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Wirtschaft

Machtkampf rund um die OMV kostet Generaldirektor Roiss den Job

10. Oktober 2014 00:05 Uhr

Machtkampf rund um die OMV kostet Generaldirektor Roiss den Job
Roiss Vorstandsvertrag soll vorzeitig aufgelöst werden.

WIEN. Politik und Staatsholding ÖIAG rittern um die Zukunft von Österreichs größtem Konzern.

Österreichs größter Konzern, die börsennotierte OMV, rückt in das Zentrum eines Machtkampfs. Auf der einen Seite steht die Regierung, die mehr Einfluss auf die in der Staatsholding ÖIAG befindlichen Unternehmen nehmen will. Auf der anderen Seite ist der Aufsichtsrat der ÖIAG, der auf seiner Unabhängigkeit beharrt und offenbar andere Vorstellungen über die Zukunft der OMV hat. Zwischen die Fronten ist OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss gekommen. Er dürfte den Intentionen der ÖIAG-Spitze im Wege stehen.

Seit Wochen schon kursieren Gerüchte, dass der ÖIAG-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Siegfried Wolf den Linzer Gerhard Roiss lieber heute als morgen loswerden möchte. ÖIAG-Chef Rudolf Kemler soll Roiss vor Wochen ein Angebot zum Vertragsausstieg gemacht haben, heißt es. Die ÖIAG, die 31,5 Prozent der OMV-Anteile hält, kritisiert Roiss’ bekannt forschen Führungsstil. Auch die Gas-Strategie der OMV entspricht nicht den Erwartungen.

Roiss’ Vertrag wurde erst im Frühjahr um drei Jahre verlängert. Nun soll er vorzeitig aufgelöst werden. Aus der ÖIAG gibt es dazu naturgemäß keine Stellungnahme. Ein Sprecher sagt: "Das kann einzig und allein der Aufsichtsrat beschließen." Der kommt immerhin nächsten Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen.

Wohin die ÖIAG-Führung mit der OMV will, ist vorerst unklar. Schon vor Monaten hatte es Gerüchte über einen möglichen Einstieg russischer Investoren gegeben. ÖIAG-Aufsichtsratschef Wolf verfügt über blendende Kontakte nach Russland bis hinauf zur Staatsspitze.

Unklar ist auch, was der Führungswechsel für den Kunststoffkonzern Borealis mit Forschungszentrum in Linz bedeutet. Die OMV hält 36 Prozent der Anteile an der Borealis. Der zweitgrößte OMV-Aktionär neben der ÖIAG, der Staatsfonds IPIC der Vereinigten Arabischen Emirate, soll seit längerem auf diesen Borealis-Anteil spitzen. Unter Roiss’ Führung wuchs Borealis zu einem der größten heimischen Unternehmen. Der Umsatz hat sich auf zuletzt mehr als acht Milliarden Euro vervielfacht.

Die OMV selbst hat 2013 bei einem Umsatz von 42,4 Milliarden Euro ein Betriebsergebnis (Ebit) von 2,65 Milliarden Euro erzielt. Auf dem Konzern lasten vor allem die Produktionsausfälle in Libyen.

Zum schwierigen wirtschaftlichen Umfeld kommt jetzt der Umbau an der Unternehmensspitze. Neben Roiss soll auch Gas-Vorstand Hans-Peter Floren abgelöst werden. Der Deutsche ist erst vor zwei Jahren von der EON Ruhrgas zur OMV gewechselt.

Vor wenigen Wochen hat Jaap Huijskes, im Vorstand für den Bereich Exploration und Produktion verantwortlich, seinen Rückzug aus der OMV bekanntgegeben. Offiziell verlässt der Niederländer aus familiären Gründen das Unternehmen. Er wurde als Nachfolger von Roiss gehandelt.

Gute Chancen auf die Nachfolge von Roiss dürfte jetzt der britische Finanzvorstand David Davies haben, der neben Manfred Leitner als einziger der bisherigen Mannschaft im Vorstand verbleibt.

Machtspiele

Knapp ein Drittel der OMV-Anteile hält die Staatsholding ÖIAG. Zweitgrößter Aktionär ist ein Staatsfonds aus Abu Dhabi, die IPIC. Über einen Syndikatsvertrag halten sie gemeinsam die Mehrheit und dürften sich auf eine Ablöse von OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss verständigt haben. Im Hintergrund zieht Siegfried Wolf (Bild oben) die Fäden. Er ist seit Sommer Aufsichtsratschef der ÖIAG.

Ebenfalls seinen Hut nehmen muss Hans-Peter Floren (Bild Mitte), OMV-Gasvorstand. Der Deutsche verlässt den OMV-Vorstand damit nach zwei Jahren wieder. Beste Chancen auf die Roiss-Nachfolge hat Finanzvorstand David Davies.

Sanierer und Marathonläufer mit Herz für Linz

WIEN. Gerhard Roiss ist sein Leben lang schon flott unterwegs. Sei es im Beruf, wo es vielen nicht leicht gefallen ist, mit seinem Tempo mitzuhalten. Sei es im Sport, wo der begeisterte Läufer bei diversen Marathons oder Bergläufen den Schritt vorgegeben hat.

Roiss ist 1952 in Linz geboren. Studiert hat er in Linz, Wien und Stanford. Die ersten Schlagzeilen über den Manager in OÖN-Archiven finden sich 1986. Damals startete der 34-Jährige als Sanierer der Ringbrot-Werke, die sein damaliger Arbeitgeber, die Ed.Haas-Gruppe, aus einem Ausgleichsverfahren herausgekauft hatte. „Jede Sanierung, die länger als ein Jahr dauert, ist vergebliche Pflege eines kranken Unternehmens“, wurde der damalige Präsident des Marketing-Clubs zitiert. 1988 gab er dieses Amt ab, weil er bei Oswald-Schuhe am Attersee einen nächsten Sanierungsjob angenommen hatte. Dort war aber nichts mehr zu retten.

Start im Marketing

1990 startete Roiss seine Karriere bei der damaligen OMV als Leiter eines neuen Gruppenmarketings. Wenige Monate später rückte der dreifache Vater in den Vorstand der Kunststoff-Tochter PCD auf – um auch dort Sanierungsaufgaben zu übernehmen. Später führt Roiss die PCD mit Borealis zusammen, ein Unternehmen, das heute ein Joint-Venture mit dem OMV-Aktionär IPIC ist. Im gleichen Jahr 1997 rückt der Parteilose in den OMV-Vorstand auf, mit der Verantwortung für Kunststoffe und Chemie.

Mit Linz bleibt der OMV-Vorstand – dessen Familie immer in Oberösterreich geblieben ist – eng verbunden. Der Aufbau des Kunststoff-Instituts an der Kepler Universität ist ein Verdienst von Roiss, der 2002 zum Generaldirektor-Stellvertreter aufgestiegen war. Seine Kontakte nutzte er auch für Ausbildungskooperationen mit Abu Dhabi. 2008 erfolgte der Spatenstich für das 50 Millionen Euro teure Innovationszentrum der Borealis, das Roiss nach Linz geholt hatte. Sein Plan: Linz soll ein weltweit beachtetes Kunststoffzentrum werden. Dafür erhielt der Manager das Goldene Ehrenzeichen des Landes und wurde Ehrensenator der Kepler Uni.

2009 wird Roiss zum Nachfolger von OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer designiert. Das Amt hat er seit 1. April 2011 inne.

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