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Wirtschaft

"Ein Drittel bis die Hälfte der Filialen sperrt zu"

Von Dietmar Mascher   16. Juli 2014 00:05 Uhr

"Ein Drittel bis die Hälfte der Filialen sperrt zu"
Bank-Austria-Chef Willibald Cernko: Indirekt 310 Mitarbeiter eingespart

WIEN. Banken hätten zu viele Filialen und Mitarbeiter, sagt Bank-Austria-Chef Willibald Cernko, der auch Präsident des Bankenverbandes ist, im OÖNachrichten-Gespräch.

OÖNachrichten: Fast jede Bank in Oberösterreich hat im Vorjahr eine oder mehrere Filialen geschlossen. Das waren wahrscheinlich nicht die letzten.

Cernko: Ich gehe davon aus, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren gut ein Drittel der Filialen europaweit zusperren wird. Das Verhalten der Kunden hat sich geändert. Man geht seltener auf die Bank. Und wenn, dann will man genau dann gute Beratung, wenn man selbst Zeit dafür hat. Daher wird es eher größere Filialen geben, diese aber mit flexibleren Öffnungszeiten. Wir wollen ja kein Amt sein, sondern dann geöffnet haben, wenn die Kunden uns brauchen.

Das wird sich auch auf die Zahl der Mitarbeiter auswirken.

Ich gehe auch davon aus, dass wir weniger Mitarbeiter haben werden. Wir als Bank Austria organisieren das aber sozial verantwortlich. Viel Zeit haben wir nicht, denn wir bekommen es in unserem ureigensten Geschäft mit neuen Spielern wie Google oder Amazon zu tun.

Bei der Bank Austria haben Sie offenbar so attraktive Teilzeitmodelle angeboten, dass sehr viele das annehmen. Fürchten Sie nicht, dass dann irgendwann zu wenig Leute da sind, die auch Umsätze machen?

Es wird Aufgabe der Führungskräfte sein, das zu organisieren. Die Servicequalität für den Kunden wird jedenfalls nicht darunter leiden. Wir haben ja allen Teilzeitmodelle angeboten. Und jene, die in Teilzeit gehen, haben nach drei Jahren eine Rückkehrzusage zum alten Modell. Mehr als 1000 Mitarbeiter haben das Angebot angenommen, und wir sparen alleine damit umgerechnet 310 Vollzeitstellen ein, ohne jemanden kündigen zu müssen. Das ist besser, als die Leute in Frühpension zu schicken, da damit Know-how frühzeitig verlorengehen würde.

Sie haben vor einigen Wochen gesagt, die Banken hätten unterm Strich im Vorjahr fast eine Milliarde Verlust gemacht. Müssen wir uns jetzt Sorgen um Sie machen?

Nein, wir sind in einer Phase von Anpassungskorrekturen. Aber ich finde es gut, dass auch die Notenbank darauf hingewiesen hat, dass die Ertragslage nicht befriedigend ist für das Risiko, das wir nehmen. Wir liefern Bankenabgabe ab, sollen mehr Eigenkapital aufbauen, die Liquidität vorsichtiger steuern und ab 2015 einen Abwicklungs- und ab 2016 einen Einlagensicherfonds dotieren. Man kann uns Banken melken oder schlachten. Aber beides wird sich nicht ausgehen.

In der Bevölkerung herrscht freilich die Meinung vor, die heimischen Bankkunden zahlen jetzt die Osteuropa-Abenteuer der Banken.

Das ist ein Irrglaube. Von 2000 bis 2013 hat die Bank Austria in Osteuropa 12,5 Milliarden Euro vor Steuer Gewinn gemacht. Die Korrektur von Firmenwerten schlug dagegen nur mit 4,4 Milliarden Euro zu Buche. Das ist eine eindeutig positive Bilanz. Was die Hypo Alpe Adria betrifft, so ist das eine Kriminalgeschichte. Die ÖVAG ist zu spät und blauäugig in den Markt gegangen.

Sie bemühen sich sehr, die Bankenabgabe zu kippen. Sehen Sie eine ernsthafte Chance dafür?

Uns ist klar, dass wir eine Antwort finden müssen, die über die Forderung "Steuer abschaffen!" hinausgeht. Es muss ein Paket geben, bei dem die Banken zum Beispiel sagen, sie stellen mehr Kredite für innovative Klein- und Mittelbetriebe zur Verfügung oder sie unterstützen stärker die Grundlagenforschung. Ziel muss sein, dass es netto mehr Arbeitsplätze und damit mehr Einnahmen für den Staat gibt als in der jetzigen Situation.

Auf der einen Seite wird darüber geklagt, die Banken wären bei der Kreditvergabe restriktiver. Die Banken sagen, die Nachfrage sei verhalten. Was stimmt?

Tatsache ist, dass 96 Prozent aller österreichischen Mittelbetriebe Kredit bekommen, wenn sie einen nachfragen. Das ist durch die EZB belegt und ein Spitzenwert. Gleichzeitig ist die Kreditnachfrage verhalten. Ich sehe keine Änderung. Es ist aber auch richtig, dass die Zeit der Kredite auf Vertrauensbasis Geschichte ist. Das ist nicht nur eine Willensfrage, es gibt hier klare aufsichtsrechtliche Vorgaben.

 

Bankfilialen in Oberösterreich

Die meisten in Oberösterreich tätigen Banken haben zuletzt die Zahl ihrer Standorte reduziert.

Die Bank Austria hat ihr Filialnetz in Oberösterreich heuer um zwei auf 14 Standorte gestrafft.

Bei den 95 Raiffeisenbanken ist die Zahl der Zweigstellen im Vorjahr um zwei gesunken, heuer kam eine dazu auf nunmehr 322. Die Raiffeisenlandesbank hat 18 Standorte in Oberösterreich (minus eins seit Ende 2012). Im Ausland hat sie zwei Filialen in Bayern geschlossen (nunmehr acht).

Die Oberbank hat 2013 an zwei Standorten Filialen zusammengelegt. Damit hat sie in Oberösterreich noch 53 Zweigstellen. Insgesamt stieg die Zahl seit Ende 2012 von 147 auf 153 (mehr in Wien, Bayern und Tschechien).

15 Filialen hat heute die Hypo Oberösterreich (davon eine in Wien). Ein Standort in Oberösterreich wurde 2013 geschlossen.

Die derzeit zehn Volksbanken in Oberösterreich haben im Vorjahr sieben Filialen aufgelöst. Aufgrund einer Fusion sank die Zahl heuer um weitere drei auf 74.

Die VKB-Bank hat heuer an zwei Standorten Filialen zusammengelegt. So sind es noch 35.

Auf 162 Filialen ausgebaut hat 2013 hingegen die Sparkasse Oberösterreich. Insgesamt 23 Filialen der Sparkasse Kremstal-Pyhrn und der Erste Bank im Mostviertel wurden übernommen. In Oberösterreichs Sparkassensektor (neun Institute) gab es zwei Schließungen, die Gesamtzahl erhöhte sich aber von 212 auf 218.

Die Bawag P.S.K. legte zu, weil sie die Filialen nun mit der Post betreibt. In Oberösterreich gibt es 68 Standorte (Ende 2012: 64).     (az)

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