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„Der Hermann ist ein sportliches Wunder“

LAKE LOUISE. Wie ein Phönix aus der Asche tauchte Hermann Maier beim Super-G-Sieg in Lake Louise auf. Wie es nach 1037 sieglosen Tagen zur Auferstehung des totgesagten Herminators kam?

Von Marlies Czerny

Abgestempelt war er von den einen geworden („Warum fährt der Alte noch immer?“), hochgejubelt von den anderen („Der kommt schon noch, ihr werdet sehen!“). Recht hatten die Optimisten. Doch der 54. Weltcup-Sieg des einstigen Dominators, der ab Sonntag 36 Jahre auf dem lädierten Buckel hat, war keine Selbstverständlichkeit. „Keinen Cent hätte ich auf einen Sieg hier gesetzt“, gestand Maier. Warum er sich irrte? Das hat Gründe:

1Material: Lange war eine Leier von Maier die fehlende Abstimmung zwischen Schuh und Ski gewesen. Denn: Sein rechter Unterschenkel, seit dem Motorradunfall 2001 deformiert mit einer riesigen Beule, macht es unmöglich, in einen normalen Schuh zu schlüpfen. Bei Atomic verzweifelte er, wechselte oft von Rennen zu Rennen den Schuh. Seit Juni 2007 fährt Maier mit Köpfchen – fand bei Head das richtige Material. Heinrich Bergmüller, seit 13 Saisonen engster Vertrauter und oberster Fitmacher des Altmeisters, erzählt im OÖN-Gespräch, wie sehr ihn die Material-Frage beschäftigt hatte: „Maier ist ein irrsinniger Tüftler. Das hat seinen Rhythmus hauptsächlich durchbrochen.“

2Vorbereitung: Im Sommer sei Maier beim Trainingslager in Chile wieder der Alte gewesen, lobten seine Trainer. Doch dann „war alles futsch“, so Maier: erst eine Viruserkrankung, dann der Einriss in der Bandscheibe. „Ich muss bei null beginnen.“ Sein Trainer-Guru unterstellt ihm da schmunzelnd eine leichte Übertreibung. Doch er kennt einen anderen Grund für die Rückkehr: „Wir haben in die Vorbereitung Leichtathletik-Elemente eingebaut: Sprints und Sprungübungen. Das war zuvor wegen seines Unfalls nicht möglich. So wurde sein Körper wieder wachgerüttelt.“

3Kurssetzung: Klar kam Maier beim Super-G von Lake Louise die rasante Kurssetzung des US-Speedtrainers Chris Brigham entgegen: Schnell, direkt – das Rennen hätte auch als Abfahrt durchgehen können (was dem Ski-Weltverband wieder starke Kritik einbrachte). Maier hatte den Rat seines langjährigen Trainers Andreas Evers befolgt und zu 2,15 Meter langen Abfahrtsskiern gegriffen.

4Lockerheit: War Maier zu den Seriensiegzeiten mit der Brechstange unterwegs gewesen, nimmt er die Rennen lockerer: „Früher musste ich gewinnen, jetzt ist es eine Draufgabe.“

5Reife: Die blauen Augen von Hermann Maier waren im Ziel feucht: als Zeichen des Triumphes, der Genugtuung – und der Demut. Oft blickte er zum Herrgott nach oben und sagte Danke. Fast drei Jahre hatte er warten müssen auf diesen Moment. Doch Maier steckte nie zurück, wie Bergmüller schwärmt: „Er arbeitet nach so vielen Jahren noch immer so konsequent. Dieser Ehrgeiz und diese Motivation – für mich ist er ein sportliches Wunder.“

Doch der einstige Übermensch ist Geschichte, sagt Maier: „Das ist vergangene Zeit, der Körper gibt das nicht mehr her.“ Heute gebe es wichtigere Dinge im Leben – wie seine Freundin Stephanie, eine Ebenseerin. Oder ein Leben ohne Schmerzmittel: Nur kann er von dem im Gegensatz zum Sieg nur träumen.

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Artikel Von Marlies Czerny 02. Dezember 2008 - 00:00 Uhr
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