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Wirtschaft

Lebensversicherer dürfen ab 2016 nur noch ein Prozent Zinsen versprechen

Von Alexander Zens   05. September 2015 00:04 Uhr

OÖ Versicherung steigerte Prämieneinnahmen
„Die klassische Lebensversicherung bietet Sicherheit, und die Gesamtverzinsung ist höher.“ Josef Stockinger, Generaldirektor der Oö. Versicherung

WIEN/LINZ. Aufsichtsbehörde reagiert auf niedriges Zinsniveau – Versicherungen: "Trotzdem attraktiv".

Deutlicher als in den vergangenen Jahren wird die Finanzmarktaufsicht (FMA) demnächst den Garantiezins bei klassischen Lebensversicherungen senken. Derzeit liegt er bei 1,5 Prozent. Ab Anfang 2016 sollen Versicherungsunternehmen ihren Kunden nur noch höchstens ein Prozent Verzinsung versprechen dürfen.

Aus der FMA heißt es, dass "die Verordnung noch nicht fertig" sei. In den nächsten Wochen dürfte die Senkung aber bekannt gegeben werden. Die Behörde reagiert damit auf das aktuelle Niedrigstzinsniveau, das es den Versicherern bei klassischen, risikoarmen Lebensversicherungen schwierig macht, Erträge zu erwirtschaften. Sie sollen sich nicht überheben. Vor allem wenn in den nächsten zehn Jahren viele alte Anleihen, in die investiert wurde und die zuletzt Kursgewinne brachten, auslaufen, wird es eng.

Die FMA berechnet den höchstmöglichen Garantiezins mit einer Formel, die sich an der Rendite für Staatsanleihen orientiert. Dem Vernehmen nach hat die Aufsicht sogar überlegt, den von ihr genehmigten Garantiezins noch weiter zu drücken. Die Versicherungswirtschaft hat jedoch argumentiert, dass ein Prozent darstellbar ist.

Aber ist eine Lebensversicherung, die man über zehn bis 30 Jahre abschließt, noch attraktiv, wenn der Garantiezins ein Prozent beträgt? "Ja", sagen OÖ-Versicherung-Generaldirektor Josef Stockinger und Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im Versicherungsverband und Vorstand der s-Versicherung.

"Fangnetz" erstmals relevant

Bei der klassischen Lebensversicherung fließen die Prämien in den Deckungsstock, der "physisch verfügbar" und im Insolvenzfall geschützt sei, sagt Stockinger: "Das bedeutet Sicherheit. Dazu kommt, dass die Gesamtverzinsung mit der Gewinnbeteiligung deutlich höher ist." Angesichts der Geldpolitik und Marktlage bekomme das "unterste Fangnetz" Garantiezins nun aber erstmals Bedeutung.

Langfristig ein Prozent garantiert gebe es bei keinem anderen Produkt, sagt Rapf: "Es wird auch vergessen, dass die Lebensversicherung nicht nur der Veranlagung dient, sondern Versicherungsschutz bietet." Das müsse man künftig wieder stärker betonen.

Die Uniqa bietet ihre Lebensversicherung seit heuer ohne Garantiezins, dafür mit Kapitalgarantie an. Zumindest geprüft wird Ähnliches auch bei anderen Firmen. Die OÖ. Versicherung schließt das aus.

 

Lebensversicherungen in Österreich

10.000.000 Verträge: In Österreich gibt es derzeit rund zehn Millionen Lebensversicherungsverträge. Die bezahlten Prämien betrugen im vergangenen Jahr etwa 6,6 Milliarden Euro, davon 1,5 Milliarden für riskantere fonds- und indexgebundene Produkte.

1% Garantiezins: Der Garantiezins, den Versicherer laut Aufsicht bei der klassischen Lebensversicherung versprechen dürfen, wird 2016 von 1,5 auf ein Prozent sinken. Inklusive Gewinnbeteiligung aus dem Veranlagungserfolg beträgt die Gesamtverzinsung in der Branche derzeit rund drei Prozent.

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