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Wirtschaft

Börsespiel: Viel Risiko zahlte sich für den Sieger aus

Von Elisabeth Prechtl und Hermann Neumüller  30. April 2021 00:04 Uhr

Börsespiel: Viel Risiko zahlte sich für den Sieger aus
Börsespiel-Sieger Max Moser mit Andreas Parlic (Autowelt Linz) und Andreas Lassner-Klein (Kepler-Fonds)

LINZ. Max Moser aus Haitzendorf (NÖ) holte sich den Hauptpreis, einen Citroen C3

Pandemiebedingt war heuer beim Börsespiel fast nichts so wie in den vergangenen Jahren. Die Siegerehrung fand am Mittwochabend virtuell statt. Nicht ungewöhnlich war hingegen die Strategie des Siegers: "No risk, no fun." Diese zahlte sich aus, der Citroen C3, zur Verfügung gestellt von der Kepler-Fonds KAG und der Autowelt Linz, wurde ihm vor wenigen Tagen im Innenhof der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB) übergeben.

Der 25-jährige Student der Fachhochschule Krems hat das Distance Learning entsprechend genutzt. Er schreibt derzeit seine Masterarbeit und hat nebenbei sein Musterdepot mitbetreuen können. Dabei hat er ständig Aktien an- und verkauft. Zuerst seien es deutsche Papiere gewesen, aber Anfang März habe er den Aufschwung an der US-Technologiebörse Nasdaq genutzt und sich so einen Gewinn von 20,17 Prozent geschaffen.

Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB, gratulierte den Siegern beim Börsespiel in einer Videobotschaft und betonte noch einmal, dass das Spiel gerade für junge Leute eine einmalige Gelegenheit ist, die Welt der Finanzmärkte zwar spielerisch, aber in einer sehr realistischen Art und Weise und ohne Risiko kennenlernen zu können.

Börsespiel: Viel Risiko zahlte sich für den Sieger aus
Die IVa der HAK Rohrbach darf im Rotax Max Dome Kart fahren.

Gute Nerven bewiesen

Eine deutliche Angelegenheit war die Schülerwertung. Matthias Hummer, aus Bad Schallerbach stammender Schüler der HTL in Wels, setzte sich am Ende mit einem Gewinn von 20,17 Prozent durch. Den Sieg bei seinem zweiten Antritt errang er auch aufgrund guter Nerven: "Man muss die Ruhe bewahren und darf nicht sofort verkaufen, sobald die Kurse fallen", sagt Hummer. Dafür durfte er das neue iPhone12 entgegennehmen.

Das Thema Wertpapiere wurde von der IVa der HAK Rohrbach heuer ausgiebig in der Theorie behandelt – "da hat die praktische Anwendung in Form der Teilnahme beim Börsespiel sehr gut gepasst", sagt Natascha Mitterlehner-Roth, Lehrerin für die kaufmännischen Fächer. Vier Schüler, das "Wertpapierteam", hätten die Teilnahme federführend in die Hand genommen: Sie haben mit ihren 20 Mitschülern besprochen, welche Wertpapiere gekauft werden sollen – coronabedingt über die sozialen Medien. Nun darf die siegreiche Klasse im Rotax Max Dome in Linz Kart fahren.

"Das Thema Nachhaltigkeit ist zum Muss geworden"
Michaela Keplinger-Mitterlehner (RLB, v.li.), Dietmar Mascher (OÖN), Larissa Kravitz, Heike Arbter (Raiffeisen Centrobank), Susanne Dickstein

"Das Thema Nachhaltigkeit ist zum Muss geworden"

Das Börsejahr 2020 habe viele Überraschungen gebracht, positive wie negative. „Es gab zuerst grobe Verwerfungen, aber nur für kurze Zeit. Dann setzte eine auch für uns überraschend starke Erholung ein“, sagte Michaela Keplinger-Mitterlehner, stellvertretende Generaldirektorin der Raiffeisenlandesbank OÖ (RLB).

Die privaten Anleger hätten aber sehr professionell auf diese Herausforderungen reagiert, so Keplinger-Mitterlehner. „Die Frage, die wir häufig hörten, lautete: Ist es schon Zeit, wieder einzusteigen?“

Heike Arbter, Mitglied des Vorstandes der Raiffeisen Centrobank, verwies auf die „schnelle und massive Erholung“ der Aktienmärkte. „Da war die Börse wieder schneller als die Realwirtschaft“, sagte Arbter. Die Raiffeisen Centrobank ist auf Zertifikate spezialisiert. Diese gebe es passend für alle Marktsituationen. „Der Anleger braucht eine eindeutige Marktmeinung und muss wissen, wie viel Risiko er einzugehen bereit ist“, sagte Arbter.

Gerade im Vorjahr habe eine „neue, mutige Privatanlegerschicht“ den Weg auf den Finanzmarkt gefunden, sagte Arbter. Darunter auch viele Frauen. „Viele von ihnen haben den Crash im vergangenen Jahr als Chance wahrgenommen“, sagte die Finanzmathematikerin Larissa Kravitz, die sich in ihrer Arbeit auf Finanzbildung für Frauen spezialisiert hat.

Frauen seien grundsätzlich vorsichtiger bei der Geldanlage, ihr Interesse an den Börsen sei in den vergangenen Jahren aber stark gestiegen. Das zeige sich auch an den Wertpapierdepots bei Banken. Waren es vor zwei Jahren nur rund zehn Prozent, die von Frauen geführt wurden, ist die Zahl in diesem kurzen Zeitraum auf mehr als 20 Prozent gestiegen.

Das Thema Nachhaltigkeit, darüber waren sich die Diskutanten einig, wird die Geldanlage in den nächsten Jahren prägen. „Das Thema ist zum Muss geworden“, sagte Joachim Nareike, Leiter des Bereichs Publikumsfonds bei Schroders, der aus Frankfurt via Livestream zugeschaltet war.

Die Kepler-Fonds KAG, die Kapitalanlagegesellschaft der RLB, habe sich schon vor 20 Jahren mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt, sagte Keplinger-Mitterlehner. Waren es zu Beginn eher kirchliche Stellen, die sich dafür interessierten, sei das Thema jetzt in der Breite der Anlegerschaft angekommen. Von den 18,4 Milliarden Euro, die die Kepler-Fonds KAG für Anleger verwaltet, seien 4,7 Milliarden Euro nachhaltig veranlagt. Nachhaltigkeit sei gerade bei Frauen ein „zentrales Thema“, sagt Kravitz.

Als Chance für längerfristig orientierte Anleger bezeichnete Nareike die Themen Mobilität, Energiegewinnung und -speicherung. Er verwies aber darauf, dass viele Technologien, die unsere Zukunft prägen werden, noch gar nicht bekannt seien. „Hier muss man besonders am Ball bleiben.“

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