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Wirtschaft

Hugo Chávez: Schönrechner des Sozialismus

11. Januar 2010 00:04 Uhr

Schönrechner des Sozialismus
Seit zehn Jahren regiert er Venezuela.

Hugo Chávez stinkt nicht. Und das, obwohl er nur drei Minuten am Tag dusche, wie er beteuert. Wasser sparen ist angesagt im Land des real existierenden neuen alten Sozialismus. Denn ohne Wasser können die Wasserkraftwerke nicht betrieben werden, die den überwiegenden Teil des Stroms in Venezuela liefern.

Doch ist es weniger die Wasserknappheit als die Geldknappheit, die dem Staatschef im elften Jahr seiner Amtszeit zu schaffen macht. Denn nach der Hoch-Zeit des Erdölpreises, der Milliarden in die Staatskassen schwemmte, ist der Ölpreis wieder auf niedrigerem Niveau. Und gleichzeitig machen sich die Folgen der so genannten niederländischen Krankheit bemerkbar, unter der auch Venezuela zu leiden scheint. Wie einst in den Niederlanden das Erdgas verdrängt auch in Venezuela das dominante Erdöl andere Wirtschaftszweige, die sich kaum noch erfangen.

Venezuela erfängt sich kaum in der Rezession und muss gleichzeitig mit der höchsten Inflationsrate Südamerikas zurechtkommen. Der Bolivar, benannt nach Chávez’ großem Vorbild Simón Bolívar, verlor im Vorjahr ein Viertel seines Wertes, auch heuer bleibt die Inflation hoch.

Mit dieser Stagflation geht der linkspopulistische Staatschef auf seine Weise um. Er wertet den Bolivar ab, führt gleich zwei Wechselkurse ein. Schon zuvor hatte er angekündigt, man werde die wirtschaftliche Situation künftig anders berechnen als die kapitalistischen Systeme dieser Welt. Motto: Es geht uns besser, als wir glauben. Effekt: Venezuela wird noch stärker von der Welt abgeschnitten, als es ohnehin ist.

Dass Hugo Chávez das schadet, ist noch nicht absehbar. Schon mehrfach sind Versuche gescheitert, ihn abzusetzen. Vor allem die ärmere Bevölkerung hat ihn stets unterstützt. Der einstige Soldat und Student der Politikwissenschaften, dem auch Veröffentlichungen über Vetternwirtschaft und luxuriösen Lebensstil nichts anhaben konnten, verfolgt seinen Weg, einen Sozialismus des 21. Jahrhunderts umzusetzen. Dass dieser Weg mit Enteignungen, einem plumpen Populismus und ständigen Versuchen, die Medien einzuschüchtern, gepflastert ist, ist eine andere Sache.

Ob seine treuesten Anhänger dem 55-jährigen Vater von vier Kindern aber verzeihen, dass vor allem sie die Leidtragenden einer offensichtlich gescheiterten Wirtschaftspolitik sind, wird sich spätestens heuer weisen, wenn in Venezuela wieder gewählt wird.

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