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Wirtschaft

Vor dem Griechenland-Gipfel liefen in der Eurozone die Telefone heiß

22. Juni 2015 00:05 Uhr

Vor dem Griechenland-Gipfel liefen in der Eurozone die Telefone heiß
Tsipras (l.) soll Juncker bereits gestern neue Vorschläge vorgelegt haben.

ATHEN. Europas Spitzenpolitiker unternehmen letzten Anlauf zur Griechenland-Rettung.

Kurz vor dem Eurogruppen-Gipfel unternahmen die Spitzenpolitiker letzte Versuche zur Rettung Griechenlands vor der Pleite. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras legte am Sonntag in Telefonaten mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Frankreichs Präsident Francois Hollande und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel neue Vorschläge vor.

Finanzminister Yanis Varoufakis wies Merkel den Schlüssel über Erfolg und Misserfolg zu: "Merkel steht am Montag vor einer entscheidenden Wahl", schrieb er in einem Zeitungsbeitrag. Entweder sie trete in eine ehrenvolle Einigung mit seiner Regierung ein, oder sie folge Sirenen aus ihrer Regierung, die sie ermutigten, die einzige griechische Regierung über Bord zu werfen, die das griechische Volk auf den Reformpfad mitnehmen könne.

Signale für einen Kompromiss

Varoufakis signalisierte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" aber auch Kompromissbereitschaft: "Wir werden mit dem Entschluss nach Brüssel kommen, weiter Kompromisse einzugehen, solange wir nicht gefragt werden, das zu tun, was die vorherigen Regierungen taten: neue Schulden zu akzeptieren unter Bedingungen, die wenig Hoffnung bieten, dass Griechenland seine Schulden zurückzahlen kann." Details zu den Vorschlägen wurden nicht bekannt.

Griechenland steht ohne eine baldige Einigung vor der Pleite, weil Ende des Monats milliardenschwere Zahlungen an die Gläubiger fällig werden. Der Druck auf die Politik steigt auch, weil immer mehr Griechen ihr Geld von den Banken abheben. Ein Ansturm am Montag auf die Geldinstitute wird befürchtet. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist sich Insidern zufolge deshalb nicht mehr sicher, ob die Geldhäuser heute Montag noch öffnen können. Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling dagegen erwartet, dass die Hellas-Banken öffnen werden.

Griechische Pensionisten und Staatsbedienstete müssen sich einem Zeitungsbericht zufolge darauf einstellen, dass ihre Bezüge für Juni nicht mehr voll ausgezahlt werden. Nach Berechnungen der Geldgeber fehlten Athen am Monatsende zwei bis 3,6 Milliarden Euro. Folglich könne die Regierung dann nicht nur die fällige Rate von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds nicht begleichen. Sie müsse auch Pensionen und Gehälter kürzen. Die Aufwendungen dafür lägen Ende Juni bei 2,2 Milliarden Euro.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble forderte Griechenland noch einmal zu Reformen als Voraussetzung für weitere Hilfe auf. "Wo in Europa Reformen nicht nur beschlossen, sondern auch umgesetzt worden sind, hat unsere Stabilisierungspolitik in den letzten Jahren funktioniert", sagte er. Dies sei in Irland geschehen, in Portugal, Zypern, Spanien "und in Griechenland auch, solange dort Reformen umgesetzt worden sind." Ein Aufweichen der europäischen Regeln dürfe es nicht geben. "Denn wenn wir uns auf das, was wir vereinbart haben, nicht verlassen können, dann wächst kein Vertrauen in Europa."

 

Griechenland-Reisen

Für angehende Griechenland-Urlauber hätte ein möglicher Euro-Austritt nur geringe Auswirkungen. Vor allem Pauschalreisende müssten sich laut Deutschem Reiseverband (DRV) keine Sorgen machen – die touristischen Leistungen seien eingekauft und vertraglich abgesichert.

Geraten wird Griechenland-Reisenden allerdings, etwas mehr Bargeld als geplant mitzunehmen. Sollte Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführen, um zu verhindern, dass zu viel Bargeld abgehoben wird, würden Abhebungen an Bankomaten auf kleinere Beträge begrenzt werden.

Wie in jedem anderen Land sollten Kundgebungen und Demonstrationen möglichst gemieden werden. In den Urlaubsgebieten auf den griechischen Inseln sei aber ohnehin kaum damit zu rechnen, da sich Demonstrationen auf die größeren Städte konzentrieren.

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