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Eishockey

Mit Arroganz ins Verderben gelaufen

Von Alexander Zambarloukos aus Bratislava   22. Mai 2019 00:04 Uhr

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Bild 1/40 Bildergalerie: Die OÖN bei der Eishockey-WM

BRATISLAVA. Überflüssig wie ein Kropf: Österreichs Eishockey-WM-Team hätte nicht absteigen dürfen.

"Im zweiten Drittel sind wir vielleicht etwas zu arrogant aufgetreten und haben gedacht, dass wir besser sind, als wir sind. Die Italiener haben uns dafür bezahlen lassen." Wenn Michael Raffl, Österreichs NHL-Star in Diensten der Philadelphia Flyers, die Stimme erhebt, hat das Gewicht. Immerhin steuerte der 30-jährige Villacher fast die Hälfte aller rot-weiß-roten Tore (fünf von mageren neun) in Bratislava bei, den Abstieg konnte aber auch er nicht verhindern.

Sieben Niederlagen in sieben Spielen sind ernüchternd, das alles entscheidende "Finale", das die Squadra azzurra nach 14 Penalties mit 4:3 für sich entschied, war der ebenso dramatische wie negative Höhepunkt. Das Team von Roger Bader ist wieder in der Zweitklassigkeit angekommen.

Der Teamchef ist angeschlagen

Das ist auch ein persönlicher Dämpfer für den Trainer. Bader hätte sich gerne auch im kommenden Jahr – in seiner Schweizer Heimat – auf dem höchsten Level (A-WM) präsentiert. Stattdessen führt der zwischenzeitlich vielversprechende Weg (mit dem Klassenerhalt 2018 in Kopenhagen) zurück an den Start. Von 20. bis 26. April 2020 muss die ÖEHV-Auswahl in einem Sechser-Turnier mit Frankreich, Slowenien, Südkorea, Ungarn und Rumänien um zwei Aufstiegsplätze rittern.

"Ich muss das erst einmal verdauen und dann in die Analyse gehen", sagte Bader, der nach dem sportlichen Absturz zunächst eher trotzig reagierte: "Wir haben diese Niederlage nicht verdient, wir waren die deutlich bessere Mannschaft." Das ist aber logisch, wenn man bedenkt, dass die Italiener mit vielen Halbprofis bzw. zehn Akteuren aus der zweitklassigen AlpsHockeyLeague angetreten sind. Österreichs Equipe hätte kurzen Prozess machen müssen – weil sie offensiv über so viel Qualität, also über so viele Legionäre in etablierten Ligen, wie schon lange nicht verfügte.

Dass das für die großen Nationen nicht reicht, war absehbar. Aber dieser Abstieg ist definitiv hausgemacht und ein Selbstfaller. "Das Resultat ist hart, aber unter dem Strich lügt es nicht", gab Bader zu: "Man muss wohl annehmen, dass das unser Niveau ist", sagte der 54-Jährige.

In den sozialen Netzwerken schossen sich die Fans nicht nur auf Spieler und Teamchef ein, sondern auch traditionell auf die heimische Erste Bank Liga und deren Legionärsflut, die durch die dezente Verschärfung der Punkteregelung häppchenweise eingedämmt werden wird – bis auf maximal neun "Fremdarbeiter" ab der Saison 2022/23.

Das allein wird aber nicht genügen. Schon die Basis schwächelt, die Zahl der Nachwuchsspieler ist überschaubar, das Niveau der U18- und U20-Nationalteams unter jenem der A-Nationalmannschaft. Seit zehn Jahren hat kein Österreicher den Sprung in die NHL geschafft. Der bis dato Letzte war Michael Raffl – 2009.

Trotzdem: Der großzügige, für viele auch aufgeblähte Modus der A-WM (mit 16 Teams) hätte es gestattet, oben zu bleiben. Nicht nur den limitierten Italienern ist das gelungen, sondern auch den Briten, die nach ihrer Aufholjagd gegen Frankreich (4:3 nach 0:3) bei der Kabinenparty selbstironische Töne anschlugen: "Wir sind sch... und wir wissen, dass wir es sind", sangen sie. Den Brexit haben sie dennoch abgewendet.

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