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Wirtschaft

Wie Österreichs Mittelbetriebe bei US-Eliteuniversitäten andocken

Von Dietmar Mascher aus Boston   07. September 2017

Wie Österreichs Mittelbetriebe bei US-Eliteuniversitäten andocken
Die Universität Harvard ist eine der Top-Adressen nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Wirtschaftskammer ermöglicht Zugang zu den besten Universitäten in den USA.

Mehr Zukunft auf so wenig Fläche geht kaum. Im Keller eines ehrwürdigen Universitätsgebäudes kümmert sich der koreanische Professor für Ingenieurswesen, Sangbae Kim, mit einer kleinen Gruppe junger Männer in zu großen T-Shirts darum, dass sich Cheetah entwickelt. Cheetah ist ein Roboter, der gewandter ist als alle anderen und sich wie ein Gepard bewegt. Kürzlich hat Kim Cheetah bei einer Amazon-Veranstaltung mit deren Sprachassistentin Alexa bekannt gemacht.

Im Media Lab, das Nikola Negroponte 1985 gegründet hat, darf nach Herzenslust an außergewöhnlichen Dingen geforscht werden.

Ein Stockwerk höher geht es um Verkehrskonzepte in Städten. Eine Straße weiter wird in einem neuen Zentrum in der Krebsforschung gearbeitet. In Cambridge, das direkt neben Boston liegt, hat sich das Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu einer der wichtigsten Universitäten entwickelt. Das Internet, das iPhone und viele anderen weltweit erfolgreichen Dinge wurden hier entwickelt.

Es wird aber nicht nur geforscht, die Ergebnisse werden auch in Unternehmen verwertet. 1500 Start-Ups stehen mit dem MIT in enger Verbindung. Sie werden wiederum mit anderen großen Unternehmen vernetzt. Im Großraum Boston wohnen 4,5 Millionen Menschen. Es ist eine der wohlhabendsten Regionen der USA, wahrscheinlich der Welt. Und neben dem MIT befinden sich hier 16 weitere Universitäten, darunter auch die Eliteuni Harvard.

Ein Kind dieses Biotops für Wissen und Erfolg ist Tim Rowe. Seine Eltern waren beide Professoren, er selbst ist MIT-Absolvent und hat 1999 das Cambridge Innovation Center (CIC) gegründet. Das ist nichts anderes als ein Zentrum für aufstrebende Unternehmen im Bereich Biowissenschaften.

Rowes Ziel: Die Unternehmen sollen untereinander so viel wie möglich kommunizieren. Das potenziere den Erfolg. 600 Firmen befinden sich im CIC. Allein in den beiden Gebäuden in Cambridge würde mehr Risikokapital investiert als in ganz Österreich, sagt Rowe: sieben Milliarden Dollar.

Die USA abseits von Trump

Die Region Boston bietet auch ein Bild abseits der Präsidentschaft von Donald Trump. Es ist ein ermutigendes Bild. "Trump kennt sich mit Innovation nicht aus. Was er dazu sagt, entspringt nicht gerade tiefgreifenden Gedanken", sagt Rowe. Trump repräsentiere die Küstengebiete im Osten und Westen nicht, ist man sich hier einig. Die Demokraten sind in der Überzahl, auch wenn Massachusetts einen republikanischen Gouverneur hat.

Dieser allerdings hat alle Gesetzesanträge des Staates zur Umsetzung des Klimaabkommens von Paris unterzeichnet. Grüne Technologie mache in seinem Staat bereits mehr als 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Mehr als 100.000 Menschen würden in dieser Branche arbeiten.

 

Zusammenarbeit mit US-Spitzenforschern

Die Elite-Universitäten der USA scheinen für viele unerreichbar zu sein, zumal für Klein- und Mittelbetriebe in Österreich. „Das soll sich ändern“, sagt Österreichs Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, der diese Woche in Cambridge/Boston sowie im Silicon Valley in Kalifornien mehrere Kooperationsabkommen unterschrieb und unterschreibt, die innovativen Betrieben aus Österreich den Zugang zum Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder der Westküsten-Elite-Uni Stanford erleichtert.

Mit dem MIT wird schon seit 25 Jahren eine intensive Partnerschaft gepflegt. Regelmäßig finden in Wien Veranstaltungen mit den Partnern aus den USA statt.

Jetzt wurde das Abkommen erweitert und soll ebenso wie ein Abkommen mit der kalifornischen Elite-Uni Stanford die Zusammenarbeit mit Spitzenforschern ermöglichen. „Wenn eine Firma eine gute Idee hat, kann sie über die WKO einreichen. Jene mit den größten Erfolgsaussichten werden weiter betreut“, sagte Leitl.

Auch mit dem ACI, einem Entwickler für Life Science Firmen, gegründet vom Österreicher Christoph Lengauer, wurde eine Kooperation abgeschlossen, die es heimischen Firmen ermöglicht, für zwei bis drei Monate am Cambridge Innovation Center (ClC) zu verbringen.

„Die Firmen können auf die CIC-Ressourcen zugreifen und bekommen die Möglichkeit, die Chancen für Marktzugang und Finanzierung auszuloten“, sagt Annika Pierson, Chefstrategin von AIC.

„Ich sehe große Möglichkeiten in dieser Zusammenarbeit“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Leitl. „Denn in den USA gibt es viele offene Staaten und Institutionen, die Zusammenarbeit und Freihandel unterstützen. Das kann auch ein Trump nicht stoppen. Höchstens verzögern.“

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