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Wirtschaft

Die Millionenprovisionen der AWD-Keiler

Von Von Werner Beninger   08. Januar 2009 00:04 Uhr

WIEN, LINZ. 86 Millionen Euro Provisionen zahlte der AWD Österreich 2007 an seine Keilertruppe aus.

Finanzberater, vor allem jene von Strukturvertrieben, haben derzeit wenig zu lachen. Da setzt es – vor allem nach den Totalverlusten bei angeblich so sicheren Anlagen, wie Immoeast und Meinl – massenhaft Klagen wegen falscher Beratung. Und so mancher dieser Finanzkeiler hat inzwischen ernste Probleme in seiner eigenen Familie: Hat er doch sogar der eigenen Mutter geraten, das auf dem Sparbuch liegende Geld in den „absolut sicheren Immoeast-Papieren“ anzulegen. Solche und ähnliche Fälle stapeln sich derzeit bei Konsumentenschützern.

Gescheitert und Berater

Manche dieser „Anlageberater“ haben eine klassische „Karriere“ hinter und vor sich: kaum Berufsausbildung, wenig Erfolg in anderen Jobs und jetzt als „Finanzberater“ die Aussicht auf viel Geld bei einem „Finanzoptimierer“, wie sich etwa der vom Keiler Carsten Maschmeyer 1988 im deutschen Hannover gegründete AWD, der seit 1991 in Österreich präsent ist, nennt.

Erhöhte Immo-Provision

Warum ausgerechnet der AWD so tief in den Immofinanzstrudel verwickelt ist, ist erklärbar: Für Immofinanz-Veranlagungen kassierten die Keiler nahezu die doppelte Provision wie von anderen vergleichbaren Produkten. Dies geht aus internen Unterlagen hervor, die den OÖN vorliegen. Damit nur ja niemand verkauft, ist die interne Vorschrift für einen Aufstieg im AWD ganz simpel: Die Stornoquote muss unter zehn Prozent liegen, sonst ist es nichts mit einem Aufstieg im AWD und mit mehr Geld.

So sind schon Anfangsgagen von 2000 Euro und mehr für Keiler, die anderswo gescheitert sind, relativ hoch, das große Geld gibt es aber erst, wenn andere Keiler für einen AWD-Manager arbeiten.

Den OÖN liegt einer der vom AWD wie ein Augapfel gehüteter interner Vergütungs- und Karriereplan des AWD vor. Und dieser zeigt exorbitante Gagen.

Danach musste ein AWD-Keiler als Teamleiter zumindest 14.000 sogenannte Einheiten im letzten Vierteljahr verkauft haben. Weil er damals neun Schilling pro Einheit erhalten hat, wäre das im Vierteljahr ein Einkommen von 126.000 Schilling schon vor zehn Jahren, im Jahr dann 504.000 Schilling oder 36.600 Euro.

Ein Teammanager musste vor zehn Jahren bereits auf 400.000 Einheiten, die er selbst oder seine Mitarbeiter verkauften, im Jahr kommen. Weil ein solcher zehn Schilling pro Einheit bekam, wären das vier Millionen Schilling und damit umgerechnet 290.000 Euro Mindestgage im Jahr – und das 1999.

4,5 Millionen Euro Gage

Um Manager zu werden, benötigte man mindestens 1,2 Millionen Einheiten im Jahr, die jeweils mit elf Schilling abgegolten wurden: macht das exorbitante Jahreseinkommen von 13,2 Millionen Schilling bzw. 959.000 Euro. Und um Direktor zu werden, brauchte man fünf Millionen Einheiten im Jahr, die zu je 12,50 Schilling abgegolten wurden. Das brachte ein Einkommen von 62,5 Millionen Schilling oder mehr als 4,5 Millionen Euro.

Übrigens: 1000 Schilling Veranlagung in Immofinanzpapiere brachten 1999 3,8, eine Veranlagung in ein Sparbuch 0,15 Einheiten.

Der AWD verdient auch selbst bestens: Der Bilanzgewinn von AWD Österreich betrug 2007 stolze 24,5 Millionen Euro. Die zwischen AWD Österreich und der deutschen Mutter zwischengeschaltete AWD CEE Holding mit Sitz in Österreich verdiente weitere 26 Millionen Euro.

2007 nahm AWD Österreich 137 Millionen Euro an Provisionen ein, an die Keilertruppe wurden 86 Millionen Euro an Provisionen ausbezahlt – Geld, das letztlich von Anlegern stammt.

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