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Daidalos

Schule, Brücke und innovatives Amt

Von Tobias Hagleitner   02. März 2019 00:04 Uhr

Schule, Brücke und innovatives Amt
Die HTBLA Hallstatt von riccione architekten

LINZ. Architekturpreis Daidalos: In der "technischen" Disziplin für besonders raffinierte Bauten wurden Projekte in Hallstatt, Steyr und Kirchdorf nominiert

Exakt 90 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. Erfindungsreich sollten sich die Projekte der zweiten Kategorie "Innovative Lösung" idealerweise zeigen. So wie die Bauten des sagenhaften Namensgebers des Preises aus dem alten Griechenland, des Patrons der Baumeister und Techniker "Daidalos".

Rund 20 Objekte wollten nach diesen Kriterien begutachtet werden. Die Jury musste zur Kenntnis nehmen, dass herausragend innovative Projekte in einem umfassenden Sinn, etwa Gebäude mit bahnbrechend neuer Bautechnik oder nie gesehene Raumkonzeptionen, unter den Einreichungen nicht zu finden waren.

Es galt daher, aus einer Reihe qualifizierter, ansprechend umgesetzter Bauten jene auszuwählen, die auf die technischen Herausforderungen der jeweiligen Bauaufgabe möglichst anspruchsvolle und durchdachte Antworten fanden.

Hybride Holzbauten

In den Jahren 2011 bis 2015 wurde die traditionsreiche HTBLA in Hallstatt in mehreren Etappen erweitert. Nach Plänen der riccione architekten wurde das Altgebäude um ein Haus mit neuen Klassen und Bibliothek ergänzt, am weiter südlich gelegenen Werkstattgelände entstanden ein Holzlager, ein Zubau für das Hauptgebäude und ein Pavillon mit weiteren Praxisräumen und Kantine.

Als wohltuend empfindet die Jury die unkonventionelle Einfachheit der bautechnischen Lösungen und den Mut, die hybriden Konstruktionen in Vollholz, Beton und Stahl so zu zeigen, wie sind – selbst die Installationen sind offen geführt.

Auch wenn die Freude am Unkomplizierten bei Begutachtung mancher Details bisweilen ins Übermütige kippt: Gerade für eine Schule, die sich dem Bauen und Gestalten mit Holz verschrieben hat, gerade im bauhistorisch bedeutenden Hallstatt bietet diese frische Architektur einen legeren, inspirierenden und dabei robusten Rahmen zum Lernen und Arbeiten.

Stählerner Steg

Eine Bauaufgabe, deren Gelingen ganz besonders auf die enge Verschmelzung von Ingenieurdisziplin und Baukunst angewiesen ist, ist die Brücke. Beim Ennssteg, der seit gut einem Jahr die Steyrer Neustadt östlich der Enns mit dem historischen Zentrum verbindet, ist das geglückt.

Die fußläufige Direktverbindung ist zusammen mit der Errichtung einer Parkgarage durch ein privates Konsortium entstanden. Mit dem Entwurf der Architekten Marte und Marte (Tragwerksplanung: M+G Ingenieure) wurde die Chance, die das Projekt zur Belebung der Innenstadt darstellte, optimal genutzt. Mit einer schlanken Konstruktion aus einem Hohlkasten aus Cortenstahl auf einem einzigen Pfeiler sticht der Steg präzise in die denkmalgeschützte Stadtfassade. Möglich wird das durch die kluge Statik der Brücke, die, im Osten eingespannt, auf der Altstadtseite nur einen geringen Teil der Lasten abzutragen hat. Die respektvolle Lösung gegenüber dem Bestand rechtfertigt den hohen Materialaufwand der Brücke.

Schule, Brücke und innovatives Amt
Der Ennssteg in Steyr von Marte.Marte Architekten

Der Ennssteg in Steyr von Marte.Marte Architekten (Bild: Faruk Pinjo)

 

Klimataugliche Kiste

Enorme Gelder und Mittel werden oft in die Haustechnik von Bürobauten gesteckt. Ohne hochkomplexe Lüftungs- und Steuerungsanlagen scheint es nicht zu gehen. Urmann Radler Architekten errichteten für die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf ein Gebäude, das die übliche Hitech-Komplettlösung meidet, stattdessen aus den konkreten Anforderungen vor Ort ein nutzungsfreundliches Klimakonzept mit Maß und Ziel entwickelt. Umlaufende Gesimse schützen vor Verwitterung und sommerlicher Mittagssonne. Die Doppelfassade mit beweglichen Elementen lässt individuelle Verschattung zu.

Gleiches gilt für das duale Heizsystem, das die Wärme allgemein über den Boden verteilt und über Radiatoren zudem einzeln steuerbar ist. Abgekühlt wird in der Nacht durch Aktivierung der Betondecken. Ein nach Süden geöffneter Hof verschafft dem Haus Naturlicht in gesamter Tiefe. Für Textur, Farbigkeit und Orientierung sorgt die "Kunst am Bau", die als integrativer Teil der Architektur verstanden wurde.

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Die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf von URMANN RADLER

Die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf von Urmann Radler (Bild: Kurt Kuball)

 

Daidalos 2019

Der Daidalos wird zum vierten Mal vergeben. 90 Projekte wurden diesmal eingereicht.

Die nominierten Projekte werden im Immobilien-Teil der OÖNachrichten vorgestellt – vergangene Woche (Kategorie „Wertvolle Substanz“), heute (Kategorie „Innovative Lösung“) und am 9. März (Sonderpreis „Bewährte Bauten“). Die drei Siegerprojekte werden am 30. März besprochen. Die Preisverleihung findet am 25. März in Linz statt.

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