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Eishockey

Herr Rossi fand das Glück

Von Alexander Zambarloukos  08. Januar 2022 00:04 Uhr

Herr Rossi fand das Glück
Marco Rossi (Mitte) im NHL-Trikot der Minnesota Wild

BOSTON. Traumstart nach Albtraum: Von einer Covid-Erkrankung in die beste Eishockeyliga der Welt.

"Es geht dir viel durch den Kopf, wenn du hörst, dass du fast gestorben wärst." Marco Rossi, der im Dezember 2020 schwer an Covid-19 erkrankt war, hat seinen härtesten Kampf gewonnen. Der 20-Jährige ist wieder gesund und endlich in der NHL angekommen.

In der Nacht auf Freitag debütierte der gebürtige Feldkircher vor den Augen seiner Eltern Claudia und Michael als achter Österreicher in der besten Eishockeyliga der Welt. Und zwar im Trikot mit der Nummer 23 der Minnesota Wild, die ihn am 7. Oktober 2020 im NHL-Draft "gepickt" und über das Farmteam, die Iowa Wild (23 Scorerpunkte in 21 Matches), behutsam an die erste Mannschaft herangeführt haben.

"Sie waren meine Motivation"

Rossi startete zwar ohne Tor und ohne Assist, aber wie Thomas Vanek anno 2005 (damals im Dress der Buffalo Sabres) mit einem Sieg in die NHL. Minnesota beendete vor 17.850 Zuschauern im TD Garden zu Boston mit dem 3:2 gegen die Bruins eine Negativserie von fünf Niederlagen.

"Ich habe zu allen Österreichern aufgeschaut, die vor mir in der NHL gespielt haben. Sie waren meine Motivation. Ich habe mir immer gesagt: Ich komme auch aus Österreich, ich werde es auch schaffen", erläuterte Rossi, der – wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten – Wort hielt.

"Die Ärzte haben gesagt, ich soll keinen Sport mehr machen", erzählt der gebürtige Feldkircher, bei dem als Long-Covid-Folge eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert wurde. Heute ist er zum Glück wieder der Alte – oder wie er selbst sagt "der bessere Marco" – und mit mehr als einem Jahr Verspätung dort, wo er schon immer sein wollte.

Der Nationalspieler kam auf 16:19 Minuten Eiszeit und durfte auch im Powerplay – eine Angelegenheit für die begnadeten Spieler – mitwirken. Die Kritiken fielen durch die Bank positiv aus. "Jeder von uns hat eine solide Leistung abgerufen – wir haben das als Team gewonnen, die Jungen haben ihren Beitrag dazu geleistet", betonte Minnesota-Stürmer Mats Zuccarello. Coach Dean Evason, der viele Ausfälle zu verkraften hatte, war "stolz auf alle".

Rossi selbst surfte auf einer Welle der Emotionen. "Der ganze Tag war aufregend, jetzt fühlt es sich sehr gut an. Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagte Rossi im Sky-Interview. "Es ist schön, dass meine Eltern dabei waren. Denn sie haben wirklich alles für mich getan."

Weil sich Minnesotas Top-Angreifer Kirill Kaprisow in Boston verletzte, dürfte Rossi auch in der Nacht auf Sonntag (2 Uhr) gesetzt sein. Dann wird es richtig stimmungsvoll bei der Heimpremiere im 17.954 Zuschauer fassenden "Xcel Energy Center" in St. Paul. Die Washington Capitals rücken an – mit keinem Geringeren als Alexander Owetschkin.

Den russischen Superstar kennt Michael Raffl aus gemeinsamen Capitals-Zeiten bestens. Jetzt stürmt der 33-jährige Villacher für die Dallas Stars, am Dreikönigstag steuerte er sein viertes Saisontor, das zwischenzeitliche 1:1 (13.), zum 6:5-Erfolg nach Penaltyschießen gegen die Florida Panthers bei.

Es sind gute Zeiten für Österreichs Aushängeschilder.

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Alexander Zambarloukos

Redakteur Sport

Alexander Zambarloukos

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