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Wirtschaft

Fachkräftemangel bremst Betriebe und wird sich weiter verschärfen

12. September 2018 00:04 Uhr

AK: "Fachkräftemangel aufgebauscht"
Mit Aus- und Weiterbildung lässt sich der Fachkräftemangel bekämpfen

WIEN/LINZ. Allein in der Informationstechnologie fehlen österreichweit mindestens 10.000 Spezialisten.

"Das Handwerker-Problem ist riesengroß. Wir haben so einen großen Handwerker-Bedarf, wir hätten Arbeit en masse", berichtet der Mühlviertler Tischler Herbert Hartl von einem Problem, das ihn und viele Betriebe über die Jahre immer mehr plagt. Zurzeit beschäftigt sein Unternehmen mit Sitz in Unterweitersdorf 18 Mitarbeiter.

Hartl, der selbst die Tischlerlehre absolviert hat und sich früh selbstständig gemacht hat, versteht nicht, warum junge Menschen heutzutage so selten ein Handwerk lernen, und sagt überspitzt: "Die Akademiker von heute sind die Arbeitslosen von morgen. Handwerk hat doch goldenen Boden, damit kann man immer Geld verdienen. Es wird keinen digitalisierten Möbel-Aufbau-Roboter geben."

0,79 Bewerbungen auf einen Job

Die gestern im Detail vorgestellte Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) übersetzt die Erfahrung des Tischlers in die Statistik: So kommen in Oberösterreich auf eine offene Bau- und Möbeltischler-Position 0,79 Bewerbungen. Unterm Strich fehlen demnach im ganzen Land 162.000 Fachkräfte. Rund 4000 Unternehmer wurden befragt.

Zu den Lehrlingen schreibt das ibw, dass österreichweit auf eine offene Lehrstelle 1,68 Bewerbungen kommen, in Oberösterreich lag die Zahl 2017 bei 1,03.

Einer der Ansatzpunkte der gestern von der Wirtschaftskammer (WK) präsentierten Fachkräfte-Offensive zielt auch auf die Ausbildung ab. So will WK-Präsident Harald Mahrer einen dreistelligen Millionenbetrag in die Weiterentwicklung der Lehre investieren.

Weitere Stoßrichtungen sind Maßnahmen zur Personalsuche und -sicherung, zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit und qualifizierte Zuwanderung. Der von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigte "Job-Gipfel" könne nur ein "erster Schritt" sein, so Mahrer. Der Wirtschaftskammer-Präsident warnte vor den Auswirkungen des strukturellen Mangels: "Das gefährdet die Innovationstätigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und kann zu einer gefährlichen Abwärtsspirale führen."

Dazu komme die demografische Entwicklung: Laut den Bevölkerungsdaten der Statistik Austria erreicht die Zahl der 20- bis 60-Jährigen heuer ihren Höhepunkt. Ab 2019 nimmt die Zahl ab und wird bis zum Jahr 2030 um mehr als 230.000 Personen zurückgehen. Schon 2024 wird es 40.000 mehr 60-Jährige als 20-Jährige geben. Oberösterreich wird dabei zu den relativ größeren Verlierern zählen, zeigen diese Zahlen.

Video: Mit einer neuen Webseite will die Wirtschaftskammer heimischen Unternehmen die Suche nach Fachkräften erleichtern, über Bezirks- und Bundeslandgrenzen hinweg.

Kein Potenzial bei den Nachbarn

Genauso sei aktuell das Arbeitskräftepotenzial in den Nachbarländern ausgeschöpft. In Tschechien, Ungarn, Deutschland ebenso wie in Bulgarien und Rumänien sind die Arbeitslosenraten niedriger als in Österreich. Einer der Bereiche mit dem größten Mangel sei der IT-Bereich. Allein in dieser wichtigen Branche fehlten rund 10.000 Fachkräfte in Österreich. "Hier haben wir es in Europa mit einem ausgetrockneten Markt zu tun", sagte Mahrer. (sib/uru)

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