komplette Deckungsbeitrag verloren.

Zuerst lukrative Modelle produzieren

Kurzfristig weiß man sich im Konzern zwar zu helfen: Wenn möglich, werden zuerst die lukrativen Modelle gebaut. Der Teilemangel an sich bleibt aber. Bei den großen Halbleiterfertigern in Fernost kann nicht mal eben die Produktion aufgestockt werden - Chipriesen wie TSMC in Taiwan oder Samsung in Südkorea sind mit Aufträgen voll bis unters Dach, neue Chipmaschinen oder gar -werke kosten horrende Summen. Der Chef des US-Branchenriesen Intel, Pat Gelsinger, sagte vor einigen Tagen dem TV-Sender CBS: "Es wird ein paar Jahre dauern, bis wir die steigende Nachfrage in allen Geschäftsbereichen aufholen können."

Volkswagen setzt allerdings darauf, dass sich die Lage nicht nur in puncto Corona-Impfungen ab dem Sommer spürbar bessert, sondern auch in Sachen Chips. In der zweiten Jahreshälfte soll der Produktionsrückstand so gut wie möglich aufgeholt werden. Diess gab sich zuversichtlich, die Erholung könne anhalten: "Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten." Für den Fall, dass die weitere Eindämmung der Pandemie gelingt, soll vom Umsatz etwas mehr operativer Gewinn übrig bleiben als bisher prognostiziert.

Insbesondere im größten Einzelmarkt China brummte das Geschäft schon wieder. Dort ist VW mit der Kernmarke größter Anbieter, Audi und Porsche spülen ebenfalls ordentlich Geld in die Kassen. Der Absatz von Elektro- und Hybridwagen beschleunigte sich auch in Deutschland - wobei die großzügigen Kaufprämien sicher eine Rolle spielen. Nur die spanische Marke Seat sowie MAN schrieben im ersten Quartal Verluste.

Der Konzern will den Rückenwind aus dem starken Auftakt nutzen, um stabil durchs Jahr zu kommen. "Aber Corona ist für uns alles andere als vorbei", sagt Diess. Vielerorts habe man die Situation im Griff - "auch in Südamerika und Tschechien, wo wir große Coronawellen hatten. Aber es gibt auch in einigen Regionen Europas viele Händler, die noch geschlossen sind." Das Zauberwort lautet, wie überall: Impfen. Jetzt auch an den VW-Standorten in der niedersächsischen Heimat, wo es ab der dritten Mai-Woche losgehen soll.

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