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Garmisch und der ganz normale Wahnsinn

GARMISCH. Ski alpin: FIS-Renndirektor Waldner warnt die Abfahrer – Ist das ständige Schlucken von Schmerzmitteln ein Auslöser für Stürze?

Garmisch und der ganz normale Wahnsinn

Schmerz lass‘ nach: Hannes Reichelt greift nach seinem Sturzflug auf der Streif wieder auf der Abfahrtspiste an. Bild: GEPA

Es ist ein Tabu im Ski-Weltcup, aber jeder weiß es: Die Liste der Läufer, die in der "Voltaren-Liga" starten, wird immer länger. Aus aktuellem Anlass machte vor der heutigen Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen (11.30 Uhr) FIS-Renndirektor Markus Waldner deutlich, dass die Einnahme von Schmerzmitteln mit Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sein könnten. "Es ist möglich, dass das ständige Schlucken von Schmerzmitteln ein Auslöser für Stürze ist, so wie auch mangelnde Fitness", sagte der Südtiroler.

Was haben Georg Streitberger, Matthias Mayer oder Ted Ligety gemeinsam? Für alle drei Top-Fahrer ist diese Saison nach zum Teil wilden Stürzen bereits vorbei – und alle hatten vor ihren Unfällen Schmerz-Medikamente genommen. Streitberger (Kreuzband-, Innenband- und Seitenbandriss im Knie nach dem Sturz vor einer Woche auf der Kitzbüheler Streif) machen chronische Rückenbeschwerden zu schaffen. Reichelt (Wirbelbrüche in Gröden) hatte aufgrund einer Schuhrandprellung Analgetika eingeworfen. Und Ted Ligety (Kreuzbandriss im Training am Dienstag) hätte aufgrund eines akut gewordenen Bandscheibenvorfalles ohne Schmerzmittel in den vergangenen Wochen nicht Ski- geschweige denn Rennen fahren können.

Auch Hannes Reichelt wird heute vor der Abfahrt in Garmisch in die "Hausapotheke" greifen. "Ich nehme die Mittel weniger wegen der Schmerzen, sondern vor allem wegen der Entzündungsvorbeugung nach meinem Sturz in Kitzbühel", sagt der 35-Jährige. Für den Wahl-Innsbrucker ist das eine Ausnahme, denn in der Regel ist er "clean" unterwegs. Darum hat er auch den Riesentorlauf, der aufgrund der aggressiven Ski den Rücken stark belastet, aus seinem Rennplan gestrichen. Reichelt: "Ich schau’ einen Riesentorlauf-Ski nur an und mir schießt’s schon ins Kreuz. Ich will kein Testfahrer von Voltaren werden."

Ein Testfahrer wie Christof Innerhofer zum Beispiel. Der Südtiroler gibt ganz offen zu, von 2012 bis 2015 kein Rennen ohne Schmerzmittel bestritten zu haben.

Auch Oberösterreichs Aushängeschild Vincent Kriechmayr kämpfte zuletzt mit Rückenschmerzen. Groß darüber reden will er nicht. Pillen schlucken oder Zähne zusammenbeißen – das ist der ganz normale Wahnsinn der Ski-Helden, die uns die Werbung so gerne als Naturburschen verkaufen möchte. (chz)

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Artikel 30. Januar 2016 - 00:04 Uhr
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