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Wirtschaft

Finanzkrise auch nach zehn Jahren nicht ausgestanden

04. März 2017 00:04 Uhr

Wall Street Händler
Aktienhändler an der New Yorker Wall Street

WIEN. Staatsschulden: Obwohl die Krise von US-Banken ausgelöst wurde, sind die Folgen in der Eurozone dramatisch und langwierig.

Vor zehn Jahren gab es erste Anzeichen für eine Finanzkrise, die vom US-Immobilienmarkt ausging. War sie 2007 noch auf die USA beschränkt, wurde spätestens nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 daraus eine der größten Finanzkrisen der Weltwirtschaft, vergleichbar nur mehr mit jener in den 1930er-Jahren. Ihre Folgen sind längst noch nicht ausgestanden, vor allem in Europa nicht.

Am Beginn der Krise stand die fahrlässige Vergabe von Hypothekarkrediten an private Haushalte in den USA, vor allem an US-Bürger, die sich diese Kredite eigentlich gar nicht leisten konnten. Diese Schuldner mit geringer Bonität ("subprime") kamen in Bedrängnis, als die Immobilienpreise zu fallen begannen und sie ihre Rückzahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnten.

Zweifelhafte Finanzprodukte

Das Risiko dieser Darlehen wurde in Kreditportfolios gebündelt, mit mathematischen Modellen so dargestellt, als wären sie quasi mündelsicher und auch noch von den Ratingagenturen mit Gütesiegel ausgezeichnet. Diese Wertpapiere wurden von einigen US-Großbanken schwunghaft gehandelt und fanden auch in Europa reißend Absatz.

Spätestens mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers war die Krise dann eine der Weltwirtschaft. Nur mit Hilfe gigantischer Konjunkturprogramme, akkordierten Finanzspritzen und vielen anderen geldpolitischen Maßnahmen konnten Regierungen und Zentralbanken einen Zusammenbruch des Wirtschafts- und Finanzsystems verhindern.

Die Staaten mussten jedoch für die Stabilisierung des Finanzsystems durch die Rettung und Abwicklung von Banken viel zusätzliches Kapital aufnehmen. Das brachte vor allem Länder an den Rand des Ruins, die ohnehin schon extrem hohe Schulden haben. So wurde aus einer Finanzkrise auch eine Staatsschuldenkrise.

Besonders betroffen waren davon einige Länder der Eurozone, allen voran Griechenland. Erst das beherzte Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) konnte das Zerbrechen der Währungsunion verhindern – allerdings mit einem hohen Preis.

Die Zinsen sanken praktisch auf null, Sparer, aber auch die Besitzer von Staatsanleihen müssen schon seit Jahren auf Rendite verzichten. Mit dieser Art von Geldpolitik will die EZB den Regierungen der betroffenen Länder die Möglichkeit geben, ihre Wirtschaftsstrukturen und ihre Finanzen in Ordnung zu bringen.

Erst jetzt, zehn Jahre nach Beginn der Krise, zeichnet sich in der Eurozone eine wirtschaftliche Erholung ab. Das Wachstum kehrt langsam auch in den Krisenländern zurück, und die Inflation steigt. Über dem Berg ist die Eurozone trotzdem noch immer nicht.

 

Chronologie der Finanzkrise (PDF):

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