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Wirtschaft

Niedrigzinsen: Entschuldung der Staaten auf dem Rücken der Sparer

08. Juni 2013 00:05 Uhr

Cent-Münzen
   

LINZ. Neue Serie: Wie Geldanleger auf die Folgen der Finanzkrise reagieren können

Die Schuldenkrise hat die Finanzwelt aus dem Lot gebracht. Nach wie vor agieren die beiden wichtigsten Notenbanken, Federal Reserve in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB), im Krisenmodus. Die Zeche zahlen die Sparer. Seit Ende 2009 (siehe Grafik) liegen die Zinsen auf Sparbüchern unter der Inflationsrate. Das heißt, wer spart, verliert an Kaufkraft. Wir sagen Ihnen in einer Serie bis kommenden Freitag, warum die Notenbanken so agieren und wie Sie darauf reagieren können.

1. Warum Niedrigzinsen? Die Zentralbanken steuern mit den Zinssätzen die Geldversorgung der Wirtschaft und stabilisieren den Geldwert. Wollen sie die Wirtschaft ankurbeln, senken sie die Leitzinsen. Sobald aber die Wirtschaft gut läuft, steigen die Preise. Es entsteht Inflation. Mit Zinserhöhungen bewirken die Notenbanken das Gegenteil. Sie dämpfen damit die Geldentwertung, gleichzeitig aber auch die Konjunktur.

2. Negative Realzinsen: Liegen die Sparzinsen unter der Inflationsrate, dann spricht man von negativen Realzinsen. Das ist derzeit seit Ende 2009 der Fall. Das Geld auf dem Sparbuch verliert damit an Kaufkraft. Das funktioniert umgekehrt auch bei den Schulden: Durch die Inflation verlieren diese real an Wert. Das hilft vor allem den hoch verschuldeten Staaten, aber auch den Banken in den Krisenländern. Der Versuch, Staatsschulden mit Inflation zu entwerten, ist eine ständige Versuchung für Regierungen, die auch in der Vergangenheit genutzt wurde.

3. Unabhängige Notenbanken? EZB-Chef Mario Draghi und sein US-Kollege von der Federal Reserve, Ben Bernanke, leiten von der Politik unabhängige Notenbanken. Warum lassen sich die beiden dafür einspannen? Diese Frage wird in Fachkreisen durchaus kontroversiell diskutiert. Entschuldung der Staaten wird offiziell von den beiden nicht als Ziel ihrer Geldpolitik genannt. Sie wollen beide die Konjunktur ankurbeln und die Geldwertstabilität sichern. So steht es in ihren Statuten. Das tun sich auch mit den niedrigen Zinsen. Der Nebeneffekt ist halt, dass auch die Regierungen davon profitieren.

4. Risiko des billigen Geldes: Die Politik der Zentralbanken ist nicht ohne Risiko. Das billige Geld könnte eine Inflation entfachen, die dann nur mehr schwer in den Griff zu bekommen wäre, sagen Kritiker dieser Geldpolitik. Das habe man unter Kontrolle, sagen die Zentralbanker. Derzeit sei keine Inflation in Sicht. Das billige Geld könnte freilich auch Blasen auf den Aktien- oder Immobilienmärkten entstehen lassen. Auch das sei derzeit nicht der Fall, sagen Bernanke und Draghi. Man werde rechtzeitig gegensteuern, beteuern beide.

5. Erholung: Die Politik des billigen Geldes müsste dann beendet werden, wenn sich die Konjunktur erholt. Sobald das geschieht, wird man sehen, wie unabhängig die Notenbanken tatsächlich sind. Denn wenn die Wirtschaft wieder besser läuft, wird die Inflation steigen. Und es stellt sich dann die Frage, wie schnell die Notenbanken sich dann von den niedrigen Zinsen verabschieden und mit der Inflationsbekämpfung beginnen. Wenn sie das zu früh machen, könnten sie die Konjunktur neuerlich abwürgen. Machen sie es zu spät, könnte die Inflation aus dem Ruder laufen.

6. Zinswende: Von der ist in Europa noch nichts zu sehen. Die Eurozone insgesamt wird auch heuer in der Rezession bleiben. Das heißt, die gemeinsame Wirtschaftsleistung aller 17 Euroländer wird heuer schrumpfen. Auch im nächsten Jahr wird die Konjunktur noch schwach bleiben. In den USA sieht die Sache schon anders aus. Die Wirtschaft erholt sich dort schneller von der Finanzkrise. Erste Stimmen, auch aus der Fed selbst, fordern ein Ende der lockeren Geldpolitik.

Lesen Sie hierzu auch einen Kommentar von OÖN-Redakteur Hermann Neumüller.

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