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Nächster Schock für ÖSV-Damen-Team: Veiths Kreuzband riss erneut

WIEN/POZZA DI FASSA. Erneuter schwerer Rückschlag für Anna Veith: Die Salzburgerin, die heuer nach zwei Knieoperationen wieder an die Weltcup-Spitze herangerückt war, zog sich am Samstag beim Riesentorlauf-Training in Südtirol einen Kreuzbandriss zu.

Anna Feith Bild: GEPA pictures

Für Österreichs alpines Damen-Ski-Team war es einen Tag nach der Knieverletzung von Stephanie Brunner der nächste Nackenschlag unmittelbar vor der WM.

Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie lautete die ernüchternde Diagnose. Die 29-Jährige wurde noch am Samstag von Dr. Christian Hoser im Innsbrucker Klinikum Hochrum operiert. Anders als bei Brunner, deren Kreuzband ebenfalls am Vortag beim Training in Pozza di Fassa gerissen war, passierte Veiths Verletzung nicht bei einem Sturz. Sie hatte "nach einem Schwung einen Schlag abbekommen und dann das Training gestoppt", wie der ÖSV in einer Aussendung bekanntgab.

Veith selbst hatte zuletzt aufsteigende Form bewiesen und war in vier Saison-Riesentorläufen dreimal in die Top Ten (einmal Siebente, zweimal Achte) gefahren. Österreichs Technik-Team steht damit knapp einen Monat vor dem WM-Bewerb in Aare ohne sein Riesentorlauf-Topduo da. Auf der Ausfall-Liste des ÖSV-Teams trugen sich - vor oder während der Saison - mittlerweile acht Namen ein.

Ob und wie es mit der Karriere der ehemaligen Gesamtweltcup-Siegerin nach ihrer dritten schweren Knieverletzung weitergeht, war zunächst unklar. Ein Statement Veiths gab es mit Verweis auf den schweren "persönlichen Rückschlag" nicht. Der enormen Belastung auf ihre beiden lädierten Knie war sich die Gesamtsiegerin von 2013/14 und 2014/15 stets bewusst gewesen. "Das Skifahren bleibt ein enorm belastender Sport", hatte Veith nach einem für sie "ungewohnten", weil verletzungsfreien Sommer gemeint.

Nach diesem hatte Veith auch den Vertrag mit ihrem Hauptsponsor um drei Jahre verlängert. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wollte ihr damals das Versprechen abringen, bis 2021 zu fahren. Veiths Antwort: "Wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre, könnte ich das versprechen, aber ich muss von Jahr zu Jahr schauen." Es sollte für sie ein Jahr mit einer weiteren schweren Verletzung werden.

Coach Kriechbaum: "Macht nachdenklich"

"Das macht natürlich schon sehr nachdenklich. Die vielen Verletzungen trüben die Laune deutlich", sagte Jürgen Kriechbaum in einer ersten Reaktion gegenüber der APA. Der Rennsportleiter der ÖSV-Alpindamen muss nicht nur im weiteren Weltcup, sondern auch bei der WM mittlerweile auf gleich mehrere Topfahrerinnen verzichten. "Bitter. Denn der Druck ist bei einer WM ja trotzdem da", sagte Kriechbaum.

Grundsätzlich würde ihn jede Verletzung sehr treffen, egal ob absolute Leistungsträgerin oder nicht, betonte Kriechbaum. "Aber wenn Spitzenleute fehlen, ist es natürlich auffälliger." Skifahren sei weiter ein gefährlicher Sport und man müsse sich des Risikos bewusst sein. "Vor allem, wenn man Spitzenleistungen einfordert. Man kann sich dem nicht entziehen."

Vor allem bei der im Juni 30 Jahre alt werdenden Veith sind Sorgen, ob die schon mehrmals schwer verletzt gewesene Salzburgerin auch diesen Rückschlag nun überwindet. "Sie könne sich nicht vorstellen, in vier Jahren noch dabei zu sein", hatte die Salzburgerin zuletzt bei den Heimrennen am Semmering gemeint. Während ihrer langer Verletzungspause davor habe sie gespürt, dass es noch nicht vorbei sei. "Wichtig ist deshalb vor allem, dass ich gesund bleibe."

Das Wissen um die Möglichkeit einer Verletzungen und damit umzugehen, sei als Skirennläuferin unumgänglich, erklärte Kriechbaum. "Alle sind damit konfrontiert, viele hatten selbst schon Verletzungen. Man muss das einfach ausblenden, sonst bremst man runter."

Ob die manchmal ähnlichen Verletzungsmuster auch auf das Material zurückzuführen sind, ließ Kriechbaum offen. Im Damenbereich hatte man seinerzeit die Radius-Änderungen der Rennski bei weitem nicht so extrem betrieben wie bei den Herren.

"Material-Diskussionen kommen speziell bei Verletzungen nach Bagatell-Stürzen schnell auf", so Kriechbaum. Der Ski-Radius sei aber nur ein Teil der Frage. "Man muss sich auch die Kraftübertragung und den Dämpfungsmechanismus ansehen", sprach der erfahrene Coach etwa auch das ganze System Bindung, Platte, Skischuh an.

Die acht verletzten ÖSV-Damen im WM-Winter 2018/19

Vor und während des WM-Winters 2018/19 haben sich bis Anfang Jänner bereits acht Alpinski-Damen des ÖSV schwer verletzt. Innerhalb von 24 Stunden erwischte es zuletzt mit Stephanie Brunner und Anna Veith zwei Topfahrerinnen beim Riesentorlauf-Training in Südtirol:

Die Verletzungen der ÖSV-Damen:

Elisabeth Kappaurer: Schien- und Wadenbeinbruch linker Unterschenkel beim RTL-Training in Saas Fee (Schweiz) Ende September

Sabrina Maier: Schien- und Wadenbeinbruch bei Speed-Training Mitte November in Copper Mountain (USA)

Christine Scheyer: Kreuzband- und Innenmeniskusriss im rechten Knie sowie Impressionsfraktur des Oberschenkels, erlitten am 2. Dezember im Super-G von Lake Louise

Cornelia Hütter: Knorpelfraktur an rechter Oberschenkelrolle, erlitten am 2. Dezember im Super-G von Lake Louise. 5 Wochen Pause

Katharina Gallhuber: Riss vorderes Kreuzband und Innenmeniskusriss im rechten Knie am 14. Dezember beim Slalom-Training auf dem Semmering

Rosina Schneeberger: Außenknöchelfraktur und Operation nach Sturz bei Europacuprennen in Zauchensee im Dezember und acht Wochen Pause

Stephanie Brunner: Kreuzband- und Innenmeniskusriss links beim RTL-Training am 11. Jänner in Pozza di Fassa

Anna Veith: Kreuzbandriss rechts beim RTL-Training am 12. Jänner in Pozza 

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Artikel nachrichten.at/apa 12. Januar 2019 - 16:17 Uhr
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