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Wirtschaft

"Wenn man einmal die Arbeit als Selbstständige gewöhnt ist, ist es schwer, das wieder aufzugeben"

Von Sigrid Brandstätter   10. Mai 2014 00:04 Uhr

Martina Mölschl
Martina Mölschl

LINZ. 58 Prozent aller Unternehmen haben keine Mitarbeiter – Für FP-Amann sind das keine "richtigen Unternehmer"

"Es ist ein lustvolleres Arbeiten, weil ich selbstbestimmt tätig bin und für gute Arbeit unmittelbares Feedback erhalte." Martina Mölschl arbeitet seit elf Jahren im Direktvertrieb. Sie verkauft Reinigungsprodukte von Reinzeit und organisiert damit auch sogenannte Putz-Partys. Begonnen hat die dreifache Mutter aus Neuhofen/Krems vor elf Jahren in ihrer Karenzzeit. "Ich wollte neben Haushalt und Kindern etwas machen."

Mölschl ist damit eine typische Vertreterin eines Ein-Personen-Unternehmens. Diese stellen in der Wirtschaftskammer (WK) Oberösterreich fast 60 Prozent aller Mitglieder. Mehr als 40.000 Unternehmer in Oberösterreich arbeiten ohne Mitarbeiter. Die größte Fachgruppe – abseits der 10.000 selbstständigen Personenbetreuerinnen, die 24-Stunden-Pflege anbieten – ist der Direktvertrieb.

"Tagelöhner, die sich versklaven"

Die Aussage des inzwischen zurückgetretenen Wirtschaftskammer-Vizepräsidenten Fritz Amann (FP), wonach Ein-Personen-Unternehmen Tagelöhner seien, die sich selbst versklaven, hat zu einem Proteststurm geführt. Binnen eines Tages musste Amann von seinen Funktionen in der Wirtschaftskammer zurücktreten.

Als in die Selbstständigkeit gedrängte Arbeitslose sehen sich diese Unternehmer nicht. Schließlich umfasst die Gruppe auch Unternehmensberater, IT-Experten, Fußpflegerinnen, Masseure, Trainer, Werber und PR-Büros sowie Versicherungsagenten, Finanzberater, Boden- oder Fliesenleger. Drei Viertel der Gründer wollen eine flexiblere Zeiteinteilung, die Hälfte will ihre Projektidee umsetzen.

Die Motivation für die Selbstständigkeit ist nicht Ausweglosigkeit, wie Amann unterstellt, sondern eher Mut. "Ich hatte anfangs Zweifel, ob ich mir das zutraue, aber letztlich hat der Mut, immer Neues auszuprobieren, überwogen", schildert Mölschl.

"Natürlich bedeutet selbstständig, selbst und ständig zu arbeiten. "Ich bin mit mehr Engagement unterwegs, als wenn ich als Angestellte mein fixes Gehalt überwiesen bekäme", sagt die gelernte Behinderten-Pädagogin Mölschl. "Es ist schwer, wenn man einmal die Arbeit als Selbstständige gewöhnt ist, diese wieder aufzugeben."

Von einem Notprogramm kann man also nicht sprechen. Laut Wirtschaftskammer sind 41 Prozent schon mehr als zehn Jahre als Selbstständige tätig.

Der Direktvertrieb bietet einen sanften Einstieg, weil viele das als zweites Standbein neben einem Angestelltenjob beginnen. Auch das finanzielle Risiko ist geringer als in anderen Branchen, weil der Einkauf wegfällt und die Werbeunterlagen vorhanden sind.

Amann unterstellt, ein echter Unternehmer sei nur jemand, der Arbeitsplätze schafft. Das plant jeder zehnte Selbstständige.

Gegen den Verdienstentgang während einer Krankheit hat sich Mölschl versichert. Von der besseren sozialen Absicherung durch das Krankengeld für Einzelunternehmer profitiert sie. Diesen Punkt hat Amann ebenfalls kritisiert: Das sei Vollkaskoschutz auf Kosten der echten Unternehmer.

Fragen zum Marketing

Die häufigsten Probleme der Ein-Personen-Unternehmer würden Marketing, Verkaufs- und Preisgestaltungsfragen sowie Online-Vertrieb betreffen, sagt Karin Reiter, die diese Zielgruppe in der WK betreut. Dazu kämen Rechtsfragen. "Der nächste Punkt betrifft dann Finanzierungs- und Buchhaltungsthemen" und ob man sich einen Mitarbeiter leisten könne, sagt Reiter.

 

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