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Neuerfindung des Bauens mit "Re-Use & Downcycling"

Von Sonderthemen - Redaktion, 01. Juni 2024, 00:04 Uhr
Neuerfindung des Bauens mit "Re-Use & Downcycling"
Rohstoffe werden auf der Baustelle immer wichtiger. Bild: : Rene Kops

Gips ist Mangelware, ebenso Sand und damit auch Beton. Die Bauwirtschaft muss umdenken im Sinne von Ökologie und Ökonomie meinen die Upcycling-Spezialisten der Immobilienrendite AG.

In der EU steht die Kreislaufwirtschaft hoch im Kurs. Bauwirtschaftsexperten in Brüssel planen eine Materialdatenbank und Rohstoffpässe für jedes neue Gebäude. Hier werden alle Inhaltsstoffe, ebenso wie Anleitungen zur Demontage erfasst. Ziel ist Europas größtes Materiallager, das künftig energie- intensives Recycling oder die Deponie erspart.

Rene Kops beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Zukunft am Bau. Er ist als Architekt im Umbau bzw. in der Sanierung tätig und im Aufsichtsrat des Upcycling-Spezialisten Immobilienrendeite AG: "Wir verbrauchen pro Jahr zwei Erden. Als Folge steuern wir auf eine große Ressourcen-knappheit zu. Uns gehen die Rohstoffe aus und außerdem versiegeln wir zu viel Fläche. Nur 6,1 Prozent der eingesetzten Rohstoffe werden derzeit wiederverwertet."

Umbau vor Abriss und Recycling

Der Re-Use beginnt aber schon bei Bestandsgebäuden. Vorstand Mathias Mühlhofer: "Alte Objekte zu sanieren und neu zu nutzen ist immer sinnvoller als ein Abriss, die reine Wiederverwertung von Rohstoffen oder gar ein Neubau."

Parallel spezialisieren sich immer mehr Firmen auf den Re-Use von Baumaterial und speichern Rohstoffdaten von Bestandsobjekten. Bei älteren Objekten ist die Zerlegung in Einzelteile jedoch schwierig. Neubauten werden hingegen oft bereits für die Wiederverwertung geplant und damit zu Baustofflagern. Holland ist Österreich einen Schritt voraus, denn hier bewerten Immobilienprofis beim Bau bereits die Abrisskosten von Gebäuden. Das für Re-Use geplante Material hat einen Verkaufswert und steigert die Rendite.

Leasing-Böden, Wander- und Lehmwände

Beim Innenausbau befinden sich auch heimische Unternehmen auf Innovationskurs. Hersteller von gewerblichen Teppichbodenfliesen bieten Leasing-Modelle an, vermieten ihr Produkt, holen es bei einem Austausch ab und produzieren aus Altem wieder Neues. Einen Boom erfährt auch die Wiederverwertung von Gipskartonwänden. Kops: "Gips ist ein immer knapper werdender Rohstoff. Es gibt seit Jahren Systeme, durch die wir Wände versetzen und an anderer Stelle wieder aufbauen können, denn sie haben einen Wert."

Der Architekt realisiert den Re-Use derzeit bei einem Büro-Umbau für eine Bank in Wien: "Hier werden 90 Prozent aller Wände wiederverwertet. Das braucht mehr und intelligentere Planung, aber es funktioniert." Bei Naturgips, der Basis für Rigips, ist der natürliche Vorrat bald erschöpft. Dennoch gibt es laut Kops bis dato kein funktionierendes Recycling-System: "Gipskartonplatten werden mit Papier und Farbe kaschiert. Das ist bei Wiederverwertung nicht gut trennbar."

Als Alternative könnten Lehmbau-platten zum Einsatz kommen. "Sie haben gute Eigenschaften, sind recycelbar, aber noch fehlt die Brandschutz-Zulassung."

Wintergarten aus alten Fenstern und Ziegel aus der Baugrube

Ist Material-Re-Use unmöglich, kommt Downcycling ins Spiel, also die Wiederverwertung von Baustoffen oder Gebäudeteilen in etwas minderwertigerer Art und Weise, wie beispielsweise von Fenstern aus den 80er Jahren für einen Wintergarten. Ein Auslaufprodukt ist auch Sand und damit Beton. Während es in Ostösterreich noch viele Gruben gibt, steuern wir weltweit auf eine massive Verknappung zu. Mühlhofer: "Die Auswüchse sind sichtbar, denn in Ländern des globalen Südens verschwanden für die Betonproduktion bereits ganze Sandstrände." In Indien sind Hunderte Kilometer Meeresufer verloren gegangen. Wüstensand ist für die Herstellung ungeeignet. "Daher werden wir noch in diesem Jahrhundert das Ende des Betons erleben."

Aus ökologischer Sicht ist dies ein Vorteil, denn der Baustoff ist weder modular verwendbar noch recyclingfähig. Materialwissenschaftler forschen aber bereits an einer Methode, die am Ende wieder Zement ausspuckt, leider ein gigantischer Energieaufwand.

Der Zukunft gehört dem Modulbau mit Holz-oder Metallelementen, eigentlich ein Konzept aus den 70er Jahren. Bauteile werden modular vorgefertigt, damit sie an anderer Stelle wieder verbaut werden können.

Laut Kops ist Eco-Design das Ziel: "Architektur muss neu gedacht werden." Baustoffe müssen demontier- und verschraubbar sein. Nichts darf mehr verklebt werden. Bei Schrauben und Rohren ist das seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Nur bei Baustoffen gibt es mit Ausnahme von Ziegeln noch immer kein Recycling.

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