Lade Inhalte...

Wirtschaft

Bawag kündigt Vertrag mit der Post

Von nachrichten.at/apa   11. Oktober 2017 15:12 Uhr

Am Donnerstag startet die Zeichnungsfrist für Bawag-Aktien

WIEN. Die Bawag startet ihren Börsegang in Wien gleich mit einer Kündigung. Die Zusammenarbeit mit der Post soll mit Ende 2020 beendet werden. Im Streit mit der Stadt Linz warnt die Bawag Investoren vor weiteren Kosten.

Die Bawag hat fix vor, die Zusammenarbeit mit der Post noch vor dem Jahresende zu kündigen. Damit würde die Trennung Ende 2020 wirksam werden. Die Post habe sich nicht auf einen Vorschlag zur Umstrukturierung der Zusammenarbeit eingelassen, heißt es im Börsenprospekt der Bawag. Ohne neue Vereinbarung werde die Zusammenarbeit spätestens am 31. Dezember gekündigt. 

Derzeit werde das Netz mit 433 Filialen gemeinsam mit der Post betrieben. In der Übergangszeit will die Bawag ein eigenes Netz mit rund 100 Filialen aufbauen - zu den derzeit 74 eigenen Filialen sollen noch 25 neue Bawag-Standorte dazukommen. Auch sollen eigene Berater aufgenommen und ausgebildet werden. Derzeit seien etwa 300 der knapp 1000 Bawag-Berater von der Post angestellt. Es würden aber deutlich weniger neue Berater aufgenommen, als derzeit von der Post gestellt werden. 

Video: Die Bawag will sich von der Post trennen

Post will weiter Finanzdienstleistungen anbieten

Die Post wiederum will sich deshalb nicht aus diesem Geschäft zurückziehen. "Wir wollen auch nach 2020 noch Finanzdienstleistungen anbieten", sagte Post-Sprecher Michael Homola auf Anfrage.

Da es schon länger Hinweise auf eine Kündigung der Zusammenarbeit durch die Bawag gegeben habe, habe die Post bereits vor einiger Zeit begonnen, national und international Kooperationspartner und andere Möglichkeiten zu suchen, um weiter Finanzdienstleistungen anzubieten.

Unsicherheiten und Risiken

Mit dem Übergang seien signifikante Unsicherheiten und Risiken verbunden, heißt es im Börsenprospekt der Bawag. Insbesondere könnte die Service-Qualität in der Übergangszeit leiden, was zu einem höheren als erwarteten Rückgang bei den Kunden und Geschäftsabschlüssen führen könnte. Auch könnten die Einsparungen geringer ausfallen, als im Voraus erwartet. Schließlich gebe es auch noch das Risiko eines Rechtsstreits mit der Post. Abgesehen davon läuft auch noch ein Schiedsgerichtsverfahren zwischen Bawag und Post über die richtige Honorierung des Abkommens zwischen den beiden Unternehmen. Die Post verlange unter Berufung auf das Postsparkassengesetz pro Jahr um 15 bis 20 Millionen Euro mehr an Vergütung, als im Abkommen vereinbart sei, heißt es im Börsenprospekt. Alleine für die Jahre 2013 bis 2016 fordere sie 56 Millionen Euro nach. Sollte der Vertrag bis inklusive 2020 laufen (also heuer noch gekündigt werden) und sollte die Post vor dem Schiedsgericht vollinhaltlich recht bekommen, dann müsste die Bawag rund 126,5 Millionen Euro zusätzlich zahlen.

Die Bawag schreibt in ihren Börsenprospekt außerdem, dass die Aktien zwischen 47 und 52 Euro kosten sollen und dass sie insgesamt Einnahmen  zwischen 1,89 und 2,09 Milliarden Euro erwartet. Das ist mehr als bisher angenommen. Die Zeichnungsfrist startet morgen Donnerstag und läuft bis Anfang übernächster Woche.

Streit mit Stadt Linz: Bawag warnt Investoren

Im bereits seit 2013 andauernde Zivilprozess mit der Stadt Linz rechnet die Bawag frühestens im Jahr 2018 mit einem erstinstanzlichen Urteil des Handelsgerichts Wien. Bereits 2011 habe man die Klagsforderung gegenüber der Stadt Linz in Höhe von 417,7 Millionen Euro plus Zinsen auf rund 245 Millionen Euro abgeschrieben, heißt es im Börsenprospekt der Bawag.

Der Rechtsstreit selbst habe bereits im November 2011 mit einer Klage der Stadt Linz gegen die Bawag auf die Zahlung von 30,6 Millionen Schweizer Franken (rund 24,2 Millionen Euro) plus Zinsen und Kosten begonnen. Die Klage basiere auf der Behauptung der Stadt Linz, dass ein mit der Bawag abgeschlossenes Swap-Geschäft unwirksam sei. Die Bawag weise diese Klage zurück und habe eine Gegenklage über 417,7 Millionen Euro eingebracht, inklusive Zinsen und Kosten.

"Als höchste Vorsichtsmaßnahme wurden diese Außenstände bereits im Finanzjahr 2011 auf einen Buchwert von rund 254 Millionen Euro abgeschrieben", heißt es im Börsenprospekt weiter.

Das entspricht somit in etwa auch dem Zeitwert des dem Swap-Geschäft zugrundeliegenden Frankenkredites in Höhe von 195 Millionen Franken, den die Stadt Linz bereits 2005 aufgenommen hatte. Die Bawag bewertet im Jahr 2011 den Swap-Vertrag aufgrund der Kursentwicklung des Franken mit 264 Millionen Euro. 14 Millionen Euro hat die Stadt Linz dann noch 2011 an die Bawag überwiesen.

Sollte das Gericht zur Ansicht kommen, dass die Swap-Transaktion unwirksam war, könnte die Bawag dazu verpflichtet werden, den geforderten Betrag an die Stadt Linz ganz oder teilweise zu bezahlen. In diesem Falle müsste die Bawag dann ihre Forderungen weiter abschreiben, heißt es im Börseprospekt weiter. Und auch wenn das Gericht die Swap-Transaktion für wirksam halten sollte, könnte es sein, dass die Bawag ganz oder teilweise nicht zu ihrem Geld komme. Ebenfalls mit der Konsequenz, die Forderung weiter abzuschreiben. Zusätzlich könnte die Bawag vom Gericht dazu verpflichtet werden, einen Teil oder die gesamten Gerichtskosten und Rechtskosten der Stadt Linz zu tragen. Konkrete Beträge werden dazu keine angegeben.

In der Causa, die bereits seit 2013 vor dem Handelsgericht in Wien anhängig ist, wird es wie berichtet bis zum Jahresende zu keinen weiteren Verhandlungen mehr kommen. Derzeit steht eine umfangreiche Gutachtensergänzung mit über 200 Fragen der Streitparteien an, die bis Ende 2017 befristet ist.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

14  Kommentare expand_more 14  Kommentare expand_less