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Wirtschaft

Opel-Werke fürchten Verschrottung

14. Juli 2012 00:04 Uhr

Opel-Werke fürchten Verschrottung
Unsichere Zeiten für die Opel-Mitarbeiter.

RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Karl-Friedrich Stracke war der fünfte Opel-Chef in fünf Jahren. Am Donnerstag gab der Autokonzern überraschend den Abgang seines bisherigen Chefpiloten bekannt.

Ob Stracke nach nur eineinviertel Jahren selbst die Notbremse gezogen hat oder von der Opel-Mutter General Motors (GM) wegen Erfolglosigkeit abberufen wurde, blieb auch gestern unklar.

Tatsache ist, dass die Opel-Mitarbeiter mit Stracke einen wichtigen Fürsprecher verlieren. Erst im Juni war Stracke von seinen ursprünglichen Plänen abgewichen, den Standort Bochum bis 2015 zu schließen. Im Gegenzug für den Lohnverzicht der Arbeitnehmer wollte er dem Werk zwei Jahre Gnadenfrist einräumen. Die Gespräche mit Gewerkschaft und Betriebsräten sollten im Oktober abgeschlossen sein. Sein plötzlicher Abgang schürt nun erneut Ängste vor Werksschließungen und Stellenabbau, nicht nur in Bochum.

„Kapazität runter, Leute raus“

Für GM sei dies „der letzte Versuch“, die Probleme bei seiner verlustreichen Tochter in den Griff zu bekommen, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Unter neuer Führung wolle GM jetzt „Dinge durchprügeln: Kapazität runter, Leute raus - und hoffen, dass es hilft.“ Heißester Kandidat für die Stracke-Nachfolge ist laut deutschen Medien Strategiechef Thomas Sedran. Auch Produktionschef Peter Thom werden Chancen eingeräumt.

Während GM noch nach einem neuen Opel-Chef sucht, warnten Arbeitnehmervertreter vor weiteren Einschnitten. „Entscheidend für die Belegschaft wird sein, dass der dringend notwendige Wachstumskurs umgesetzt wird und keine Kahlschlagpolitik erfolgt“, sagte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel. „Eine erneute Diskussion über Werksschließungen würde Belegschaft und Autokunden weiter verunsichern und hätte nachweisbar einen nicht reparablen Imageschaden und weitere Marktverluste für die Marke Opel zur Folge. Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive.“

„Marke auf Skoda-Niveau“

Medienberichten zufolge sank der Absatz von Opel im ersten Halbjahr 2012 um acht Prozent. Der Konzern wollte sich dazu gestern nicht äußern und verwies auf den europäischen Branchenverband Acea, der seine Absatzzahlen für Juni in der nächsten Woche vorlegen will. In Deutschland ging laut Kraftfahrtbundesamt die Zahl der neu zugelassenen Opel-Pkw im ersten Halbjahr um 9,3 Prozent zurück. „Die Marke Opel ist in Deutschland auf Skoda-Niveau, schlechter als Ford - und war mal auf Augenhöhe mit VW“, kritisierte Dudenhöffer.

Während die Rüsselsheimer in der Vergangenheit mit Oberklasse-Modellen wie Kapitän, Admiral oder Diplomat glänzten, rutschten sie später ins Billigsegment ab, aus dem sie sich jetzt mühsam wieder zu befreien versuchen. Durch Qualitätsprobleme verspielte Opel in den 1990er Jahren seinen Ruf als Hersteller zuverlässiger Autos. Hinzu kamen wirtschaftliche Probleme.

Alleine im ersten Quartal verbuchte Opel-Mutter GM im Europageschäft einen Fehlbetrag von 256 Millionen Dollar, in den vergangenen zehn Jahren summierte sich der Verlust von Opel und der Schwestermarke Vauxhall auf 14 Milliarden Dollar. Vor ein paar Jahren wollte GM die verlustreiche Europa-Tochter sogar loswerden. Nach monatelangem Hin und Her entschieden sich die Amerikaner aber anders und wollen Opel seither selber sanieren. Garniert mit immer wieder aufflammenden Debatten über Werksschließungen bekam Opel ein Verlierer-Image.

150-jährige Tradition

Adam Opel begann 1862 in Rüsselsheim mit der Produktion von Nähmaschinen, später von Fahrrädern und Autos. Lange Zeit war Opel einer der größten Autobauer Europas. 2008 geriet der Konzern in der Wirtschaftskrise in Schieflage.

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