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Ski Nordisch

Auf Bergisel-Absage folgt Tournee-Finale mit Bischofshofen-Doppel

Von nachrichten.at/apa   04. Januar 2022 16:34 Uhr

Am Bergisel geht es ans Eingemachte
Der Japaner Kobayashi ist heute Favorit beim „Städteflug“.

INNSBRUCK. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Vierschanzentournee der Skispringer ist am Dienstag ein Bewerb abgesagt worden, erneut in Innsbruck.

Auf der windanfälligen Schanze war bei der 70. Auflage des Klassikers wegen zu starken Föhns eine Durchführung des Bewerbs ebenso nicht möglich wie 2008. Damals ist die Tournee mit zwei Bewerben in Bischofshofen zu Ende gegangen. So wird es auch diesmal sein, wie in einer Krisensitzung am Nachmittag beschlossen wurde.

Laut Renndirektor Sandro Pertile hatte es gegolten, in einer komplizierten Situation mit allen beteiligten Partnern eine Lösung zu finden. Es soll nun am Mittwoch um 11.30 Uhr mit einem Trainingsdurchgang losgehen, die Qualifikation ist für 13.00 Uhr und der Innsbrucker Ersatz-Bewerb für 16.30 Uhr angesetzt. Am Donnerstag soll es die Qualifikation für den vierten Bewerb ab 14.30 Uhr und den ersten Wertungsdurchgang ab 17.30 Uhr geben. Aber auch da sind die Wetterprognosen nicht einwandfrei.

Passable Bedingungen am Montag

Am Montag hatten bei den beiden Trainingsdurchgängen sowie in der Qualifikation noch passable Bedingungen geherrscht, tags darauf war aber schon an die Abhaltung des für 12.00 Uhr angesetzt gewesenen Probedurchgangs nicht zu denken. Der Bewerbsbeginn wurde zunächst mit 13.30 Uhr belassen, in einigen Jury-Sitzungen aber in vier Etappen auf letztlich 15.00 Uhr verschoben. Zunächst wurde dafür noch grünes Licht gegeben, letztlich ging es aber auch mit neu gefräster Spur doch nicht.

Ohnehin wäre zu der dann spätestmöglichen Beginnzeit nur ein Durchgang durchgeführt worden, da die Lichtverhältnisse nicht mehr zugelassen hätten. Der Innsbrucker Bergisel ist mittlerweile der einzige Tournee-Bakken, an dem es noch keine Flutlichtanlage gibt. Ganz anders u.a. in Bischofshofen, wo der Bewerb am Dreikönigstag grundsätzlich erst am späten Nachmittag angesetzt ist. In Innsbruck wäre es vielleicht zu dieser Zeit gegangen, diese Option gab es aber eben nicht.

Die Durchführung des Bergisel-Springens in einem Durchgang hat es vor fünf und acht Jahren gegeben. 2017 dauerte der erste Heat aufgrund windbedingter Verzögerungen mehr als eineinhalb Stunden, die nahende Dämmerung machte das vorzeitige Ende unumgänglich. 2014 war die Konkurrenz ebenfalls stark vom Wind beeinträchtigt gewesen, neun Aktive vor Ende des zweiten Durchgangs musste schließlich abgebrochen werden. In die Wertung kam das Ergebnis des ersten Durchgangs.

"Es wäre zu gefährlich gewesen"

"Es ist wirklich schade", kommentierte ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl die nunmehrige Absage. "Wir sind nach dem Training und der Quali mit voller Motivation hergefahren. Wir haben uns immer wieder vorbereitet. Aber es ist leider so: wenn am Bergisel der Föhn geht, dann ist es extrem schwierig. Es wäre zu gefährlich gewesen für die Athleten." Der Quali-Vierte Daniel Huber war ebenso enttäuscht wie der -Zweite Jan Hörl. "Ich habe ja gestern sehr gut reingefunden", meinte Hörl.

Für Stefan Kraft hätte ein Bewerb in einem Durchgang einen gewissen Reiz gehabt. "Ich mag das ganz gerne, ein Sprung hopp oder drop. Man muss seine Sachen beieinanderhaben. Das wäre heute ein cooler Test gewesen, ob ich das schaffe." Er wolle aber nun eben in Bischofshofen wieder mehr Stabilität in seine Leistung hineinbekommen und wieder einmal zwei tolle Sprünge hintereinander hinlegen. Und das auf einer "Flieger-Schanze", wie sie Widhölzl bezeichnete. "Und die taugt uns sehr."

Hörl wollte bei der gleich anschließenden Weiterfahrt nach Bischofshofen sein gutes Gefühl mit ins Gepäck nehmen. "Und dann den Trainingssprung in Bi'hofen nutzen und dann angreifen. Auch lasse ich mich noch vom Physio behandeln, damit ich dann fit dastehe." Huber meinte, dass es für ihn zwar noch nie so 100-prozentig in Bischofshofen geklappt habe, er die Schanze aber sehr gerne mag. "Es ist ein bisschen etwas Eigenes mit dem flachen Anlauf, wenig Radius", wusste der 29-jährige Salzburger.

Schreibt Kobayashi Geschichte?

Vor 14 Jahren gewann der Finne Janne Ahonen am Tag nach der Absage das Ersatz- und dann auch das reguläre Springen in Bischofshofen, daraus resultierte sein fünfter Tournee-Gewinn. Damit ist der Skandinavier der erfolgreichste Athlet der Tournee-Geschichte. In Bischofshofen könnte nun wieder mit einem Doppel Geschichte geschrieben werden. Denn der Japaner Ryoyu Kobayashi hätte die Chance, mit zwei weiteren Siegen als Erster zum zweiten Mal alle Bewerbe einer Tournee zu holen.

Verläuft alles nach Plan, dann gibt es nun sogar vier Skisprung-Wettkämpfe en suite auf der Paul-Außerleitner-Schanze, denn am Samstag ist ein Team-Bewerb und für Sonntag ein weiteres Weltcup-Springen angesetzt.

Aus dem Archiv: 

  • Lange Geschichte: Schon am 23. Jänner 1927 gab es das erste Springen am Bergisel auf einer Naturschanze. Sechs Jahre später stieg dort erstmals eine Nordische Weltmeisterschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage neu aufgebaut, 2003 dann um 13,5 Millionen Euro noch einmal runderneuert. Und sie ist seit Anbeginn der Vierschanzentournee (1953/Gewinner Sepp Bradl) auch Teil dieses Klassikers. Doch der wohl bislang denkwürdigste Bewerb war die Großschanzen-Entscheidung im Rahmen der Olympischen Spiele 1976. Im ersten Durchgang setzte sich der erst 17-jährige Toni Innauer mit 102,5 Metern an die Spitze. Der Sieg schien für den haushohen Favoriten Karl Schnabl schon verloren. Doch mit einem Satz auf 97,5 Meter bei verkürztem Anlauf konnte er im zweiten Durchgang Innauer noch abfangen. Österreich feierte einen Doppelsieg, doch der Unterlegene hätte aus Wut am liebsten seine Skier zertrümmert. 1964 bei den ersten Winterspielen in Tirol war Rot-Weiß-Rot noch leer ausgegangen.
  • Heimvorteil: Zu den heimischen Bergisel-Seriengewinnern gehört etwa der Innviertler Andreas Goldberger, der sich 1993, 1994 und 1996 in die Siegerliste eintragen konnte und damit neben dem Finnen Matti Nykänen und dem Japaner Kazuyoshi Funaki der Mann mit den meisten Erfolgen ist. "Diese Schanze strahlt etwas Magisches aus. Wenn du in diesen Kessel springst, beflügelt dich das zu Sonderleistungen, auch wenn es heuer natürlich mit der Abwesenheit der Zuschauer etwas schwieriger ist, wirklich in Stimmung zu kommen", sagt der heutige ORF-TV-Experte. Der nunmehrige Cheftrainer Andreas Widhölzl war 2000 der erste Tiroler, der in Österreichs Adlerhorst zum Erfolg kam, Gregor Schlierenzauer (2013) der bisher letzte rot-weiß-rote Springer, der den Sieg davontrug. Mit 14 Siegen sind aber die Finnen die bis dato erfolgreichste Nation am Innsbrucker Hausbakken, gefolgt von 13 Erfolgen der heimischen Asse.

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