Lade Inhalte...

Wirtschaft

Mit 60 statt 58 in Pension bringt Milliarden

Von Dietmar Mascher   17. November 2011 00:04 Uhr

Tatsächliches Pensionsantrittsalter
Tatsächliches Pensionsantrittsalter.

LINZ. Die Bundesregierung will bei den Frühpensionen sparen. Tatsächlich gibt es dort ein riesiges Potenzial. Gelingt es, das faktische Pensionsalter um ein Jahr zu erhöhen, spart das eine bis 1,5 Milliarden Euro.

Die Österreicher gehen derzeit durchschnittlich mit 58 Jahren in Pension. Es gibt kaum ein anderes Land, wo so früh das Arbeitsleben beendet wird. Der Durchschnitt in der OECD liegt bei 63,9 (Männer) bzw. 62,5 Jahren (Frauen).

Das war nicht immer so. 1970 gingen die Österreicher mit 63 Jahren in Pension. Damals konnten sie diese aber nur sieben Jahre lang genießen. Die Lebenserwartung lag im Durchschnitt bei 70 Jahren, heute liegt sie bei 81 Jahren. Da die Österreicher heute erst mit 21 Jahren ins Erwerbsleben einsteigen und die Pension im Durchschnitt nicht mehr sieben, sondern 23 Jahre genießen können, ergibt sich ein völlig neues Verhältnis von Erwerbstätigkeit und Nichterwerbstätigkeit von 37:44 (1970 lag es bei 46:24).

Doris Hametner von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Univ.-Prof. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität haben errechnet, was es bringt, wenn das tatsächliche Pensionsantrittsalter um ein Jahr steigt. Der Staat erspart sich für rund 60.500 Personen 704,5 Millionen Euro (bei einer Bruttopension von 1213 Euro) und erzielt zusätzliche Steuern und Abgaben von 824,6 Millionen Euro. Das ergäbe 1,5 Milliarden Euro.

Auch Anreiz rechnet sich

Würden nur die unter 65-jährigen Männer und die unter 60-jährigen Frauen ein Jahr länger arbeiten, ergäbe sich immer noch eine Einsparung von 909 Millionen Euro. Berücksichtigt wurde dabei auch, dass nicht alle weiter arbeiten können, sondern ein Teil auch arbeitslos und zusätzliche Kosten verursachen würde.

Würde das tatsächliche Pensionsantrittsalter von derzeit 58 auf 60 Jahre erhöht, brächte das dem Staat 1,8 bis drei Milliarden Euro im Jahr. Zum Vergleich: Das Budgetdefizit beträgt heuer neun Milliarden Euro. Eine Anhebung auf das OECD-Durchschnittsniveau würde das Defizit sogar gegen null tendieren lassen.

Hametner und Schneider sind aber auch der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen und Einsparungen Anreize brächten, um in Beschäftigung zu bleiben. Die These: Arbeitszeit und Gehalt werden um 20 Prozent reduziert, die öffentliche Hand zahlt die Differenz auf 90 Prozent des Nettoeinkommens. Gleichzeitig erhöhen sich die Abschläge für Frühpension auf zehn Prozent der Nettopension im ersten Jahr. Das Ergebnis: Auch das würde dem Staat immer noch knapp 861 Millionen Euro ersparen.

Lesen Sie dazu auch den Leitartikel vom Donerstag, 17. November 2011.

130  Kommentare 130  Kommentare

Die Kommentarfunktion steht von 22 bis 6 Uhr nicht zur Verfügung