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Wirtschaft

Vorerst keine Zinswende in den USA: Konjunktur offenbar nicht gut genug

Von OÖN   18. September 2015 00:04 Uhr

Vorerst keine Zinswende in den USA: Konjunktur offenbar nicht gut genug

WASHINGTON. US-Notenbank Federal Reserve lässt die Leitzinsen auf historisch niedrigem Niveau.

Die Augen der Finanzwelt waren gestern Abend auf die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, gerichtet. Wagt sie die Zinswende oder nicht? Sie wagt sie vorerst nicht. Anders als von einigen Experten erwartet, haben die Währungshüter den Leitzinse doch noch nicht angehoben. Der Schritt könnte aber noch heuer kommen. Es gibt noch zwei weitere Sitzungen des Offenmarktausschusses.

Der Leitzins in den USA bleibt auf seinem historischen Tief von 0 bis 0,25 Prozent, gab die Fed nach zweitägiger Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses bekannt.

Erst wenn es eine weitere Entspannung auf dem US-Arbeitsmarkt gebe und die Mitglieder des Ausschusses zur Überzeugung kommen, dass sich die Inflation an das Fed-Ziel von zwei Prozent annähert, werde man die Leitzinsen erhöhen, hieß es gestern in einer Aussendung der Notenbank. Die US-Börsen reagierten kaum auf die Nachricht. Hatte es doch kurz davor geheißen, die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung lägen bei rund 30 Prozent. Offenbar war die Fed-Entscheidung das, was die Börsianer erwartet hatten.

Rücksicht auf Weltwirtschaft

Offenbar hat die US-Notenbank bei ihrer Entscheidung nicht nur die Situation in den USA im Blickfeld gehabt. Die Börsenturbulenzen in China, aber auch die schwache Konjunkturentwicklung in Europa dürften mit ein Grund gewesen sein, dass Yellen und ihre Mitstreiter die Zinswende verschoben haben.

Rein aus US-amerikanischer Sicht wäre ein kleiner Zinsschritt durchaus möglich gewesen. Die US-Wirtschaft wird nächstes Jahr um rund drei Prozent wachsen, lauten die jüngsten Prognosen. Zu lange die Zinsen auf diesem Niveau zu halten, könnte zu gefährlichen Exzessen zum Beispiel bei Immobilien- und Aktienpreisen führen. So argumentierten zumindest die Befürworter einer Zinswende. Und die gibt es auch innerhalb der Fed. Yellens Vizepräsident Stanley Fischer wird zu diesen Befürwortern gezählt.

Die Gegner sehen die wirtschaftliche Erholung als noch nicht robust genug an. Sie fürchten, dass wichtige Investitionen ausbleiben könnten, wenn Kredite für Firmen und private Hauskäufer teurer werden. "Es gibt viel versteckte Arbeitslosigkeit, eine realistische Quote läge wohl bei fast zwölf Prozent", sagte der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Hinzu kommen Alarmsignale an den asiatischen Börsen. Anleger warnen bereits vor weiteren Turbulenzen an den Aktienmärkten. Die Schwellenländer könnten bei einer zu raschen Zinserhöhung in den USA leiden, wenn Investoren wegen der attraktiveren US-Zinsen ihr Kapital von dort abziehen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte kürzlich die wichtigsten Notenbanken der Welt vor voreiligen Zinserhöhungen.

Das Ausbleiben der Zinswende kann man durchaus auch negativ sehen. Offenbar ist die Konjunktur in den USA noch nicht stark genug dafür. Diese Meinung vertritt etwa der Chef der Schweizerischen Nationalbank. Er hätte in der Zinswende in den USA "eine Normalisierung der Geldpolitik" gesehen.

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