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Wirtschaft

Wirtschaft will in Spanien, Portugal und Irland Fachkräfte anwerben

14. Juni 2012 00:04 Uhr

Wirtschaftskammer will sich aktiv um Arbeitskräfte aus Ländern bemühen, in denen die Arbeitslosenquote besonders hoch ist.

WIEN. Jeder fünfte Betrieb in Österreich findet nicht mehr genügend Fachkräfte. Bei Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten klagt jeder zweite über einen zunehmenden Fachkräftemangel.

Neben Maßnahmen in Österreich, Fachkräfte zu halten und auszubilden, will die Wirtschaftskammer jetzt mit Unterstützung des Arbeitsmarktservice Fachkräfte in jenen Ländern anwerben, die viele Arbeitslose haben.

Die Außenwirtschafts-Organisation der WKO sondiert in den jeweiligen Staaten das Potenzial und bringt österreichische Firmen und mögliche Mitarbeiter zusammen. Ein entsprechendes Pilotprojekt der WKO Vorarlberg wurde nun abgeschlossen. Für die nächste Informationsveranstaltung in Madrid haben sich mehr als 1000 Leute gemeldet.

„Es ist auch ein Zeichen von Solidarität, dass wir dort Mitarbeiter suchen, wo die Arbeitslosigkeit am höchsten ist“, sagt WKO-Präsident Christoph Leitl. Gesucht werden Schlosser, Dreher, Schweißer, Techniker der unterschiedlichsten Ausbildungsstufen. Sollten diese von Spanien nach Österreich wechseln, müsse zudem gewährleistet werden, dass sie beim Lernen der Sprache unterstützt werden.

Aber nicht nur Spanien gilt als Land, wo neue Mitarbeiter rekrutiert werden können. Auch Irland und Portugal sowie Italien und Bulgarien haben viele Arbeitssuchende, die angesprochen werden sollen.

Wie viele Mitarbeiter in Spanien oder anderen Staaten gefunden werden können, will Leitl noch nicht sagen. „Es ist nicht absehbar. Aber man sollte alles versuchen. Im Sinne aller.“

Erste Betriebe suchen schon

Die Firma Rübig aus Wels etwa sucht bereits seit Februar aktiv in Spanien und Portugal nach Fachkräften. „Wir haben bereits einige Bewerbungen bekommen. Bisher haben die Qualifikationen aber noch nicht gepasst“, sagt Geschäftsführer Günter Rübig im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Speziell Techniker, Konstrukteure und Ingenieure will Rübig nach Wels locken. „Das Potenzial ist sicher da. Wir sind optimistisch, dass wir im Laufe dieses Jahres jemanden aus diesen Ländern finden“, sagt er. Seine Firma sei beispielsweise auch in Brasilien aktiv, da wäre ein Mitarbeiter mit Portugiesisch als Muttersprache ein echter Mehrwert.

Mit der Strategie, Mitarbeiter im Ausland anzuwerben, hat schon das AMS Oberösterreich vor Jahren gute Erfahrungen gemacht, als in Leipzig und Dresden Leute gesucht wurden, die heute noch in Oberösterreich tätig sind. (dm/ee)

 

So funktioniert die Auswahl

Die Außenwirtschaftsstellen der Wirtschaftskammer haben den jeweiligen Arbeitsmarkt analysiert. Im Internet werden auf speziellen Websites Kurzporträts jener Firmen und Jobs eingegeben, um die es geht. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung werden Firmen mit jenen Arbeitsuchenden zusammengebracht, die in einer Vorauswahl eingeladen wurden.

Deutschland hat laut Wirtschaftskammer angekündigt, das österreichische Modell übernehmen zu wollen. Dort können heuer 80.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

 

Anreize für spätere Pensionierungen schaffen

Fachkräfte aus dem Ausland zu suchen, ist eine Möglichkeit, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Eine andere ist es, ältere Arbeitnehmer länger in Beschäftigung zu halten. Mit diesem Thema beschäftigte sich gestern ein Arbeitskreis der Academia Superior gemeinsam mit Experten und Vertretern aus der Wirtschaft in Linz. „Oberösterreich wird vom demografischen Wandel in Österreich am stärksten betroffen sein“, sagte Michael Strugl, Obmann der Academia Superior. Zwar habe man in Oberösterreich eine niedrige Arbeitslosenquote, dennoch werden bis 2020 bis zu 4000 potenzielle Lehrlinge fehlen. Schon jetzt würden viele Unternehmen gerne expandieren, ihnen fehlen aber die nötigen Mitarbeiter dafür.

Ziel müsse es daher sein, Anreize zu schaffen, um ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten. „Einerseits muss das Pensionssystem flexibler gestaltet werden. Es kann nicht sein, dass Menschen Nachteile haben, wenn sie länger arbeiten“, sagte auch Landesrätin Doris Hummer und nennt Finnland als Vorzeigebeispiel: Hier würden Mitarbeiter, die über das reguläre Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten, einen jährlichen Bonus von vier Prozent auf ihre Pensionsbemessungsgrundlage bekommen. „Diese Flexibilität brauchen wir auch“, sagte sie.

Flexibler müssen zudem die Betriebe werden – in der Gestaltung der Arbeitsplätze, bei Arbeitszeit und Aufgabengebieten. In der Weiterbildung sollte speziell auf Ältere eingegangen werden. „Sie lernen nicht schlechter, sondern anders, mit mehr Praxisbezug“, sagte Hummer. Grundsätzlich brauche es auch ein Umdenken. „Arbeit sollte nicht als Weg in die Pension gesehen werden, sondern Spaß machen“, sagte sie.     (ee)
 

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