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Wirtschaft

Hypo-Chef: „Wir wollen keinen Watschentanz zwischen Österreich und Bayern“

Von Alexander Zens   20. Dezember 2012 00:04 Uhr

„Wir wollen keinen Watschentanz zwischen Österreich und Bayern“

WIEN. Der Chef der Ende 2009 verstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank, Gottwald Kranebitter, spricht im OÖN-Interview über den Milliardenstreit mit der Bayerischen Landesbank, den Verkaufsprozess und nicht erzielbare Gewinne.

OÖNachrichten: Die BayernLB als Ex-Eigentümerin will vier Milliarden Euro zurück, die sie in die Kärntner Hypo gepumpt hat. Sie haben die Zahlungen eingestellt. Heute wären zwei Millionen Euro an Zinsen fällig. Gibt es ein Weihnachtsgeschenk für die Bayern?

Kranebitter: Keine Zeit für Geschenke. Wir haben unseren Rechtsstandpunkt klar mitgeteilt. Davon können wir keinen Millimeter abrücken. Die Krise der Hypo war viel tiefer als bei der Notverstaatlichung bekannt, und der Weg heraus dauert länger. Wir erwarten einen fairen Beitrag der BayernLB. Es geht auch darum, einen Polster für den österreichischen Steuerzahler zu schaffen.

Also fließt heute, Donnerstag, kein Geld.

Wir haben der BayernLB angeboten, die Zinsen auf ein Treuhandkonto zu überweisen. Ich hoffe auf ein positives Signal aus München. So zeigen wir, dass wir an einer konstruktiven Auseinandersetzung interessiert sind und stellen gleichzeitig klar, dass wir natürlich zahlungsfähig sind, das Gesetz aber keine Auszahlungen an den Kreditgeber BayernLB erlaubt, solange die Sanierung der Bank läuft.

Warum ist die Situation eskaliert? Liegt es an den politischen Eigentümern der beiden Banken?

Wir wollen keinen österreichisch-bayerischen Watschentanz. Es braucht eine faire und korrekte Lösung. Unsere Ankündigung, die Zahlungen einzustellen, war wohl durchdacht und für die BayernLB nicht überraschend. Das ist eine wirtschaftliche und rechtliche, keine politische Frage.

Wollen Sie jahrelang gegen die Bayern prozessieren oder streben Sie einen Vergleich an?

Wir sind vorbereitet, dass die Gerichte entscheiden. Wichtig ist ein professionelles und konstruktives Vorgehen– Schritt für Schritt. Dass die BayernLB sofort eine Feststellungsklage eingebracht hat, war zu erwarten. Ich sehe auch das als einen sachlichen Schritt.

Auf politischer Ebene, vor allem in Bayern, werden aber Drohkulissen aufgebaut. Schadet der Streit dem Finanzplatz Österreich?

Es kommt jetzt sehr auf die Sachlichkeit und Tonalität an, mit der man an die Sache herangeht. Ich bin überzeugt, dass es auch im Interesse der Bayern ist, die Bankenplätze nicht zu schädigen.

Bayerns Finanzminister Markus Söder dürfte das anders sehen.

Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

Sie haben bei Ihrem Amtsantritt im April 2010 gesagt, dass die Hypo zu einer schönen Braut werden soll. Angesichts der Rezession in Ihrem Kernmarkt Südosteuropa, notleidender Kredite und hoher Schulden: Glauben Sie immer noch, dass Sie das schaffen?

Hätten wir damals gewusst, wie schwer die Krise ist und was uns noch erwartet, hätten wir nicht geglaubt, dass wir überhaupt so weit kommen würden. Die Risiken der Bank wurden um acht Milliarden Euro reduziert. Wir haben die öffentliche Hand von 6,4 Milliarden Euro an Garantien befreit. Dazu kommen 700 Millionen Euro neue Spareinlagen und 160.000 Neukunden. Wir konnten den Verkaufsprozess der Bankenteile Österreich, Italien und Südosteuropa nur beginnen, weil wir alles auf neue Beine gestellt haben.

Gewinne gibt es aber keine.

Angesichts des konjunkturellen Umfelds und des Rucksacks, den wir mitschleppen, kann man von uns keine Gewinne erwarten. Aber wir schlagen uns angemessen.

Wie läuft das Verkaufsverfahren der Gesellschaften in Österreich und Südosteuropa?

In Österreich gehen wir davon aus, dass 2013 ein Käufer feststeht. In Südosteuropa müssen wir uns auf einen längeren Prozess einstellen. Wir sind verkaufsbereit. Die Frage ist, ob es angesichts des wirtschaftlichen und regulatorischen Umfelds im Bankenmarkt Käufer gibt.

Rückblickend: Musste die Hypo Ihrer Meinung nach gerettet werden oder hätte man sie pleite gehen lassen sollen?

Die Regierung hat unter großem Zeitdruck Verantwortung für den Bankenplatz Österreich übernommen. Umso logischer und klarer ist, dass die BayernLB eingeladen wird, einen Beitrag zu leisten.

 

Staatsgeld, Aufarbeitung und Kranebitters Zukunft

500 Millionen Euro hat die Hypo Alpe Adria dieser Tage von der Republik Österreich bekommen. Insgesamt sind 1,85 Milliarden in die Bank geflossen. Gleichzeitig habe man die Haftungen um 6,4 auf rund 16 Milliarden Euro gesenkt, sagt Vorstandschef Kranebitter: „Das ist eine gute Leistung.“

Bis 31. März 2013 läuft Kranebitters Vertrag als Generaldirektor der Hypo. Bezüglich einer Verlängerung will er „der Entscheidung des Aufsichtsrats nicht vorgreifen“.

110 Beschuldigte und zwei Millionen durchforstete Dokumente: Diese Zahlen nennt Kranebitter, wenn es um mögliche Vergehen rund um die Hypo geht. Die Bank tue alles für die Aufarbeitung der Vergangenheit, Urteile oblägen aber den Gerichten. Mit dem von der Regierung geschickten Aufpasser, Ex-Bawag-Ankläger Georg Krakow, gebe es ein „ausgezeichnetes Arbeitsklima“.

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