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Ski Alpin

Der Beste kam zum Schluss: Hirscher Nummer 1 der Welt

Von Alexander Zambarloukos aus Åre   18. Februar 2019 00:05 Uhr

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Bild 1/22 Bildergalerie: Medaillenregen für den ÖSV im letzten Rennen

Österreichs Ski-Star überflügelte Toni Sailer. Der Salzburger siegte vor Matt und Schwarz.

"Ich fühle große Erleichterung, Dankbarkeit für mein Team, das alles unternommen hat, damit ich wieder auf die Füße komme – und auch Genugtuung. Denn der Druck war sehr groß." Marcel Hirscher hat sich bei seiner "mit ziemlicher Sicherheit" letzten Alpin-WM in Åre wieder einmal selbst übertroffen und sich mit dem Triumph im Slalom zum erfolgreichsten Sportler in der Geschichte der Welttitelkämpfe gekrönt.

Der 29-jährige Annaberger überflügelte mit nunmehr sieben Gold- und vier Silbermedaillen Toni Sailer (7/1). Diese Rangerhöhung scheint den frischgebackenen Champion eher weniger zu beeindrucken. Hirscher ist viel abgeklärter als vor sechs Jahren, als er in Schladming vor 50.000 Fans zu WM-Gold raste. "Damals wäre für mich die Welt untergegangen, wenn es nicht geklappt hätte. Heute wäre es nicht lustig, aber global gesehen so wie in China das mit dem Sack Reis."

Im Kollektiv geglänzt

Marcel blickt über den Tellerrand hinaus und hat die Lacher auf seiner Seite. "Der Präsident ist hier, springt herum, hat seinen Spaß", sprach der nach seinem grippalen Infekt immer noch nicht hundertprozentig fitte Hirscher mit einem Schmunzeln ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel an, der den hohen Norden nur widerwillig ohne WM-Triumph (so geschehen zuletzt 1987 in Crans Montana) hatte verlassen wollen.

Der Beste kam zum Schluss: Hirscher Nummer 1 der Welt
Matt, Hirscher und Schwarz jubeln

Gestern, um 15.25 Uhr, löste sich dieses Damoklesschwert in Luft auf. Und das, obwohl Hirscher zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geliefert hatte. Doch Michael Matt (Silber) und der drittplatzierte Marco Schwarz, der mit drei WM-Medaillen (einmal Silber, zweimal Bronze) hochdekoriert ist, hatten phänomenal vorgelegt und die Weichen für einen rot-weiß-roten Tripelsieg gestellt. Auch das ist eine WM-Premiere.

> Video: Michael Matt holt Silber für Tirol

Bei den Olympischen Winterspielen 2006 waren ebenfalls drei Österreicher – Benjamin, Raich, Reinfried Herbst, Rainer Schönfelder – auf dem Slalomstockerl gestanden, doch damals hatte Schröcksnadel nicht vor Freude tanzen können. Wegen "Austria is a too small country to make good doping" – eh schon wissen.

In alle Winde zerstreut

Große Medaillenfeiern nach Åre 2019 müssen einmal auf die lange Bank geschoben werden. Während Hirscher noch gestern mit dem Red-Bull-Privatjet nach Hause flog und sich morgen direkt zum City-Parallel-Weltcup-Event nach Stockholm einfliegen lässt, ging es für seine "Kronprinzen" Matt und Schwarz ebenfalls in den Abendstunden direkt weiter in Schwedens Hauptstadt.

"Wir werden schon anstoßen", lächelte Michael Matt (25), der beinahe in die Fußstapfen seines älteren Bruders Mario (39) getreten wäre. Letzterer hatte 2007 im WM-Slalom von Åre mit Gold um die Wette gestrahlt. Dem "Junior" fehlten dann doch 65 Hundertstel auf Hirscher.

Letzterer ist jetzt dreifacher Weltmeister im Torlauf (2013, 2017, 2019), dieses Kunststück hatte zuvor bei den Herren nur der große Ingemar Stenmark (62) geschafft. Mit Schwedens Idol will sich Marcel nicht vergleichen. "Er muss ein brillanter Skirennläufer gewesen sein, aber ich bin zu jung. Sorry, ich habe ihn nie fahren gesehen – auch nicht im Fernsehen", sagte der siebenmalige Gewinner der großen Kristallkugel.

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Was bringt die Zukunft?

Fragen nach Stenmarks Weltrekord (86 Weltcup-Triumphe) und möglichen Ambitionen, diesen zu toppen, weicht Hirscher, der 68 Siege zu Buche stehen hat, geschickt aus. Er sieht sich im Spätherbst seiner Karriere – und trotz seiner gigantischen Erfolge einer fast schon unmenschlichen Erwartungshaltung in der Heimat ausgeliefert. "Ich werde älter und älter – und jeder erwartet, dass ich noch besser werde."

Hirschers Blick richtet sich "auf die nächsten zehn Weltcup-Rennen", in denen er übrigens drei weitere Kugeln erobern kann. Und dann? "Werden wir sehen …"

> Video: Mario Schwarz im Interview, Freude bei den Fans zu Hause

 

 

 

Reaktionen

Marcel Hirscher (AUT/Gold): "Ich fühle Dankbarkeit. Als ich hier gekommen bin, war es nicht selbstverständlich, dass ich mitfahren kann. Danke ans ganze Team, sie haben alles probiert, dass ich wieder auf die Füße komme. Oben habe ich Vollgas gegeben, dann gemerkt, dass ich das Tempo nicht gehen kann. Ich wusste, dass Pinturault nicht in Führung liegt. Ins Ziel habe ich wieder versucht, Tempo mitzunehmen. Saucool, dass wir als Mannschaft so gut waren. Die beiden wären parat gewesen, wenn es mich rausgehaut hätte."

Michael Matt (AUT/Silber): "Es war brutal schwierig zu fahren, unruhig. Ich habe schon gescheit riskiert. Der Lauf war auch ein wenig anders. Ich glaube, ein gutes Ergebnis. Unten ins Ziel hinein wäre mehr gegangen. Ich habe mir schon gedacht, wenn das jetzt nicht für eine Medaille reicht..."

Marco Schwarz (AUT/Bronze): "Vierter wollte ich nicht werden. Ich habe Fehler gemacht, bin aber mega-happy über den dritten Platz. Ich habe oben gehört, dass Michi führt, das wollte ich auch machen. Es hat nicht gereicht, aber ich bin trotzdem happy. Man sieht, dass wir die Skination Nummer eins sind. Das war auch der Auftrag der Trainer gestern. Aber die Konkurrenz ist groß."

Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident): "Ende gut, alles gut, hinter der Slowakei wäre ich nicht gern gewesen im Medaillenspiegel. Wir hatten vorher auch ein wenig Pech, muss man sagen. Aber wir sind jetzt sehr glücklich. Alle Achtung vor Marcel, bei dem Druck. Ziel waren sechs bis acht Medaillen. Jetzt haben wir acht, das ist schön. Gold haben wir auch zusammengebracht."

Ferdinand Hirscher (Hirscher-Vater und -Trainer): "Die ganzen Siege von Marcel haben hohen Stellenwert. Aber wenn man körperlich so angeschlagen ist - er hat gesagt, dass er es im zweiten Durchgang schon gemerkt hat - ist das schon hoch einzuordnen. Der WM-Titel in Schladming war natürlich unglaublich." - Zu möglicher Siegesfeier: "Wir müssen jetzt sofort das Hotel räumen, ins Auto springen und via Stockholm nach Hause. Die Feiergaudi müssen wir im Frühjahr machen, jetzt haben wir keine Zeit."

Alexander Van der Bellen (Bundespräsident): "Ein mehr als verdienter Sieg des Ausnahmekönners und Jahrhundertskifahrers Hirscher - und ein Dreifach-Triumph der Österreicher. Herzliche Gratulation an Marcel Hirscher zu Slalom-Gold, Michael Matt zu Silber und Marco Schwarz zu Bronze."

Video: So zitterten die Fans bei Hirschers Goldfahrt

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