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Wirtschaft

Kostenfalle Kontoüberziehung: Banken verlangen bis zu 12,5 Prozent Zinsen

Von Hermann Neumüller   09. Februar 2018 00:04 Uhr

Bankomat
(Symbolbild)

LINZ. Konsumentenschützer raten zur Umschuldung bei längerem Minus auf dem Gehaltskonto

Die Sparzinsen sind nahe an der Nulllinie, Kredite sind auch historisch günstig. Wer glaubt, auch eine Kontoüberziehung kostet wenig, täuscht sich. Bis zu 12,5 Prozent Zinsen zahlt man, wenn man auf dem Konto ins Minus rutscht. Das ergab eine Erhebung der Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Wer jetzt glaubt, dass ohnehin die meisten Bankkunden ihr Konto nur kurz und mit einem kleinen Betrag überziehen, irrt ebenfalls. "Es ist eine beachtliche Gruppe, die durchwegs in der Überziehung ist", sagt Ulrike Weiß, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Zwischen 6,625 und 12,5 Prozent Überziehungszinsen verrechnen oberösterreichische Banken, ergab die Erhebung der Konsumentenschützer im Februar. Dazu kommt bei einigen Banken noch eine erhöhte Kontoführungsgebühr von bis 6,50 Euro pro Quartal, wenn man im Minus ist.

"Überziehung nur ein Angebot"

Eine Kontoüberziehung sei nur ein Angebot und müsse als Teil des Service rund um ein Gehaltskonto gesehen werden, sagt Franz Gasselsberger, Obmann der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Oberösterreich und Generaldirektor der Oberbank.

Dass dieses "Angebot" gar so teuer ist, erklärt er so: Die Banken müssten für den gesamten Rahmen, den eine Bank ihren Kunden einräumt, liquide Mittel vorhalten. Wenn beispielsweise eine Bank ihren Kunden eine Milliarde Euro an Überziehungsrahmen eingeräumt hat, dann muss sie dafür auch Liquidität bereitstellen, auch wenn etwa nur 100 Millionen Euro tatsächlich in Anspruch genommen werden. Außerdem seien Kontoüberziehungen unbesicherte Kleinkredite, für die Eigenkapital vorgehalten werden müsse, sagt Gasselsberger.

 

Einig sind sich Konsumentenschützerin Weiß und der Oberbank-Generaldirektor Gasselsberger, dass man bei einer dauerhaften Überziehung unbedingt den Kontakt zum Bankberater suchen sollte. "Eine Umschuldung auf einen Kredit hilft Kosten sparen", sagt Weiß. Wer beispielsweise sein Konto dauerhaft um 5000 Euro überzieht, kann bei einer Umschuldung auf einen Kredit mit fünf Jahren Laufzeit seine Gesamtbelastung um 1350 Euro senken, haben die Konsumentenschützer errechnet. "Wer seinen Kontorahmen ausreizt, muss wissen, dass er keinen Spielraum mehr hat, wenn etwa eine Autoreparatur anfällt", sagt Weiß.

So komme man schnell in eine Verschuldungsspirale, in der man dann auch laufende Rechnungen nicht mehr bezahlen könne. "Ich fürchte, dass es viele Konsumenten gibt, denen nicht bewusst ist, wie teuer eine Kontoüberziehung auf Dauer kommt", sagt die Konsumentenschützerin.

Oberbank-Chef Gasselsberger verweist auf eine Änderung des Verbraucherkreditgesetzes, die noch heuer in Kraft treten wird: Überzieht ein Bankkunde mehr als drei Monate lang sein Konto und macht die Überziehung das Eineinhalbfache der durchschnittlichen Eingänge aus, muss die Bank den Kunden darüber informieren und bei einem Beratungsgespräch einen kostengünstigeren Ratenkredit anbieten.

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