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"Meinen Glanz in den Augen habe ich zurück"

Erleichterung unter den Betroffenen. Mit Berichten über die Missbrauchsfälle haben die OÖNachrichten im Umfeld des Linzer Olympiazentrums eine Debatte über Ethik und Verantwortung ausgelöst.

 "Meinen Glanz in den Augen habe ich zurück"

Bild: GEPA pictures

Vorige Woche hat Ulrike S. (Name von der Redaktion geändert) den OÖNachrichten ihre Geschichte anvertraut. In den 1990er-Jahren war sie als 18-jähriges Langlauftalent von ihrem Trainer sexuell missbraucht worden. Ulrike S. hat damals ihre Karriere beendet. Und lange geschwiegen. Im Dezember 2017 informierte sie zwei sogenannte "zuständige Anlaufstellen" über ihr traumatisches Erlebnis. Erst ein Jahr später wurde der beschuldigte Trainer von der Union Oberösterreich und dem Landesskiverband aus seinen Funktionen gekippt. Er arbeitete trotzdem im Linzer Heeresleistungssportzentrum (HLSZ) unter einem Dach mit dem Olympiazentrum des Landes im Umfeld der Sportlerinnen und Sportler weiter.

Korrekt reagiert?

Als die OÖNachrichten am Samstag die Geschichte der Ulrike S. öffentlich machten, fühlten sich die Präsidenten der beiden Verbände zu Unrecht kritisiert. Man habe korrekt reagiert, hieß es, man sei nicht "Richter oder Polizei". Dem mit dem ÖSV verpartnerten Kleinformat war die Missbrauchsaffäre am Sonntag keine Zeile wert, einen Tag später brachte man ein "Rechtfertigungsinterview" mit dem Skiverbandspräsidenten, der "top reagiert" habe. Die Herrschaften haben sich außerdem auf eine Einzelfall-Theorie verständigt. Die OÖNachrichten haben aber nicht nur mit Ulrike S. gesprochen. Eine zweite Betroffene hat sich nach langer Überlegung entschlossen, auch ihre Geschichte am Montag öffentlich zu machen. Melanie D. (Name von der Redaktion geändert) war 15, als sie von diesem damals mehr als doppelt so alten Langlauf-Trainer erstmals sexuell missbraucht wurde. Es folgte ein vierjähriges Abhängigkeitsverhältnis mit vielen Mitwissern.

Der Verdacht, dass es weitere betroffene Frauen in der jüngeren Vergangenheit gibt, hat sich bei den Recherchen der OÖN erhärtet. Nicht jede ist in der Lage, jenen Mut aufzubringen, den Ulrike S. und Melanie D. bewiesen haben. Die Gefahr, gegen die Wand zu rennen und erneut verwundet zu werden, ist in einem "Sportland", in dem wenige, miteinander verhaberte Männer das Sagen haben, einfach zu groß.

Der Klimawandel

Die Veröffentlichung der zweiten Geschichte hat einen Klimawandel bewirkt. Nach Jahrzehnten des Wegschauens, der Täter-Opfer-Umkehr und einer systematischen Bagatellisierung von sexueller Gewalt im Sport hat der zuständige Landesrat endlich den Fall des beschuldigten Langlauftrainers den Behörden gemeldet.

Diese hatten zu diesem Zeitpunkt nach den OÖN-Berichten ohnehin schon Ermittlungen aufgenommen. Ein Frühlingserwachen lag in der Luft, sogar das ÖSV-Partner-Medium hat situationselastisch von der Position der Funktionäre auf die Seite der Betroffenen gewechselt.

Wo soll man sich melden?

Nur beim Bundesheer war man noch in der Eiszeit, der Trainer durfte sich am Dienstag vor einer offenbar seltsam aufgestellten Kommission rechtfertigen, die keinen Grund für Konsequenzen erkannte. Der Angestellte sollte weiter seinen Dienst unter dem Dach des Olympiazentrums verrichten. Am Mittwoch wurde der beschuldigte Trainer, für den die Unschuldsvermutung gilt, schließlich nach Wien "dienstbefohlen". Für 90 Tage.

Zieht jetzt wirklich der Frühling ins Land? Werden die Strukturen durchlüftet, der Machtfilz aufgetrennt und die Haberer zur Verantwortung gezogen? Der Versuch, mit einer neu geschaffenen Hotline mehr Licht in diese Sache zu bringen, ist jedenfalls bemüht, aber kaum zielführend. Die Stelle ist dort eingerichtet, wo der beschuldigte Trainer auch nach Bekanntwerden der Vorfälle weiterarbeiten durfte. Im Umfeld des Expertenteams befindet sich noch dazu ein enger Vertrauter des Beschuldigten. Für eine weitere Betroffene, die sich jetzt bei den OÖNachrichten gemeldet hat, sind das nachvollziehbare Gründe, nicht die Hotline des Landes zu wählen.

Die Augen glänzen wieder

Die unabhängigste Instanz, was sexuelle Gewalt im Sport betrifft, ist die Initiative von Nicola Werdenigg, die mit ihrem Outing 2017 einen Stein ins Rollen gebracht hat (www.wetogether.eu). Auch den Ermittlern kann man sich anvertrauen. Sie arbeiten kompetent und gehen mit den Betroffenen behutsam und diskret um. Mindestens eine unserer Informantinnen (die Namen sind uns bekannt) hat sich entschlossen, auch der Polizei ihre Geschichte zu erzählen. Die aktuellen Entwicklungen haben Mut gemacht. Eine dieser Frauen hat uns gestern ein Mail geschrieben. "Das Leben kann so schön sein. Meinen Glanz in den Augen habe ich zurück. Ich kann abschließen."

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Artikel Christoph Zöpfl 15. März 2019 - 00:04 Uhr
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