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Wirtschaft

Winterkorn im OÖN-Interview: „VW geht gestärkt aus der Krise“

Von Von Helmut Wahl   15. Mai 2009 00:04 Uhr

Winterkorn im OÖN-Interview: „VW geht gestärkt aus der Krise“
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW

WOLFSBURG. Mit 360.000 Mitarbeitern in 63 Werken und einer Jahresproduktion von gut sechs Millionen Fahrzeugen ist die Volkswagen-Gruppe größter Autohersteller Europas. Die OÖN sprachen mit VW-Vorstandschef Martin Winterkorn (62) über die Branchenkrise und hauseigene Turbulenzen.

OÖN: Wie wird die Autoindustrie am Ende dieser Krise aussehen?

Martin Winterkorn: Jene Hersteller werden gestärkt hervorgehen, die ein breites Spektrum an verbrauchsarmen Fahrzeugen anbieten und am schnellsten auf Kundenwünsche reagieren. VW ist mit seinem Baukasten-System gut aufgestellt. Die Krise wird aber auch einige Opfer fordern.

OÖN: Die Kapazitäten sind zurzeit viel größer als die Nachfrage. Wo sehen Sie eine marktkonforme Größenordnung?

Winterkorn: Man spricht von einer Kapazität von ungefähr 80 Millionen. Heuer wird man zirka 46 Millionen verkaufen. Man muss daher die Luft haben, um die eigenen Kapazitäten auszulasten.

OÖN: Wie wird die Industrie aus der Krise herausfinden?

Winterkorn: Es gibt keinen Königsweg. Wir sind stark gefordert, was unsere finanziellen und technischen Ressourcen betrifft. Wir arbeiten in allen Sparten der Entwicklung, allerdings nicht so sehr im Bereich des Wasserstoffs.

OÖN: Wird es außer den US-Herstellern auch noch andere betroffene Mitbewerber geben?

Winterkorn: Was am Ende mit Opel, Fiat und Chrysler sein wird, weiß ich nicht. Bis es allerdings einmal so weit ist, dass Synergien entstehen, fließt noch viel Wasser den Bach hinunter.

OÖN: Werden die VW-Marken gestärkt aus der gegenwärtigen Situation hervorgehen?

Winterkorn: Ja. Ich bin zutiefst davon überzeugt, weil ich weiß, was wir in der Pipeline haben. Wir haben 25.000 Entwickler, von denen will jeder etwas Neues machen. Das müssen wir aber mit unserer modularen Bauweise steuern.

OÖN: Vieles deutet darauf hin, dass die Chinesen auf dem automobilen Weltmarkt zum Mitspieler werden. Ist der Zeitpunkt schon da?

Winterkorn: Bis die Chinesen für Europa und USA Autos bauen können, wird es noch dauern. Es ist noch nicht so weit. Die Chinesen können gut kopieren. Vieles, wo Grundlagenforschung gefragt ist, haben sie noch nicht verstanden.

OÖN: Umweltaktivisten sehen mit Schadenfreude, dass es ihrem Intimfeind, der Autoindustrie, schlecht geht. Was sagt der Chef des größten europäischen Produzenten dazu?

Winterkorn: Dass wir Autos bauen, die beides bieten: Ökologie und Fahrfreude. Die Umweltschützer sind ohnedies schon ruhiger geworden.

OÖN: Was empfinden Sie als Wettbewerber, wenn Opel als einer Ihrer Konkurrenten mit Milliarden aus dem Staatsbudget aufgepäppelt wird?

Winterkorn: Ich habe nichts dagegen, wenn Bürgschaften gegeben werden. Aber ich habe etwas gegen Sponsoring. Das habe ich auch Frau Merkel gesagt.

OÖN: Haben Sie als oberster Angestellter keine Angst, zwischen den unterschiedlichen Positionen der Gesellschafter hinsichtlich der Zukunft des Unternehmens mit Porsche aufgerieben zu werden?

Winterkorn: Nein. Die Familien streiten schon einmal. Aber am Ende siegt die wirtschaftliche Vernunft. Und wo die sitzt, weiß man. Außerdem habe ich ein Alter erreicht, in dem man gelassen sein kann.

OÖN: Wie werden in zehn Jahren unsere Autos aussehen?

Winterkorn: Ich weiß es nicht. Denn in den vergangenen zwei Jahren haben sich viele Parameter verändert. Davor hätte ich es sagen können. Wir müssen jedenfalls jetzt entscheiden, wie ein Golf in fünf Jahren aussehen wird.

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